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Hitze, Fluten, Dürre 17.06.2026, 12:00 Uhr

Resilience Expo 2026: Klimaanpassung ist ein Geschäft geworden

In Nordrhein-Westfalen etabliert sich die Resilience Expo als neue Ausstellung: Dort werden Wege gezeigt, wie man sich an das sich wandelnde Klima anpassen kann. Und dies lohnt sich: Unangepasst droht es, kostspielieg zu werden.

Katerina Kessler aus dem US-Bundesstaat Minnesota und ihr Amtskollege Oliver Krischer aus Nordrhein-Westfalen.

Eine Umweltministerin und ein Umweltminister verstanden sich auf der Resilience Expo am 10. Juni in Möchengladbach gut: Katerina Kessler aus dem US-Bundesstaat Minnesota und ihr Amtskollege Oliver Krischer aus Nordrhein-Westfalen.

Foto: Resilience Expo

„Klimaanpassung ist kein Nischenthema mehr.“ Dies sagte Oliver Krischer, Landesminister in Nordrhein-Westfalen für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, als er am 10. Juni die zweite Resilience Expo eröffnete. Und Wopke Hoekstra, EU-Kommissar für Klima, Netto-Null-Emissionen und sauberes Wachstum, ergänzte per Videobotschaft: „Klimaresilienz ist nicht eine länger eine Option, sie ist eine Notwendigkeit.“

Dass das Interesse an Klimaanpassung steigt, zeigte die Resilience Expo. Sie fand dieses Jahr wieder im Rheinischen Revier, genauer in Mönchengladbach, statt: Auf 67 Ständen stellen 76 Unternehmen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Pakistan, Schweden und der Schweiz aus. Ein Jahr zuvor bei der weltweit ersten Resilience Expo – am 23. Juni 2025 in Neuss – waren es 37 Aussteller aus Dänemark, Deutschland und der Schweiz. Auch die Zahl der Besucherinnen und Besucher stieg an: von knapp 300 auf mehr als 450. Die VDI energie + umwelt informierte vorab online über diese zweite Resilience Expo.

Klimaanpassung schützt Gesundheit

Frühzeitig in Vorsorge und Anpassung zu investieren, „schützt nicht nur Menschen und Infrastruktur, sondern hilft, hohe Folgekosten durch Klimaschäden vermeiden“, betont Krischer. Und weil es zurzeit nicht überall en vogue sei, über den Klimawandels zu sprechen, empfiehlt Katerina Kessler, Umweltministerin des US-Bundesstaats Minnesota, „politisch statt vom Klimawandel vom Schutz der menschlichen Gesundheit zu sprechen“.

Einig waren sich Kessler und Krischer darin, dass es verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen braucht, damit sich eine Klimaanpassungswirtschaft weiterentwickeln kann. „Klimaanpassung erfordert langen Atem“, so Krischer. Die zentrale Herausforderung bestehe heute darin, die richtigen Weichen für die kommenden Jahrzehnte zu stellen und damit auch Hoffnung zu geben.

Klimaanpassung per Gesetz

Nordrhein-Westfalen nehme in der Klimaanpassungswirtschaft eine Vorreiterrolle ein, meint Minister Krischer. Eine Grundlage liefert das Klimaanpassungsgesetz Nordrhein-Westfalen, das der Landtag 2021 verabschiedet hatte. Ein bundesweites Klimaanpassungsgesetz folgte 2024. Zwischen 2020 und 2026 hat das Bundesland Kommunen bereits knapp 200 Mio. € bereitgestellt, um Klimaanpassungsmaßnahmen vor Ort umzusetzen.

Ein Beispiel sei der Schlossplatz in Detmold, so Krischer. Die Stadt ließ 2025 dort einen besonderen unterirdischen Wasserspeicher anlegen. Dieser nimmt Regenwasser auf, entlastet damit bei Starkregen die Kanalisation und macht das gespeicherte Wasser anschließend wieder verfügbar, um Bäume, Sträucher und Grünflächen zu bewässern.

Aktuell überarbeitet der NRW-Landtag das eigene Klimaanpassungsgesetz. Ein Ziel ist, dass von Januar 2027 an alle Kommunen Klimaanpassungskonzepte aufstellen. Bislang verfügt etwa jede dritte NRW-Kommune über ein solches Konzept. Das Land finanziert die gesetzlich vorgeschriebene Aufstellung der Konzepte mit 20 Mio. €.

Resilience Expo konkret

Auf der Resilience Expo 2026 zeigten Initiativen, Institute und Unternehmen interessante konkrete Wege, sich an das sich wandelnde Klima anzupassen. Eine zufällige getroffene Auswahl an Beispiele zu den Themen Hochwasserschutz, Schwammstadt, Abkühlung und Rettung von Bäumen folgt. Zudem kooperieren der Bundesstaat Minnesota und das Bundesland Nordrhein-Westfalen auf Hochschulebene miteinander.

Im Hugo Junkers Hangar in Mönchengladbach hat die flugfähige JU 52 Platz für interessante Gespräche über Klimaanpassung gemacht. Foto: Resilience Expo

Stichwort Hochwasserschutz

Auf eine wasserdichte Membran zwischen Verankerungen setzt die Firma AquaBurg Hochwasserschutz aus Münster, Nordrhein-Westfalen. Es handelt sich dabei um in den Boden integrierte sogenannte „AquaWand-Kanäle“: Dazu werden vorgefertigte schmale Stahlwannen in einem Graben eingesetzt, miteinander verschraubt und mit Beton fixiert. Meist wird dieser Kanal durch befahrbare Deckel abgeschlossen. Die Elemente für die Schutzbarriere – Plane, Netz und Pfosten oder Deckelpfosten – werden in dem fertigen Kanal wasserdicht montiert. Bei einer Hochwasserwarnung wird die Schutzbarriere aufgestellt. Die wasserdichte Plane bildet die Sperrschicht gegen das Wasser. Das tragende Netz nimmt die auf die Plane wirkenden Kräfte auf und leitet sie über die Pfosten oder Deckelpfosten in die im Boden verbaute Stahlwanne und von dort weiter in den Untergrund ab. Die Höhe von Schutzbarrieren kann bis zu 4 m betragen.

Die Firma Waterblokk aus Geilenkirchen, Nordrhein-Westfalen, schützt hingegen mit Rezyklaten vor Hochwasser. Die Grundplatten ihres Konzepts bestehen aus Plastikmüll. Die Firma Upboards aus Gretzenbach, Schweiz, stellt sie aus Bau-, Industrie- und Haushaltsabfällen her. Sie sind ja nach Bedarf 15, 20, 30 oder 40 mm dick. Aus diesen wiederum stellt die Geilenkirchener Firma drei Produkte bis zu einer Größe von 122 x 244 cm her: Die „Frameblokk“-Module für den Objektschutz beispielsweise lassen sich an die Größe von Gebäudeöffnungen anpassen. Die „Airpressblokk“-Platten wiederum sind mit einer Pressgummidichtung ausgestattet. Beide hat die VdS Schadenverhütung, eine Tochter des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungwirtschaft, mit Sitz in Köln bereits zertifiziert. Die neuen „Infrablokk“-Platten zum Schutz der Infrastruktur wie werden zurzeit von der VdS auf ihre Qualität geprüft.

Stichwort Schwammstadt

Ein dreischichtiger Pflasterstein verleiht versiegelten Flächen klimafreundliche Eigenschaften. Diesen Betponstein präsentierte die Firma Godelmann aus Fensterbach in der Oberpfalz, Bayern, auf der Resilience Expo. Die obere Schicht dieses „GDM.Klimasteins“ lässt Regenwasser durch, während die Sichtfläche Wärmeeinstrahlung reflektiert, Lärmemissionen dämpft und Luftschadstoffe neutralisiert. Über Fugen gelangt Feuchtigkeit in den Kernbereich des Steins, der Speicherschicht. Dank einer offenporigen Gestaltung kann diese wie ein Schwamm große Mengen Regenwasser aufnehmen und wieder abgeben. Die untere feinporige dritte Schicht ist weniger durchlässig und hält Wasser im Stein. Die Kapillaren in dieser Schicht sorgen dafür, dass der Stein auch Feuchtigkeit vom Erdreich aufnehmen kann. Der Betonstein hat noch eine Besonderheit: Der obersten Schicht wird Titandioxid (TiO2) zugemischt. Dies fein verteilte Oxid wirkt katalytisch und hilft, Stickstoffoxid (NO) zu Stickstoffdioxid (NO2) und zu Nitrat (NO3) umzuwandeln. Das Nitrat wird dann beim nächsten Regen von der Oberfläche weggespült.

Auch eine Hydrotragschicht aus dem niedersächsischen Ort Selsingen zwischen Bremen und Hamburg kann zur Schwammstadt beitragen. Diese 15 bis 30 cm dicke Tragschicht der Firma HanseGrand Klimabaustoffe besteht aus Mineralien, genauer aus gebrochenem Hartgestein und weiteren kapillar-fördernden natürlichen Komponenten. Diese speichern Regenwasser und geben es bei trockenem Wetter über Kapillareffekte an die Oberfläche zurück. Diese Hydrotragschicht kann mit bis zu 40 l/m2 etwa doppelt so viel Waser wie herkömmliche Schottertragschichten aufnehmen. Diese Tragschicht ist nach Firmenangaben bei allen offenporigen und nicht-starren Oberflächen wie in Parkanlagen, Parkplätzen und Sportanlagen einsetzbar.

Ein Blick in den Hugo Junkers Hangar während der zweiten Resilience Expo, die am 10. Juni 2026 in Mönchengladbach stattfand. Foto: Resilience Expo

Stichwort Hitzeperioden

Urbane Plätze lassen sich an Hitzeperioden mit Nebelsäulen der Firma Schraeder Metallververarbeitung aus Kamen, NRW, spürbar abkühlen: Die Säulen, CoolBreeze genannt, versprühen feine Wassertropfen bis zu 15 m weit. Dabei senken sie die Umgebungstemperatur und binden auch Feinstaub aus der Luft und verbrauchen dabei stündlich etwa 1 l Wasser. Die Säulen lassen sich per Hydrantenanschluss mit Wasser versorgen. Sie sind zudem dank einem batteriebetriebenes Solarpanel energieautark.

Der Berliner Baustoffhandel Cool Ants Germany macht „PRC“-Materialien von Herstellern wie SICC Coatings ebenfalls aus Berlin bekannter. Mit diesen Materialien – PRC steht für „passive radiative cooling“ – lassen sich etwa Dächer, Fenstergläser und Innenraumwände, aber auch Regenschirme beschichten. Der Clou: Diese Materialien reflektieren nicht nur Sonnenstrahlen, sondern strahlen auch Wärmestrahlen durch das sogenannte atmosphärische Fenster ins kalte Universum ab. Sie bieten damit eine einfache Möglichkeit, die Hitzelast in Gebäuden wirksam, dauerhaft und ohne Technik oder bauliche Maßnahmen zu senken.

Stichwort: Bäume retten

In den Niederlanden entstand 2020 die Initiative „Mehr Bäume jetzt„. Ihr Ziel ist es, Wildlinge, also natürlich gewachsene Baum- und Strauchsetzlinge, zu retten und an neuen Orten einzupflanzen. Bislang sind auf diese Weise in Europa mehr als drei Mio. Bäume und Sträucher verpflanzt worden – allein in Deutschland mit Unterstützung von 900 Freiwilligen mehr als 300 000. Die natürlich gewachsenen Bäume und Sträucher sind ohne zusätzlichen Schutz und Dünger gewachsen und haben dadurch ihre Anpassungsfähigkeit beweisen.

Kooperation zwischen Hochschulen

Auch auf Hochschulebene kooperieren Minnesota und NRW in puncto Klimaschutz: Seit 2017 existiert ein Studierendenaustausch zwischen der FH Münster und der University of Minnesota. „Es ein fachlicher und kultureller Austausch zum gegenseitigen Nutzen“, erklärt Christof Wetter vom Fachbereich Energie-Gebäude-Umwelt der FH Münster. „Die Studierenden entwickeln konkrete Projekte und realisieren sie.“

Ein Beispiel: Studierende der FH Münster unterstützen laufende Forschungsprojekte der University of Minnesota – beispielsweise am Universitätsstandort Morris. Dort wird grüner Wasserstoff (H2) mit erneuerbarer Energie hergestellt. Und dieser Wasserstoff wird in grünen Ammoniak (NH3) überführt, der als Kraftstoff oder zur Speicherung und zum Transport von Wasserstoff genutzt werden kann – oder unter Druck verflüssigt und in den Boden eingearbeitet werden kann, wo er zu düngewirksamen Ammonium-Ionen (NH4+) umgewandelt wird.

Aktuell befinden sich ein Dutzend Studierende der FH Münster für fünf Monate in Minnesota und eine Studentin aus Minnesota macht ein Praktikum zum Thema „Nachhaltige Regionale Entwicklung durch erneuerbare Energien und Bürgerbeteiligung“ in Saerbeck im nördlichen Münsterland.

Resilience Expo – einzigartig

Die Resilience Expo ist weltweit einzigartig. Sie ist die einzige Ausstellung, die sich allein dem Thema Resilienz gegenüber dem Klimawandel widmet. Der Ort und der Zeitpunkt der Expo – Rheinisches Revier und im Frühsommer – sind nicht zufällig gewählt:

  • Mitte Juli 2021 hat die Flutkatastrophe aufgrund der über die Ufer tretende Erft und ihre Nebenflüsse in Rheinischen Revier das Bewusstsein für den Klimawandel geschärft.
  • In Bonn finden im Juni regelmäßig die Zwischenverhandlungen zum Kyoto-Protokoll, also der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, statt – dieses Jahr vom 8. bis 18. Juni. Auf diesen Zwischenverhandlungen werden die Vertragsstaatenkonferenzen, die am Ende des jeweiligen Jahres, folgen, vorbereitet. So wird die 31. „Conference of the Parties“ (COP) zum Kyoto-Protokoll dieses Jahr im November in Antalya, Türkei, stattfinden.

Und zum Schluss ein Blick nach vorn: Der Termin für die dritte Resilience Expo steht bereits. Sie wird am 17. Juni 2027 im Rheinischen Revier stattfinden.