TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026: Jeder fünfte fällt bei der HU durch
Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 zeigt weiterhin hohe Mängelquoten bei Transportern und schweren Lkw.
Ein Mitarbeiter des TÜV Süd kontrolliert auf einem Prüfstand des TÜV in München (Oberbayern) den Unterboden und das Fahrwerk eines Lkw.
Foto: picture-alliance/ dpa | Andreas Gebert
Der TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 zeigt beim technischen Zustand von Transportern und Lkw kaum Bewegung. Gut jedes fünfte Nutzfahrzeug ist in den Jahren 2024 und 2025 bei der Hauptuntersuchung mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durchgefallen. Die Quote liegt bei 20,3 % und damit lediglich 0,1 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahresreports. Grundlage der Auswertung sind rund 2,4 Mio. Hauptuntersuchungen, die von den TÜV-Organisationen durchgeführt wurden.
„Die Mängelquoten von Nutzfahrzeugen stagnieren auf einem hohen Niveau“, sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband. „Technische Mängel sind eine Gefahr für die Verkehrssicherheit. Daher sind Wartung, Pflege und unabhängige Prüfungen im betrieblichen Alltag von Transportunternehmen, Handwerksbetrieben und Versorgern unabdingbar.“
Besonders häufig stellten die Sachverständigen Defekte an der Beleuchtung, Ölverlust an Motor oder Antrieb sowie Mängel an den Achsaufhängungen fest. Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Fahrzeugalter und technischem Zustand. Das Durchschnittsalter der Nutzfahrzeuge liegt nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes inzwischen bei 8,9 Jahren und damit ein Jahr höher als noch vor zehn Jahren.
Schwere Lkw mit höchster Mängelquote
Die höchste Mängelquote der vier untersuchten Gewichtsklassen weisen schwere Lkw über 18 t auf. 21,8 % dieser Fahrzeuge fallen mit erheblichen Mängeln auf. Im Vorjahresreport waren es 21,9 %. Bei zehn Jahre alten schweren Lkw steigt die Quote auf 28,5 %. „Bei den schweren Lkw macht sich auch die Zurückhaltung bei den Neuanschaffungen in den vergangenen Jahren bemerkbar“, sagt Goebelt. „Die schwache Konjunktur und die Unsicherheiten rund um die Antriebswende haben dazu beigetragen, dass Fahrzeuge länger im Bestand bleiben. Damit steigt der Verschleiß, Wartung und Instandhaltung werden wichtiger.“
Nur knapp darunter liegen die leichten Transporter bis 3,5 t. Ihre Mängelquote beträgt unverändert 21,5 %. „Transporter werden im Lieferverkehr und von Handwerksbetrieben stark beansprucht. Entsprechend hoch ist der Verschleiß“, sagt Goebelt. Bei Nutzfahrzeugen zwischen 3,5 und 7,5 t wurden bei 19,8 % erhebliche Mängel festgestellt, nach 20,0 % im Vorjahresreport. Besser schneiden mittelschwere Lkw zwischen 7,5 und 18 t mit einer Quote von 16,3 % ab. Zuvor waren es 16,5 %. „Mittelschwere Lkw sind viel im Zulieferverkehr tätig, kehren täglich in ihre Depots zurück und verfügen häufig über feste Fahrer, die den Zustand der Fahrzeuge im Blick haben“, sagt Goebelt. Das mache sich bei der HU bemerkbar.

Elektro-Transporter zeigen große Unterschiede
Erstmals berücksichtigt der TÜV-Report drei Elektro-Transporter bis 3,5 t. Ihre Ergebnisse unterscheiden sich deutlich. Bei den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen erreicht der Peugeot E-Expert mit einer Mängelquote von 8,4 % Rang fünf. Der Mercedes E-Vito kommt mit 19,7 % auf den vorletzten Platz unter 27 Transportern. Überdurchschnittlich häufig treten bei ihm Mängel an Feststellbremse, Antriebswellen und Abblendlicht auf.
Bei den drei bis vier Jahre alten Fahrzeugen bildet der inzwischen nicht mehr produzierte Streetscooter B14/B16 mit 26,4 % das Schlusslicht. Hohe Mängelwerte finden sich bei Bremsen, Fahrwerk und Beleuchtung. „Für eine Bewertung der technischen Zuverlässigkeit von Elektro-Transportern insgesamt reichen die Ergebnisse noch nicht aus“, sagt Goebelt. „Im Pkw-Bereich zeigen E-Autos bei der HU die volle Bandbreite, von sehr gut über durchschnittlich bis zu schlecht.“
Maxus Deliver 9 fällt deutlich auf
Mit dem Maxus Deliver 9 des Automobilkonzerns SAIC Motors ist erstmals ein Transporter eines chinesischen Herstellers in der Auswertung vertreten. Bei den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen fallen 33,6 % bei der Hauptuntersuchung durch.
„Das ist in dieser Altersklasse ein extrem hoher Wert“, sagt Goebelt. Überdurchschnittlich häufig treten Mängel an der Bremsanlage auf. Auch bei der Abgasuntersuchung liegen die Beanstandungen über dem Durchschnitt. Der größte Teil der festgestellten Mängel betrifft jedoch die Beleuchtung. Beim Fahrwerk zeigt der Report keine Auffälligkeiten. „Der TÜV-Report dient auch als Frühwarnsystem für die Hersteller“, sagt Goebelt. „Sie können die Erkenntnisse nutzen, um die Langlebigkeit und die technische Sicherheit ihrer Fahrzeuge zu verbessern.“
Alter erhöht Risiko für typische Fahrzeugmängel
Zu den wiederkehrenden Schwachstellen gehören Ölfeuchte und Ölverlust. Mit zunehmendem Alter steigt die Beanstandungsquote: Bei fünf Jahre alten Fahrzeugen liegt sie bei 5,2 %, bei zehnjährigen bei 8 %. „Austretendes Öl belastet die Umwelt und kann bei einem Unfall brandbeschleunigend wirken“, sagt Goebelt. Noch häufiger werden Mängel an der Beleuchtung festgestellt. Bei der hinteren Beleuchtung steigt die Quote von 6,7 % bei fünfjährigen Fahrzeugen auf 11,3 % nach zehn Jahren.
„Beleuchtungsmängel sind ein häufig unterschätztes Risiko“, sagt Goebelt. „Sehen und gesehen werden ist für die Verkehrssicherheit essenziell. Mit regelmäßigen Kontrollen der Halter und Flottenbetreiber ließen sich viele dieser Mängel deutlich reduzieren.“ Auch die Achsaufhängungen zeigen einen Alterseffekt. Die Mängelquote steigt von 1,5 % bei fünfjährigen auf 5,0 % bei zehnjährigen Fahrzeugen. „Schäden an der Achsaufhängung können die Fahrstabilität beeinträchtigen und im Extremfall dazu führen, dass Fahrer:innen die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren“, sagt Goebelt.
Elektroantriebe gewinnen bei Nutzfahrzeugen an Bedeutung
Der Nutzfahrzeugbestand in Deutschland ist zum 1. Januar 2026 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes um 1,8 % auf 3,9 Mio. Fahrzeuge gestiegen. Gegenüber 2017 beträgt das Plus 34 %. Das Wachstum geht zu großen Teilen auf leichte Nutzfahrzeuge zurück. Aber auch der Bestand der mittleren und schweren Lkw über 7,5 t ist in diesem Zeitraum um 6 % gewachsen.
„Ähnlich wie bei Pkw vollzieht sich auch bei Nutzfahrzeugen die Antriebswende“, sagt Goebelt. Von Januar bis Juli 2026 lag der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bei 13 %. Im Vorjahreszeitraum waren es 8,7 %. „Beginnend mit den leichten Transportern erweitern die Hersteller ihre elektrische Modellpalette schrittweise auf mittlere und schwere Lkw“, sagt Goebelt. „In der Praxis ist neben den noch deutlich höheren Anschaffungspreisen im Vergleich zu Verbrennern vor allem der Ausbau der Ladeinfrastruktur ein Hindernis für einen schnelleren Umstieg.“
Ein Förderprogramm des Verkehrsministeriums stellt laut Pressemeldung 1 Mrd. € bereit, um die Ausrüstung von Fuhrparkdepots und den Aufbau von Megawatt-Ladern an Raststätten zu beschleunigen. „Die steuerlichen Anreize für Elektro-Nutzfahrzeuge sollten verstetigt und die Mautbefreiung über das Jahr 2031 hinaus verlängert werden, um den Flottenbetreibern Planungssicherheit zu geben“, sagt Goebelt. Handlungsbedarf sieht der TÜV-Verband zudem bei Gewichts- und Achslastvorgaben für schwere Elektro-Lkw, weil diese das zusätzliche Gewicht der Antriebsbatterien nicht immer vollständig kompensieren. Goebelt: „Hier muss der Gesetzgeber handeln, um diese Regelungslücke zu schließen.“
Hauptuntersuchung vor neuen Prüfaufgaben
Elektrifizierung und Digitalisierung verändern nach Einschätzung des TÜV-Verbands auch die Anforderungen an die Hauptuntersuchung. Neben klassischen mechanischen Komponenten gewinnen Antriebsbatterien, Software und Assistenzsysteme an Bedeutung. „Die Fahrzeuge werden elektrisch, zunehmend softwaredefiniert und mit immer mehr Assistenzfunktionen für das automatisierte Fahren ausgestattet“, sagt Goebelt. „Damit verändert sich auch die Hauptuntersuchung. Ein Nutzfahrzeug muss nicht nur sicher auf die Straße kommen. Es muss nach Reparaturen und Software-Updates auch nach vielen Jahren noch unabhängig prüfbar sein.“
Der TÜV-Verband fordert deshalb eine Erweiterung des Prüfumfangs für Antriebsbatterien und einen Zugang zu den Batteriedaten, um strukturelle Mängel erkennen zu können. Ein erweiterter Datenzugang soll zudem die Funktions- und Wirkungsprüfung von Assistenzsystemen über den gesamten Lebenszyklus ermöglichen. Auch der Softwarestand könnte auf diese Weise auf Fehler oder Manipulationen überprüft werden. „Das Roadworthiness Package der EU bietet die Chance, die HU an die Erfordernisse von Elektroantrieben, Software-Steuerungen und automatisierten Fahrfunktionen anzupassen“, sagt Goebelt. „Die Bundesregierung sollte diesen Prozess im Interesse der Verkehrssicherheit konstruktiv begleiten.“
Für den TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 hat der TÜV-Verband rund 2,4 Mio. Hauptuntersuchungen aus den Jahren 2024 und 2025 ausgewertet. Die Ergebnisse gliedern sich in vier Gewichtsklassen: Transporter bis 3,5 t, leichte Lkw von 3,5 bis 7,5 t, mittelschwere Lkw von 7,5 bis 18 t und schwere Lkw ab 18 t.




