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Industrie im KI-Umbau: Warum Technik allein den Personalengpass nicht löst

22. Juli 2026

Mensch und Roboter stehen sich gegenüber und gucken auf Tablets
Die Digitalisierung und der Einsatz von KI stellt besondere Anforderungen an Unternehmen bei der Weiterbildung der Beschäftigten. Foto: PantherMedia / BiancoBlue
Die Industrie rüstet ihre Fabriken mit KI und Robotern auf. Doch Fachkräfte fehlen, und Weiterbildung bleibt vielerorts Mangelware. Für Deutschlands angeschlagene Industrie droht damit ein Engpass, den keine Maschine beheben kann.
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Die industrielle Produktion befindet sich weltweit im Umbruch. Künstliche Intelligenz, Robotik und digitale Technologien verändern Fertigungsprozesse und Arbeitsabläufe. Gleichzeitig fällt es vielen Unternehmen immer schwerer, qualifizierte Fachkräfte zu finden und ihre Beschäftigten auf die neuen Anforderungen vorzubereiten.

Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „Global Manufacturing World of Work Outlook 2026“ von Manpower. Demnach geben weltweit 72 % der Hersteller an, Schwierigkeiten zu haben, die benötigten qualifizierten Talente zu finden.

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60 % der Beschäftigten in der Fertigung berichten, in den vergangenen sechs Monaten kein Skill-Training erhalten zu haben. Nach Einschätzung der Autoren entwickelt sich dieser doppelte Engpass aus Fachkräftemangel und fehlender Qualifizierung zu einem zentralen Risiko für die industrielle Transformation.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland: Transformation trifft auf wirtschaftliche Belastungen

Für Deutschland treffen diese Ergebnisse nach Angaben von Manpower auf eine besonders angespannte Lage. Erstmals seit der Finanzkrise 2009 drohe ein Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, so Manpower.

Zugleich belasteten hohe Energiepreise, Materialengpässe, geopolitische Unsicherheiten sowie der Umbau der Automobil-, Maschinenbau- und Chemieindustrie die Personalplanung.

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Automatisierung verändert die Anforderungen in der Fertigung

Der Report beschreibt, dass Automatisierung und künstliche Intelligenz die industrielle Arbeit bereits heute verändern. Routinetätigkeiten verlieren demnach an Bedeutung, während technologiegestützte Aufgaben wichtiger werden.

Gefragt seien Beschäftigte, die automatisierte Systeme programmieren, warten und optimieren können. Zudem steige der Bedarf an digitalen, technischen und problemlösenden Kompetenzen.

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Ingenieurjobs mit am schwersten zu besetzen

Zu den am schwersten zu besetzenden Qualifikationen zählen nach Angaben der befragten Unternehmen Kompetenzen im Ingenieurwesen, in der Produktion sowie bei der Entwicklung von KI-Anwendungen.

Die Hersteller berichten, dass KI in der Fertigung vielfach noch nicht flächendeckend eingeführt ist. Weniger als die Hälfte der CIOs im Fertigungssektor gibt an, dass sich ihre KI-Initiativen bereits in der Implementierungsphase befinden.

Unternehmen rechnen mit neuen Rollenprofilen

Nach Angaben des Reports erwarten 93 % der Hersteller weltweit, dass Robotik und Smart Manufacturing ihre Belegschaften verändern werden. Die Hälfte der Unternehmen rechnet damit, bestehende Mitarbeitende umschulen zu müssen. 42 % gehen davon aus, neue Beschäftigte für veränderte Rollenprofile einzustellen. Weitere 31 % erwarten, bestimmte Leistungen künftig auszulagern.

Nach Einschätzung der Autoren gewinnt die strategische Personalplanung dadurch weiter an Bedeutung. Gleichzeitig seien Investitionen in Weiter- und Umqualifizierung Möglichkeiten, auf den anhaltenden Fachkräftemangel zu reagieren, während KI-gestützte Automatisierung immer mehr Fertigungsprozesse verändert.

Beschäftigte stehen neuen Technologien grundsätzlich offen gegenüber

Die Studie zeigt zugleich, dass viele Beschäftigte den technologischen Wandel grundsätzlich positiv einschätzen. 66 % der Befragten fühlen sich sicher im Umgang mit aktueller Technologie. 79 % trauen sich zu, neue Fähigkeiten zu erwerben, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen.

Rund 45 % befürchten jedoch, dass KI oder Automatisierung ihre derzeitige Stelle innerhalb der kommenden zwei Jahre ersetzen könnte.

CIOs sehen das Innovationstempo als größte Herausforderung

Auch die IT-Verantwortlichen der Industrie sehen erheblichen Handlungsbedarf. Mehr als die Hälfte der CIOs im Fertigungssektor gibt an, dass das hohe Tempo technologischer Veränderungen ihre größte geschäftliche Herausforderung darstellt.

53 % möchten  KI-Kompetenzen in bestehende Technologierollen integrieren. Nach Einschätzung des Reports soll dies dazu beitragen, die vorhandene Belegschaft einzubinden und weiterzuentwickeln.

Manpower fordert mehr Qualifizierung und strategische Personalplanung

Für Faris Bećirović, Country Manager und Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland, entscheidet sich der Erfolg der Transformation daran, wie Unternehmen den technologischen Wandel organisatorisch begleiten.

„Die entscheidende Frage ist nicht, ob Beschäftigte den Wandel mitgehen, sondern ob Unternehmen ihn schnell genug in Qualifizierung, neue Rollenprofile und strategische Personalplanung übersetzen können“, sagt Bećirović.

Kritisch sieht er insbesondere die bislang vielfach fehlende Systematik bei der Weiterbildung. „Das Problem dabei ist, dass Qualifizierung vielerorts nicht systematisch genug stattfindet. Die deutsche Industrie verliert daher nicht nur Jobs, sie verliert vor allem wertvolle Zeit.“

Nach Ansicht von Bećirović benötigen Unternehmen bereits heute konkrete Workforce-Pläne. Wer künftig auf Automatisierung, KI und digitale Produktion setzen wolle, brauche nicht nur neue Technik, sondern auch neue Rollenprofile, gezielte Qualifizierung und klare Wege, wie Beschäftigte vom heutigen Arbeitsplatz in die künftige Produktion hineinwachsen können.

Die Industrie kann sich nicht aus dem Fachkräftemangel herausautomatisieren

Als zentrale Botschaft formuliert der Report, dass sich die Industrie nicht aus dem Fachkräftemangel herausautomatisieren kann. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften und die aus Sicht der Autoren unzureichende Qualifizierung bestehender Beschäftigter könnten zu einem zentralen Risiko für die industrielle Transformation werden, wenn Unternehmen neue Technologien einführen, ohne ihre Belegschaften mitzunehmen.

Die Entwicklung für den Industriestandort Deutschland kann laut Manpower-Report zu einer entscheidenden Bewährungsprobe werden. Die Fabrik der Zukunft brauche nicht nur Roboter, Sensoren und künstliche Intelligenz, sondern vor allem Menschen, die mit diesen Technologien arbeiten können. Ohne ausreichende Qualifizierung und strategische Personalplanung drohten im nächsten Aufschwung genau die Fachkräfte zu fehlen, die den industriellen Umbau tragen sollen.

Der Bericht bündelt Ergebnisse mehrerer ManpowerGroup-Erhebungen sowie Daten externer Studien, darunter der Smart-Manufacturing-Studie von Rockwell Automation. Die Kennzahlen stammen daher aus unterschiedlichen Stichproben.



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