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Bauteilreinigung 14.08.2026, 14:00 Uhr

Remanufacturing: Warum die Aufbereitung an der Reinigung scheitern kann

Risse und Korrosion lassen sich nur an freiliegenden Oberflächen erkennen. Deshalb entscheidet die Reinigung mit darüber, ob sich Wiederaufbereitung rechnet. Der Anlagenbauer BvL zeigt an drei Projekten, wie automatisierte Verfahren arbeiten.

Reinigung von Lkw-Achsen

Reinigung von Lkw-Achsen.

Foto: BvL Oberflächentechnik GmbH

Hochwertige Bauteile nach ihrem ersten Einsatz erneut zu verwenden, schont Ressourcen und kann die Kosten im Vergleich zu einer Neuproduktion deutlich reduzieren. Ob Remanufacturing jedoch technisch sicher und wirtschaftlich funktioniert, entscheidet sich häufig bereits bei der industriellen Bauteilreinigung.

Erst saubere Oberflächen ermöglichen eine zuverlässige Bewertung des Bauteilzustands und bilden die Grundlage für alle weiteren Prüf-, Bearbeitungs- und Montageprozesse. Automatisierte Reinigungs- und Entlackungsprozesse schaffen die dafür notwendige Prozesssicherheit.

Saubere Oberflächen als Voraussetzung für sichere Entscheidungen

Risse, Korrosion, Maßabweichungen oder Materialschädigungen lassen sich nur erkennen, wenn die Oberfläche frei zugänglich ist. Auch nachfolgende Prozesse wie Beschichten, Bearbeiten oder Montieren benötigen definierte Sauberkeitszustände.

Die industrielle Bauteilreinigung ist der Gatekeeper der industriellen Kreislaufwirtschaft. Sie entscheidet, ob aus einem gebrauchten Teil ein sicherer Bestandteil eines neuen Produktes wird. Damit wird sie zugleich zum entscheidenden Faktor für die Wirtschaftlichkeit des gesamten Remanufacturing-Prozesses. Denn nur wenn Reinigungsergebnisse reproduzierbar sind, lassen sich Prüf-, Bearbeitungs- und Montageprozesse zuverlässig standardisieren und wirtschaftlich skalieren.

Diese Prozesssicherheit entsteht durch automatisierte oder teilautomatisierte Reinigungs- und Entlackungsprozesse. Sie sorgen für reproduzierbare Ergebnisse, reduzieren manuelle Tätigkeiten und senken Ausschussrisiken. So wird Remanufacturing auch in industriellen Stückzahlen wirtschaftlich beherrschbar.

Wie die Reinigung funktoniert

Unternehmen wie die BvL Oberflächentechnik GmbH entwickeln dafür kundenspezifische Anlagenkonzepte. Je nach Bauteil, Verschmutzung und Prüfanforderung werden wässrige Reinigungsverfahren, Werkstückträger, Medienaufbereitung und Trocknung aufeinander abgestimmt.

Zum Einsatz kommen unter anderem Spritz- und Flutprozesse, Ultraschall, Hochdruckwassertechnik sowie kombinierte Vor- und Nachreinigungen. Wie sich dadurch Reinigungsprozesse für unterschiedliche Remanufacturing-Anwendungen realisieren lassen, zeigen die folgenden Praxisbeispiele.

Motorenremanufacturing: ein stark automatisierter Entlackungs- und Reinigungsprozess

Bei Kurbelgehäusen, Zylinderköpfen, Turboladern und weiteren Motorenkomponenten treffen komplexe Geometrien auf Öl, Fett, Ruß, Verkokungen, Lackschichten und Korrosion. Ein europäischer Remanufacturing-Spezialist setzt deshalb auf eine BvL-Anlage, die Graugussteile bis in den mehrtonnigen Bereich automatisiert hochdruckreinigt und entlackt.

Die Bauteile werden auf spezifischen Werkstückträgern fixiert. Ein Roboter führt das Wasserwerkzeug gezielt an Außenflächen, Bohrungen und Innenbereiche; eine zusätzliche Werkstückrotation reduziert Spritzschatten. Niederdruck-Vor- und Nachreinigungen ergänzen den Prozess. Dadurch lassen sich personalintensive manuelle Arbeiten ersetzen und gleichbleibende Bedingungen für Sichtprüfung, Rissprüfung, Maßkontrolle und die Bewertung von Dicht- und Funktionsflächen schaffen.

Reinigung von Motorenkomponenten in Waschkörben. Foto: BvL Oberflächentechnik GmbH

Bei hohem Schmutzeintrag sichern ausreichend dimensionierte Tanks, Ölabscheider, Grob- und Feinfiltration sowie eine abgestimmte Medienpflege lange Badstandzeiten. Stabile Prozesse reduzieren Nacharbeit, Ausschuss und ungeplante Badwechsel.

BvL-Reinigungsanlagen kommen sowohl bei Pkw-Motoren als auch bei Komponenten von Nutzfahrzeugen, Großmotoren für Gaskraftwerke und Anwendungen in der maritimen Industrie zum Einsatz. Das Spektrum an Anlagen reicht von der Reinigung von kleineren Motorenbauteilen bis zur Reinigung von großformatigen Komponenten wie Teilen von Lkw- und Schiffsmotoren sowie Achs- und Antriebskomponenten. Reinigungsverfahren, Anlagenkonzept und Prozessführung werden dabei individuell auf Bauteil, Verschmutzung und Produktionsablauf abgestimmt.

Prozesssichere Reinigung und Entlackung für die Bahninstandhaltung

In der Bahnbranche sind Drehgestelle, Radsatzkomponenten, Fahrmotoren, Lager und Anbauteile Bremsabrieb, Sand, Fett, Korrosion und Schmierstoffen ausgesetzt. Vor turnusmäßigen Prüfungen und der Aufarbeitung müssen diese Rückstände zuverlässig entfernt werden, ohne empfindliche Lagerstellen, Dichtsysteme oder elektrische Bereiche zu beeinträchtigen. BvL entwickelt dafür Reinigungsanlagen, die auch bei hohen Stückzahlen und kurzen Taktzeiten reproduzierbare Ergebnisse ermöglichen.

Metallisch blanke Oberfläche von Radsatzwellen für anschließende Ultraschall- und Magnetpulverprüfungen in der Bahninstandhaltung. Foto: BvL Oberflächentechnik GmbH

Ein aktuelles Projekt zeigt die Bedeutung der Entlackung besonders deutlich: Eine Schlagschutzbeschichtung auf Radsatzwellen wird mit einer vollautomatisierten BvL-Hochdruckentlackungsanlage vom Typ Geyser entfernt. Die robotergeführte Hochdruckwassertechnik arbeitet nichtabrasiv und oberflächenschonend. Strahlführung, Werkstückrotation und Vorschub werden so aufeinander abgestimmt, dass die Beschichtung vollständig und reproduzierbar entfernt wird, ohne den Oberflächenzustand unnötig zu verändern. Damit erhält die Radsatzwelle eine metallisch blanke Oberfläche für anschließende Ultraschall- und Magnetpulverprüfungen.

Vollautomatisierte Reinigungs- und Entlackungsanlage mit robotergeführter Hochdruckwassertechnik. Foto: BvL Oberflächentechnik GmbH

Bei dieser Reinigungs- und Entlackungsanlage lag ein besonderer Fokus auf der Effizienz des Anlagenbetriebes. Ein speziell von BvL entwickeltes Energie- und Medienkonzept ermöglicht einen geringen Wasserverbrauch, reduziert Betriebskosten und sichert die Einhaltung hoher Umweltanforderungen im Bahnbetrieb.

Kreislaufwirtschaft funktioniert auch im Kleinteiligen

Auch kleinteilige Kunststoffbauteile können durch angepasste Reinigung direkt wiederverwendet werden. In einem Projekt aus der Spielwarenindustrie werden große Schüttgutmengen in Körben von Hautfetten, Staub und Fremdstoffen befreit. Kombinierte Flut- und Spritzprozesse mit rotierenden oder schwenkenden Körben umspülen die Teile schonend und begrenzen mechanische Belastungen.

Reinigung und Trocknung von Kunststoffteilen als Schüttgut in einem Waschkorb. Foto: BvL Oberflächentechnik GmbH

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Trocknung, weil Kunststoff wenig Eigenwärme speichert und Restfeuchte leicht in Hohlräumen oder zwischen Kleinteilen verbleibt. Mit individuell ausgelegter Anlagentechnik gelingt ein reproduzierbarer Prozess, der die direkte Wiederverwendung der Bauteile ermöglicht.

Bauteilreinigung als Grundlage industrieller Kreislaufwirtschaft

Die aktuellen Projekte zeigen, dass Reinigung und Entlackung stärker automatisiert, genauer überwacht und enger mit Prüf- und Aufarbeitungsprozessen verzahnt werden. Dadurch wird aus einem schwer kalkulierbaren Reparaturprozess ein industriell beherrschbarer Ablauf.

Industrielle Bauteilreinigung verlängert die Nutzungsdauer hochwertiger Komponenten, reduziert Abfall und unterstützt die Einsparung von Ressourcen und CO2. Für Unternehmen, die Remanufacturing skalieren wollen, ist sie deshalb keine Nebenfunktion, sondern eine Grundvoraussetzung für Qualität, Sicherheit und nachhaltige Wertschöpfung.

(Quelle: BvL)

Von Udo Schnell

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