Voll bezahlt in Elternzeit: Warum HPE damit Fachkräfte hält
Viele werben mit Familienfreundlichkeit, HPE setzt sie um: Sechs Monate voll bezahlte Elternzeit – und messbare Effekte.
Zeit für die Familie ist leider in den meisten Fällen auch eine Frage des Geldes. Das staatliche Elterngeld hilft. Es gibt Firmen, die darüber hinaus Programme anbieten. Bei Hewlett Packard Enterprise werden sechs Monate voll bezahlt.
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Es gibt Firmen, die erzählen viel über Familienfreundlichkeit. Ingenieur Florian Dörr ist froh, dass er sogar bei einer arbeitet, die diesen Anspruch mit Leben füllt. Zweimal konnte er die bezahlte Elternzeit bei Hewlett Packard Enterprises (HPE) schon nutzen. Sie geht deutlich über das hinaus, was andere Firmen bieten. Dörr hat es geholfen, eine enge Beziehung zu seinen Kindern aufzubauen und Teil einer modernen Führungskultur zu sein.
Auch andere Unternehmen bieten bereits freiwillige Programme an, die über das staatliche Elterngeld hinausgehen, dazu zählen beispielsweise Henkel, Sanofi, Microsoft Deutschland, Vodafone, Cisco, um nur einige zu nennen, der Umfang ist allerdings im Vergleich zu HPE geringer. Sechs Monate bezahlte Elternzeit bei vollem Gehalt?
Was für viele Beschäftigte in Deutschland noch immer utopisch klingt, ist bei Hewlett Packard Enterprise (HPE) längst Realität. Das IT-Unternehmen hat ein globales Programm etabliert, das Eltern Zeit für Familie ermöglicht. „Das ist ein Privileg, das muss man ganz ehrlich sagen“, sagt Florian Dörr, Presales-Leiter bei HPE in Zentraleuropa und Vater von zwei Kindern. Für beide Kinder hat er den sogenannten Paid Parental Leave in Anspruch genommen – insgesamt zweimal sechs Monate, jeweils innerhalb des ersten Lebensjahres.
Eine Win-win-Situation: Das Unternehmen hält Fachkräfte – und Väter und Mütter erhalten Unterstützung
Entstanden ist das Modell im Rahmen des weltweiten HPE-Programms „Work that fits your life“. Ziel ist es, Mitarbeitende in unterschiedlichen Lebensphasen zu unterstützen. „Die erste Reaktion war: Wir haben doch gesetzliche Elternzeit und Elterngeld – brauchen wir das überhaupt?“, erinnert sich Margit Ciupke, Geschäftsführerin Personal bei HPE Deutschland.
Die Antwort des Konzerns fiel eindeutig aus: ja. „Es ist ein globales Programm, das überall gleich ausgerollt werden soll – außer es gibt rechtliche Gründe, die dagegensprechen.“ Und die gab es nicht, nur den Gedanken, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zeiten des Fachkräftemangels ans Unternehmen zu binden.
„Von denen, die das Programm genutzt haben, sind nur sehr, sehr wenige gegangen“, sagt Ciupke. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel sei das entscheidend. „Wir investieren bewusst in die Altersgruppe, die Familie gründet – und binden sie langfristig ans Unternehmen.“
HPE bezahlt das volle Gehalt – und entlastet die Staatskasse
Der entscheidende Unterschied zur gesetzlichen Regelung: HPE zahlt 26 Wochen lang das volle Gehalt weiter. Staatliches Elterngeld wird in dieser Zeit nicht benötigt. „Wir stocken nicht auf – wir bezahlen es komplett selbst und entlasten damit sogar den Staat“, so Ciupke. Denn für viele Familien ist genau das der Knackpunkt: Staatliches Elterngeld deckt nur einen Teil des Einkommens ab und ist gedeckelt. „Man muss sich keine Gedanken machen, ob man sich das leisten kann“, sagt Ciupke.

Margit Ciupke, Geschäftsführerin Personal bei HPE Deutschland, sagt: „Von denen, die das Programm genutzt haben, sind nur sehr, sehr wenige gegangen.“
Foto: HPE
Gerade für Frauen bedeute das finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit. „Das macht unglaublich viel für das Selbstbewusstsein.“ Das Programm steht jeder und jedem einzelnen Mitarbeitenden zu – unabhängig davon, ob auch der Partner oder die Partnerin bei HPE arbeitet. Arbeiten beide Eltern bei HPE, erhalten beide jeweils die 26 Wochen bezahlte Elternzeit. Voraussetzung ist, dass die Mitarbeitenden mindestens bereits ein Jahr bei HPE arbeiten. Nach diesem HPE-Angebot kann ganz normal die gesetzliche Elternzeit beantragt werden, wobei die ersten sechs Monate anzurechnen sind.
Die 26 Wochen können flexibel genutzt werden
Die 26 Wochen können flexibel genutzt werden: entweder am Stück oder auf zwei Zeiträume innerhalb des ersten Lebensjahres verteilt. Gerade Männer nutzen diese Möglichkeit häufig. „Viele teilen es in zweimal drei Monate, um nicht ganz so lange am Stück raus zu sein“, erklärt Ciupke. Rund 180 Mitarbeitende in Deutschland haben das Angebot, das vor Corona eingeführt wurde, bereits genutzt – bei etwa 1700 Beschäftigten. Auffällig: Die Mehrheit sind Männer, was der Belegschaftsstruktur entspricht.
Florian Dörr ist Führungskraft und ein Vorbild für andere – auch als Vater
Wirtschaftsingenieur Florian Dörr blickt dankbar auf die Möglichkeit zurück. Er ist Führungskraft und leitet ein Team von 15 Mitarbeitenden. Für ihn ist es selbstverständlich, dass er das Angebot genutzt hat. „Ich habe meinen Mitarbeitenden damit gezeigt: Das funktioniert auch als Führungskraft“, sagt der 41-Jährige. Gerade das habe Wirkung entfaltet. „Viele junge Kollegen haben mir später gesagt, dass sie das bestärkt hat.“ Organisatorisch sei eine so lange Abwesenheit anspruchsvoll, aber machbar. „Wenn du fünf Monate weg bist, muss die Vertretung echte Entscheidungen treffen können. Das geht nur mit guter Vorbereitung und Vertrauen.“

Wirtschaftsingenieur Florian Dörr führt bei HPE ein Team mit 15 Mitarbeitenden. Trotzdem hat er zweimal die bezahlte Elternzeit in Anspruch genommen und andere inspiriert.
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Für sein Team sei die Zeit sogar eine Chance gewesen: Eine Kollegin übernahm in dieser Phase erstmals umfassende Führungsverantwortung. „Und natürlich muss klar sein, dass so jemand dann nicht wieder einfach an die alte Position rutscht, sondern die Ambitionen daraus weiter entwickeln kann, beispielsweise eine fachliche Teamleitung zu übernehmen“, sagt Dörr.
Ciupke sieht in dem HPE-Angebot ein wichtiges Signal: „Es gibt keine Diskussionen darüber, dass das Programm Karrieren schadet – im Gegenteil. Entscheidend ist das Vertrauen in die Mitarbeitenden und eine Unternehmenskultur, die Vereinbarkeit ernst meint.“ Oder wie Florian Dörr es formuliert: „Diese Elternzeit ist ein Baustein – aber ein sehr wichtiger. Sie hat mir geholfen, eine enge Beziehung zu meinen Kindern aufzubauen. Und sie hat gezeigt, dass moderne Führung auch heißt, mal bewusst loszulassen.“
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