Interview 23.09.2025, 11:40 Uhr

Canva-Managerin über Leadership: „Empathie als Kompass“

Technologischer Wandel und KI verändern die Arbeitswelt rasant, doch bei Canva zeigt sich: Kreativität, Authentizität und Empathie bleiben die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Führung heißt hier, klare Entscheidungen mit menschlichen Werten zu verbinden.

Daniela Nyarko

Im Gespräch verrät die Head of Sales EMEA von Canva, warum Empathie, Authentizität und Kreativität die Erfolgsfaktoren der Zukunft sind.

Foto: Tim Stockhausen

Mit KI und digitalem Fortschritt erlebt die Tech-Branche eine Zeitenwende. Doch welche Skills braucht es künftig und wie verändern sich Leadership und Zusammenarbeit? Darüber haben wir mit der Head of Strategic Sales EMEA von Canva, Daniela Nyarko, gesprochen. Als Leiterin des strategischen Vertriebs arbeitet sie mit den größten Unternehmen Europas zusammen und hilft ihnen dabei, ihre Produktivität und Kreativität zu steigern. Im Gespräch verrät sie, warum ausgerechnet Empathie, Authentizität und kreatives Denken die entscheidenden Erfolgsfaktoren der Zukunft sind.

Führung mit Werte-Kompass

Ingenieur.de:  Viele kennen die Situation: Man ist völlig ausgelastet und bittet darum, ein großes Projekt zu verschieben, doch die Deadline bleibt bestehen. Stattdessen wird vorgeschlagen, Aufgaben neu zu verteilen oder Prioritäten zu verschieben, um die Belastung abzufangen.  Wie kann man als Führungskraft auf eine solche Situation reagieren?

Daniela Nyarko: Als Head of Strategic Sales bin ich unter anderem für die Go-to-Market-Strategie in der EMEA-Region verantwortlich. Es ist ein anspruchsvoller und stressiger Job, da ich viele Wachstumsziele im Blick haben muss. Für mich ist es am wichtigsten empathisch zu sein und die persönlichen Bedürfnisse meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Blick zu halten, gleichzeitig aber auch die Geschäftsentscheidungen nicht zu vernachlässigen. Ich denke, dass sich Empathie und das Treffen solcher Entscheidungen nicht unbedingt ausschließen, sondern vielmehr ergänzen.

Meine Einstellung ist immer, dass wir darauf vertrauen müssen, dass die Menschen, die zur Arbeit kommen, ihr Bestes geben wollen. Deshalb arbeite ich mit starken Werten, nämlich dass wir in erster Linie Partner sind, dass wir freundlich sind, aber auch einen Goldstandard bieten.

Wenn es also um geschäftliche Entscheidungen geht, geht es nicht unbedingt darum, schwierige Entscheidungen zu treffen, sondern darum, wie man die Menschen durch den Prozess begleitet, wie man mit den Erwartungen umgeht und wie man ihnen vermittelt, was man von ihnen erwartet. Deshalb denke ich, dass Empathie und gute Entscheidungsfindung tatsächlich Hand in Hand gehen.

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Wenn man also ein Ziel verfolgt oder eine schwierige Entscheidung treffen oder ein Gespräch führen muss, ist mein Ansatz, Feedback zu geben, das der Situation angepasst ist. Und es sollte zeitnah sein, denn dann kann man viel besser darauf reagieren. Und wenn man diese festgelegten Werte hat, ist Empathie bereits ein Aspekt davon.

Für mich ist Empathie also kein situationsabhängiger Aspekt, sondern eher eine Führungsethik, die ich in meinem Team umsetze.

Was hätten Sie gerne früher über den Arbeitsmarkt im Allgemeinen beziehungsweise Ihre Branche im Besonderen, gewusst?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, der Technologiebereich verändert sich sehr stark. Ich glaube, niemand hätte mich auf das Ausmaß der Veränderungen vorbereiten können, die wir derzeit erleben, was eigentlich sehr spannend ist. Ich sehe das eher als Chance, um als Person zu wachsen.

Es gibt also vielleicht nicht so sehr eine Sache, die ich gerne vorher gewusst hätte, aber eine Sache, die mir definitiv geholfen hat, ist, sehr anpassungsfähig, sehr flexibel und auch sehr agil zu sein, damit man tatsächlich innerhalb der Branche wachsen und reifen kann. Ja, das ist mein einziger Ratschlag oder meine Vision.

Die Marketingbranche ändert sich rasant durch KI, Automatisierung und datengetriebenes Arbeiten. Sehen Sie das Thema als Chance oder als Bedrohung für kreative Berufe?

KI ist etwas, worüber wir wahrscheinlich noch sehr lange sprechen werden. Ich würde sagen, dass KI einen unglaublichen Mehrwert für Teams, aber auch für uns als Einzelpersonen geschaffen hat. Sie nimmt uns viel repetitive Arbeit ab, aber vor allem ermöglicht sie es uns auch, in großem Maßstab kreativ zu sein, weil sie uns die Möglichkeit zur Personalisierung bietet.

Kreativität schlägt KI: Mit großen Ideen sichtbar bleiben

Ich denke, eine Sache, die wirklich wichtig ist und die wir einbringen müssen, sind große Ideen, Storytelling, aber auch emotionales Storytelling, das nur Menschen leisten können, ebenso wie Kreativität, Humor und Authentizität. Und genau darin liegt meiner Meinung nach die Chance für den Einzelnen, sich weiter zu entfalten, wenn man diese Fähigkeiten einbringt.

Welche menschlichen Fähigkeiten werden in Zukunft daher besonders wichtig werden/bleiben?

Wir leben in einem technologiegetriebenen Zeitalter. Daher empfehle ich allen zukünftigen Bewerbern und Bewerberinnen, sich auf ihre Kreativität zu konzentrieren, sich von ihrer besten Seite zu zeigen, aber auch authentisch zu sein und emotionale Geschichten zu erzählen. Ich bin überzeugt, dass sie sich dadurch von der Konkurrenz abheben werden.

Ein Beitrag von:

  • Anastasia Pukhovich

    Anastasia Pukhovich ist Volontärin beim VDI Verlag. Ihre Tätigkeit beim Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien weckte ihr Interesse an allen Themen rund um Wissenschaft und Technik. Besonders gerne verfolgt sie journalistisch die Themen Medizintechnik und Karriere.

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