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Hybride Kraftwerke und neue Erlösmodelle 25.02.2026, 14:00 Uhr

Wie die Solarwirtschaft auf den Marktwandel reagiert

Europas Solarwirtschaft wächst weiter, doch Fördermechanismen, Strompreise und Anforderungen verändern sich. Die Branche sucht Lösungen.

Chance für die Solarwirtschaft: die Intersolar Europe 2026 widmet sich verstärkt PV-Hybridkraftwerken Foto: Solar Promotion GmbH

Chance für die Solarwirtschaft: die Intersolar Europe 2026 widmet sich verstärkt PV-Hybridkraftwerken

Foto: Solar Promotion GmbH

Die europäische Solarwirtschaft bleibt dynamisch. Nach Zahlen des Branchenverbands SolarPower Europe verzeichnete die EU auch 2025 einen hohen Zubau an Photovoltaik-Leistung. Deutschland lag erneut an der Spitze, gefolgt von Spanien, Frankreich, Italien und Polen. Solarstrom ist damit zu einem zentralen Baustein der europäischen Stromversorgung geworden – sowohl im Hinblick auf Klimaziele als auch auf Versorgungssicherheit.

Rahmenbedingungen für Solarwirtschaft ändern sich

Gleichzeitig verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. In vielen Ländern laufen klassische Einspeisevergütungen aus oder werden durch neue Förderinstrumente ersetzt. Steigende Marktintegration, schwankende Börsenstrompreise und regulatorische Anpassungen erhöhen den Druck auf Projektentwickler und Investoren, tragfähige Geschäftsmodelle jenseits garantierter Vergütungssätze zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund rücken hybride Anlagenkonzepte und neue Finanzierungsmodelle stärker in den Fokus. Diskutiert werden diese Entwicklungen unter anderem auf der Intersolar Europe, die vom 23. bis 25. Juni 2026 in München stattfindet. Sie ist Teil von The smarter E Europe, einer Messeallianz zur integrierten Energiewirtschaft. Nach Angaben der Veranstalter, der Solar Promotion und der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe, werden rund 2 800 Aussteller und mehr als 100 000 Fachbesucher erwartet.

Hybridkraftwerke als Antwort auf volatile Märkte

Zunehmend setzen Projektentwickler auf sogenannte PV-Hybridkraftwerke, die Photovoltaik mit Windenergie und/oder Batteriespeichern kombinieren. Ziel ist es, Erzeugungsprofile zu glätten, Netzanschlüsse effizienter zu nutzen und zusätzliche Erlösquellen zu erschließen. Insbesondere in Märkten mit hohem Anteil erneuerbarer Energien gewinnen solche Konzepte an Bedeutung.

Ein wesentlicher Baustein ist die Integration stationärer Batteriespeicher. Laut BloombergNEF sanken die Preise für stationäre Speichersysteme im Jahr 2025 auf rund 70 $/kWh. Diesen deutlichen Rückgang führen die Marktforscher unter anderem auf Überkapazitäten in der Zellfertigung, intensiven Wettbewerb und die stärkere Verbreitung von Lithium-Eisenphosphat-Zellen zurück. Sinkende Speicherkosten verbessern die Wirtschaftlichkeit hybrider Projekte und erweitern deren Einsatzmöglichkeiten.

Wirtschaftlich operieren viele dieser Anlagen mit sogenannten Multi-Use-Strategien. Zu denen zählen unter anderem Energiearbitrage, das Speichern von Strom bei niedrigen Preisen und der Verkauf bei höheren Preisen, sowie die Teilnahme an Regelenergiemärkten oder langfristige Stromlieferverträge. Die Kombination mehrerer Erlösquellen soll Schwankungen ausgleichen und Investitionsrisiken reduzieren.

Contracts for Difference als neues Leitmodell

Auch die Fördermechanismen verändern sich. In mehreren EU-Staaten ersetzen Contracts for Difference (CfD) schrittweise klassische Einspeisevergütungen. Bei diesem Modell wird ein Referenzpreis für den erzeugten Strom festgelegt. Liegt der Marktpreis darunter, gleicht der Staat die Differenz aus; liegt er darüber, fließen Überschüsse an den Staat zurück. Ziel ist eine stärkere Marktintegration bei gleichzeitig kalkulierbaren Erlösen.

Auch in Deutschland steht eine Neuordnung an: Die beihilferechtliche Genehmigung des geltenden Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) läuft Ende 2026 aus. Damit gewinnt die Debatte über zukünftige Förderdesigns an Bedeutung. CfD-Modelle gelten als Option, um Investitionssicherheit mit marktbasierten Preissignalen zu verbinden.

Für Projektentwickler bedeutet der Wandel eine Anpassung der Finanzierungsstrukturen. Banken und institutionelle Investoren bewerten Projekte zunehmend anhand kombinierter Erlösmodelle, die neben Fördermechanismen auch langfristige Power Purchase Agreements (PPAs) oder hybride Vertragsformen berücksichtigen.

Neue Wege für die Solarwirtschaft

Die Intersolar Europe Conference, die am 22. Juni 2026 als Auftakt zur Messe stattfindet, greift diese Themen strategisch auf. Im Mittelpunkt stehen Marktanalysen, regulatorische Trends und Investitionsbedingungen für die Solarwirtschaft. An den Messetagen werden hybride Kraftwerkskonzepte, Speicherlösungen und Finanzierungsmodelle praxisnah diskutiert und von Ausstellern präsentiert.

Die Messe soll als Plattform für die Vernetzung von Projektentwicklern, Herstellern, Investoren und politischen Akteuren dienen. In einem Umfeld, in dem technologische Innovation und regulatorische Anpassung eng miteinander verflochten sind, gewinnt dieser Austausch zunehmend an Bedeutung.
Denn die europäische Solarwirtschaft befindet sich in einer Phase der Konsolidierung und Weiterentwicklung. Der Ausbau bleibt hoch, doch die Logik verschiebt sich: von garantierten Einspeisevergütungen hin zu marktbasierten, kombinierten Geschäftsmodellen. Hybride Anlagen und neue Vertragsformen markieren dabei einen Schritt in Richtung stärker integrierter Energiesysteme.