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Ingenieure fürs Handwerk

23. Januar 2025

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Komplexe Energietechnik: Die Anforderungen an Ingenieure und Hand­werker steigen gleichermaßen. Foto: PantherMedia / Fabrice Michaudeau
Die Hochschule Düsseldorf wendet sich mit ihrem neuen Studiengang HEAT an Handwerker.
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Andre M. fühlt sich beruflich in einer Sackgasse. Und das in zweifacher Hinsicht. Als Geselle in einem kleinen Sanitärunternehmen nahe Düsseldorf sieht der Mitarbeiter mit Fachhochschulreife einerseits wenig Aufstiegschancen, andererseits fühlt er sich von der technisch hochkomplexen Entwicklung im Energiesektor überrollt. Eine fachliche Weiterbildung inklusive Karrieremotor muss her.

An der Hochschule Düsseldorf ergibt sich Ende kommenden Jahres eine Möglichkeit dazu. Im Wintersemester 2025/2026 startet am Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik der HSD der Studiengang „Haus-, Energie- und Anlagentechnik (HEAT)“ in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Sanitär Heizung Klima (SHK NRW), der Kreishandwerkerschaft Düsseldorf und der Stadtwerke Düsseldorf AG. Absolventinnen und Absolventen dürfen sich über den Abschluss Bachelor „Ingenieur im Sanitär-, Heizungs- und Klima-Bereich (SHK)“ und gleichzeitig über den Meistertitel freuen.

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Gesellinnen und Gesellen als Zielgruppe der Hochschule Düsseldorf

Der neunsemestrige, stark praxisorientierte Studiengang ist berufsbegleitend ausgelegt, sodass Studierende nicht aus dem Job ausscheiden oder längerfristige Pausen einlegen müssen. „Primäre Zielgruppe dieses innovativen Angebotes“, so die HSD, sind Gesellinnen und Gesellen mit Hochschulzugangsberechtigung, die sich weiterentwickeln wollen. Ein Angebot, maßgeschneidert für Andre M.

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Grundständige Studiengänge müssen rechtlich allen Personen mit Hochschulzugangsberechtigung offenstehen. So auch HEAT. Wer teilnehmen möchte, muss jedoch Vorkenntnisse aus dem Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klima-Bereich mitbringen oder erwerben. Die geplanten Zulassungsvoraussetzungen sehen neben der Hochschulzugangsberechtigung ein halbjähriges Vorpraktikum in einem SHK-Betrieb vor. Eine abgeschlossene Gesellenausbildung wird zwangsläufig als Zulassung anerkannt.

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Energietechnik wird immer komplexer

Warum reicht eine klassische Ausbildung für viele Fach- und Führungskräfte im SHK-Bereich nicht mehr? „Die Anforderungen an das Handwerk steigen enorm“, sagt Mario Adam, Leiter des Zentrums für Innovative Energiesysteme (ZIES) an der Hochschule Düsseldorf. „Zum einen nimmt die bloße Anzahl an relevanten Technologien stark zu. Neben die bislang dominierenden Öl- und Gaskessel treten Wärmeerzeuger auf Basis erneuerbarer Energien, insbesondere Elektro-Wärmepumpen mit ganz unterschiedlichen Umweltwärmequellen wie etwa Außenluft, Erdsonden, Erdkollektoren, Abwasser und Abluft sowie Solarkollektoren zur Wärmeerzeugung, Photovoltaikmodule zur Stromerzeugung, Wärmeerzeuger auf Basis von Biomasse und andere hinzu.“

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Zum anderen werde die Technik immer komplexer: „Hybride Lösungen, d.h. Kombinationen mehrerer Technologien, sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.“ Adam nennt beispielhaft Wärmepumpe plus altes Gasheizgerät, Elektro-Wärmepumpe plus Photovoltaikanlage und Solarthermieanlage plus Holzpelletofen mit Wassertasche. Zudem seien Wärme- und Stromspeicher in das Zusammenspiel aller Komponenten sinnvoll zu integrieren. „Und zu guter Letzt muss – wenn man es richtig macht – sogar noch das Gebäude mit einbezogen werden, weil beispielsweise der Stromverbrauch einer Elektro-Wärmepumpe oder der Ertrag eines Solarkollektors viel stärker von einem gut wärmegedämmten Gebäude profitiert als ein Öl- oder Gaskessel.“

Mehr Verantwortung für Fachkräfte in der Energie- und Heizungstechnik

Auf den Schultern der Fachleute lastet inzwischen mehr Verantwortung als noch vor der Energiewende, weil sie stärker beratende Funktion einnehmen. Adam: „Es gibt nicht mehr nur die eine richtige Lösung; vereinfacht gesagt ein Gaskessel, wenn es eine Gasleitung gibt, und ein Ölkessel, wenn es sie nicht gibt. Vieles ist nun im Einzelfall für das jeweilige Gebäude zu entscheiden. Hier stoßen die bisherigen Qualifizierungsmöglichkeiten, insbesondere für die Leitungsebene in Handwerksbetrieben, allein schon zeitlich an ihre Grenzen.“

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Mit dem Ingenieur-Studienabschluss und dem Meisterbrief soll HEAT ein kompaktes und nicht zuletzt fundiertes Bildungspaket als Grundlage für große Praxistauglichkeit bieten. „Die 180 Credit Points des Bachelorstudienganges entsprechen einer Workload der Studierenden von 4680 Stunden“, sagt Adam. „Das ist mehr als das Doppelte der Ausbildungszeit in der Meisterausbildung. Ein Meisterabschluss ist aber für Führungskräfte in Handwerksbetrieben auch für die Ausbildung von Lehrlingen sehr wichtig.“ Der Professor versichert, dass an der HSD typische Qualifikationen eines Hochschulstudiums, insbesondere die Kompetenz zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten, nicht zu kurz kämen. „Hinzu kommt, dass ein Studiengang wie HEAT das Handwerk attraktiver macht für junge Erwachsene mit Hochschulzugangsberechtigung.“

Stadt Düsseldorf will Fachkräftemangel abmildern und Energiewende vorantreiben

Das Studium soll insbesondere Führungskräfte in Handwerksbetrieben mit den Kompetenzen versehen, die künftig insbesondere für das Gelingen der Energiewende notwendig sind. „Absolventinnen und Absolventen können natürlich als Fach- und Führungskräfte auch andere Arbeitgeber finden, wie einschlägig tätige Ingenieurbüros, Gerätehersteller der SHK-Branche, Kommunen oder Unternehmen mit Bedarfen in den Bereichen Technische Gebäudeausrüstung, Energie- und Nachhaltigkeitsmanagement.“

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Naturgemäß will auch die Stadt Düsseldorf von ihrem Engagement profitieren, etwa durch den Gewinn von Fachkräften auf aktuell und künftig erforderlichem Niveau. „Bis 2030 werden die Stadtwerke den Personalbedarf nicht nur aus dem bestehenden Arbeitsmarkt und schon gar nicht alleine decken können“, sagt Charlotte Beissel, Vorständin der Stadtwerke Düsseldorf AG. „Erforderlich sind vielmehr starke Kooperationen von ortsansässigen Unternehmen, Versorgern, Handwerkern und – wie in diesem Fall – Hochschulen. Kooperationen sind der Schlüssel, mit dem wir die Energie- und Wärmewende mittels lokal ausgebildeter Kräfte realisieren können.“Mit dem „innovativen Ansatz von HEAT“ könnte sich Düsseldorf von überregional tätigen Wettbewerbern abheben. Oberbürgermeister Stephan Keller fügt hinzu: „Mit jeder neuen qualifizierten Fachkraft kommen wir einen Schritt voran in Richtung der Klimaneutralität der Landeshauptstadt Düsseldorf, die wir bis zum Jahr 2035 anstreben.“



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