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Direct Air Capture 16.10.2023, 07:00 Uhr

Welche Chancen bergen technische Verfahren zur CO₂-Entnahme?

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Doch die bisherigen Strategien, die vor allem auf die Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasen abzielen, reichen vermutlich nicht aus. Um den Klimawandel einzudämmen, muss der Atmosphäre CO₂ entzogen werden. Das technische Verfahren DACCS ist eine Option.

Erdatmosphäre

Zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels und der Eindämmung des Klimawandels werden negative Emissionen immer unvermeidbarer.

Foto: PantherMedia / studio023

Die Erderwärmung schreitet immer schneller voran und macht sich auf vielfältige Weise bemerkbar. Der globale Temperaturanstieg führt zu Extremwetterereignissen, zum Anstieg des Meeresspiegels, zu Veränderungen in Ökosystemen und gesundheitlichen Problemen. Und natürlich hat die Erderwärmung auch wirtschaftliche Auswirkungen. Um den Anstieg von Kohlendioxid (CO₂) in der Atmosphäre zu stoppen und so den Treibhauseffekt abzumildern, arbeiten Forschung und Politik stetig an neuen Technologien und Strategien. Doch der Ausbau erneuerbarer Energiequellen, die Elektrifizierung von Verkehrsmitteln, die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, die Aufforstung von Wäldern und der Beschluss neuer Klimaschutzabkommen wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um die bisherigen Klimaziele zu erreichen.

Immer häufiger werden daher Verfahren diskutiert, mit denen sich Kohlendioxid aus Atmosphäre entfernen lässt. Man spricht in diesem Fall auch von „negativen Emissionen“. Eine Möglichkeit der CO₂-Entnahme aus der Luft, stellt das technische Verfahren Direct Air Capture and Carbon Storage, kurz DACCS, dar. Die Methode umfasst die Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre, dessen Transport von der Entnahmestelle zur Lagerstätte sowie die langfristige und meist unterirdische CO₂-Speicherung. Babara Breitschopf vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat zusammen mit ihrem Team Potenziale und Grenzen dieses Verfahrens untersucht und eingeordnet.

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Verfahren zur CO₂-Entnahme benötigt viel Energie

DACCS gilt in der Forschung durchaus als eine vielversprechende Methode zur Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre, doch gibt es auch einige Kritikpunkte. Der größte Kritikpunkt zielt dabei auf den hohen Energieverbrauch ab, der mit dem Verfahren einhergeht. Denn aufgrund der nur geringen CO₂-Konzentration in der Luft, gestaltet sich die Entnahme bislang noch aufwendig und erfordert erhebliche Energiemengen, um das Kohlendioxid abzuscheiden und zu speichern. Um die Effizienz des Verfahrens zu erhöhen, sollte es, laut den Forschenden, vor allem dort eingesetzt werden, wo emissionsarme Energiequellen dafür genutzt werden können. Jedoch stehen diese noch nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung. Hier müsste also zunächst die Infrastruktur geschaffen werden, um das Verfahren erfolgreich einsetzen zu können.

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Die Speicherung von CO₂ stellt in technischer Hinsicht jedoch kein Problem dar. Durch die Förderung fossiler Rohstoffe bestehen umfassende Erfahrungswerte und auch die technologischen Voraussetzungen sind gegeben.

Speicherung von C0₂ wird kritisch betrachtet

Doch auch wenn die Speicherung von CO₂ in der Theorie keine allzu großen Hürden birgt, wird sie gesellschaftlich diskutiert. Frühere Umfragen zeigen, dass viele Menschen in Deutschland der C0₂-Speicherung in geologischen Lagestätten kritisch gegenüberstehen. Positiver bewerten die meisten Menschen „natürliche“ Methoden, die zur CO₂-Entnahme und Speicherung beitragen. Darunter fallen beispielsweise Aufforstung oder eine nachhaltige Bewirtschaftung von Böden und Küstenökosystemen. Damit betrachtet die Gesellschaft technischen Verfahren deutlich kritischer.  Daher muss für eine zielorientierte Entwicklung von DACCS über technische Verfahren zur CO₂-Entnahme aufgeklärt und über die Möglichkeiten diskutiert werden, so die Forschenden.

„Das Wissen vieler gesellschaftlicher Akteure und Akteurinnen zu DACCS ist noch sehr gering. Mit unserem Policy Brief wollen wir einen Beitrag zu einer gesellschaftlichen Diskussion über die Nutzung von DACCS als technische Option zur Erzielung negativer Emissionen leisten“, so Breitschopf.

Die zukünftige Rolle von DACCS für den Klimaschutz

Der Klimawandel schreitet schnell voran. Aus diesem Grund müssen neue Lösungen her, die erfolgreich zur Eindämmung der globalen Erderwärmung beitragen können. Trotz der technischen, wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gilt die CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre durch das technische Verfahren DACCS nach heutigem Wissensstand zu den vielversprechendsten technologischen Ansätzen, um die Klimaziele zu erreichen. Doch hierfür braucht es noch eine große politische Anschubhilfe. Technische Verfahren wie DACCS stehen noch ganz am Anfang und müssen weiterhin erforscht und erprobt werden. Darüber hinaus muss die Gesellschaft weiter über die technischen Verfahren zur Entnahme und auch zur Speicherung von Kohlendioxid aufgeklärt werden. Und neben der Entwicklung neuer technischer Innovationen dürfen andere Strategien nicht zum Erliegen kommen. Denn nur durch das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen und ihrer Umsetzung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene kann der Klimawandel eingedämmt werden.

Von Ines Klawonn