Anzeige

Kaffeering-Effekt 2.0: Schnelltest erkennt Krankheit in Minuten

09. Juli 2025

Kaffeering
Ein scheinbar alltägliches Phänomen mit großem Potenzial: Der Kaffeering-Effekt – hier als Fleck neben einer Tasse – dient als Grundlage für eine neuartige Diagnosetechnologie. Foto: Smarterpix / AtlasStudio
KI, Kaffeering-Effekt und Nanopartikel: Neue Technik erkennt Krankheiten schnell und zuverlässig – auch von zuhause.
Anzeige
Anzeige


Was ein Kaffeefleck mit Ihrer Gesundheit zu tun hat? Mehr als Sie vielleicht denken. Forschende der University of California, Berkeley haben ein Diagnosesystem entwickelt, das sich den sogenannten Kaffeering-Effekt zunutze macht – ein physikalisches Phänomen, das entsteht, wenn ein Flüssigkeitstropfen verdunstet. In Kombination mit Nanotechnologie und künstlicher Intelligenz eröffnet dieser Effekt neue Möglichkeiten in der Heimdiagnostik. Ziel ist es, Krankheiten schneller, einfacher und mit höherer Genauigkeit zu erkennen – ganz ohne Labor.

Inhaltsverzeichnis

Heimtests: Praktisch, aber oft ungenau

Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, Infektionen schnell nachzuweisen. Schnelltests für zuhause sind dabei ein wichtiges Instrument – allerdings oft nicht empfindlich genug. Viele Viren oder Biomarker sind nur in sehr kleinen Mengen im Speichel oder Nasensekret vorhanden. Klassische Schnelltests schlagen dann häufig nicht an, obwohl eine Infektion besteht. Hier setzt die neue Technik aus Berkeley an.

Anzeige
Anzeige

„Unsere Arbeit ebnet den Weg für erschwinglichere und leichter zugängliche Diagnostik, insbesondere in ressourcenarmen Umgebungen“, erklärt Kamyar Behrouzi, einer der verantwortlichen Entwickler.

Was ist der Kaffeering-Effekt?

Wenn ein Tropfen Kaffee auf einem Tisch verdunstet, hinterlässt er einen dunklen Ring. Die Ursache: Während der Flüssigkeit verdunstet, strömen Partikel zur Tropfenkante, wo sie sich ablagern. Dieses Verhalten haben Forschende nun für die Medizin nutzbar gemacht. Entscheidend ist dabei, dass sich Proteine oder Virusbestandteile am äußeren Rand konzentrieren – und dort gezielt analysiert werden können.

Bereits 2020 fiel Behrouzi bei einem Corona-Experiment auf, dass seine Proben Tropfenränder mit ringförmigen Mustern bildeten. Statt dies als störend zu betrachten, nutzte er den Effekt bewusst – und entwickelte daraus ein Diagnosesystem.

Anzeige
Anzeige

Zwei Tropfen reichen aus

Die neue Diagnosetechnik basiert auf zwei gezielt eingesetzten Flüssigkeitstropfen:

  1. Probentropfen: Zunächst bringt man einen Tropfen Speichel oder Blut auf eine spezielle Membran. Während dieser trocknet, sammeln sich alle relevanten Biomoleküle – etwa Virusproteine oder Krebsmarker – am Rand. Der Kaffeering entsteht.
  2. Nanopartikel-Tropfen: Danach folgt ein zweiter Tropfen mit sogenannten plasmonischen Nanopartikeln. Diese sind mit Antikörpern versehen, die spezifisch an die zuvor angereicherten Biomarker binden.

Wenn Biomarker vorhanden sind, lagern sich die Nanopartikel in charakteristischen Mustern ab. Diese Muster verändern die Lichtreflexion – und lassen sich einfach mit dem Smartphone analysieren.

Anzeige
Anzeige

Diagnose in Minuten – ohne Labor

Der gesamte Vorgang dauert weniger als zwölf Minuten. Das Ergebnis kann entweder mit bloßem Auge oder über eine KI-gestützte App am Handy ausgewertet werden. Dabei kommen verschiedene Algorithmen zum Einsatz:

  • Ein neuronales Netzwerk analysiert die Bilder und erkennt, ob ein Test positiv ist.
  • Eine zweite KI berechnet die Konzentration der Zielmoleküle anhand von Farbverläufen.
  • Eine dritte Komponente filtert Störsignale aus dem Bild heraus.

Die Software ist so effizient, dass sie entweder direkt auf dem Smartphone oder über eine Cloud laufen kann – je nach Ausstattung und Anwendungsszenario.

Präziser als viele Labortests

Die Empfindlichkeit des Tests liegt bei nur 3 Pikogramm pro Milliliter – ein Wert, den viele Laborverfahren nicht erreichen. Zum Vergleich: Gängige Schnelltests erkennen bestimmte Proteine erst bei 10 bis 100 Nanogramm pro Milliliter. Auch etablierte Verfahren wie der ELISA-Test liegen mit etwa 100 Pikogramm deutlich darüber – und benötigen Stunden.

Getestet wurde das System bereits erfolgreich auf:

  • Procalcitonin (PCT) für Sepsis
  • SARS-CoV-2-Nukleokapsidprotein für COVID-19
  • CEA als Tumormarker
  • PSA für Prostatakrebs

„Jede Stunde ist entscheidend“, betont Liwei Lin, Professor für Maschinenbau an der UC Berkeley. „Unsere Technik könnte helfen, eine Sepsis innerhalb von 10 bis 15 Minuten zu erkennen.“

Verdunstung als Schlüssel

Ein kritischer Faktor für die Genauigkeit des Tests ist die kontrollierte Verdunstung. Dafür entwickelten die Forschenden eine beheizte Nanomembran, auf der die Tropfen bei exakt 80 °C trocknen. Durch die spezielle Struktur der Oberfläche – eine Kombination aus Poren, Temperatursteuerung und benetzbaren Zonen – entsteht ein stabiler und reproduzierbarer Kaffeering. So lassen sich Verluste minimieren und die Analyse verbessern.

Diagnostik für alle – auch zu Hause

Das Testkit ist einfach aufgebaut: Eine Heizfolie, Glaskapillaren zur Probenaufnahme und eine 3D-gedruckte Halterung reichen aus. So können auch medizinische Laien Tests durchführen – ganz ohne Labor oder medizinisches Personal.

„Ich hoffe, dass unsere Technologie es den Menschen einfacher und zugänglicher macht, regelmäßig von zu Hause aus auf Erkrankungen wie Prostatakrebs zu untersuchen“, sagt Lin.

Universell einsetzbar

Der Ansatz lässt sich leicht auf andere Anwendungen übertragen. Unterschiedliche Nanopartikel, Zielproteine und Antikörperkombinationen ermöglichen ein breites Spektrum an Diagnosen. Denkbar sind Tests für:

  • Infektionskrankheiten
  • Krebsarten
  • Umweltgifte
  • Stoffwechselstörungen

Auch in der Drucktechnik, Beschichtung oder Kühlung könnte das tiefe Verständnis des Verdunstungsverhaltens von Tropfen neue Impulse geben. Forschende der TU Darmstadt analysierten dazu kürzlich Glycerin-Wasser-Tropfen mit markerfreien Methoden wie MRI und Raman-Spektroskopie – und erhielten so Einblicke in die dynamischen Prozesse während der Verdunstung. Diese Erkenntnisse könnten auch die Entwicklung der Diagnostik weiter verbessern.

Ein scheinbar alltägliches Phänomen mit großem Potenzial: Der Kaffeering-Effekt – hier als Fleck neben einer Tasse – dient als Grundlage für eine neuartige Diagnosetechnologie.

Hier geht es zur Originalpublikation



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige