Warum Biomethan jetzt einen Plan braucht
Biomethan ist erneuerbar, speicherbar und kann bestehende Gasinfrastruktur nutzen. Trotzdem fehlt in Deutschland bislang ein klarer politischer Ausbaupfad. Die Biomethan Taskforce fordert deshalb eine nationale Strategie mit verlässlichen Regeln für Anlagen, Netze und Absatzmärkte. Denn die Jahre bis 2030 entscheiden, ob das Potenzial wirklich gehoben wird.
Der Hochlauf von Biomethan bleibt bislang hinter seinen Möglichkeiten.
Foto: Smarterpix/snapshotfreddy
Ein klimaneutrales Energiesystem wird nicht allein elektrisch funktionieren. Es braucht auch erneuerbare Moleküle, die Energie speichern, über bestehende Infrastrukturen transportieren und dort eingesetzt werden können, wo direkte Elektrifizierung schwierig, teuer oder kurzfristig nicht realistisch ist.
Hier setzt Biomethan an. Es kann aus Biogas aufbereitet, ins Gasnetz eingespeist und in Gebäuden, Industrieprozessen, Kraftwerken oder im Schwerlastverkehr genutzt werden. Die Biomethan Taskforce fordert deshalb nun eine nationale Biomethan-Strategie für Deutschland.
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Baustein statt Nische
Der Kern der Forderung: Biomethan soll nicht länger als Nischenlösung behandelt werden, sondern als systemrelevanter Baustein der Energiewende. Die Initiative, die von dem Verband „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ getragen wird, vertritt Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die kommen aus der Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft, es finden sich dort aber auch Stadtwerke- und Industrie-Vetreter sowie Akteure aus den Bereichen Handel und Infrastruktur. Auf ihrer Projektseite beschreibt die Taskforce Biomethan als erneuerbar, speicherbar, sofort verfügbar und kompatibel mit der bestehenden Gasinfrastruktur. Genau diese Eigenschaften machen den Energieträger aus Sicht der Taskforce zu einer pragmatischen Option für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und heimische Wertschöpfung.
Gleichzeitig sieht die Initiative dieses Potenzial gefährdet. Mehrere Gesetzesvorhaben greifen derzeit ineinander: die Umsetzung des EU-Gasbinnenmarktpakets im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), offene Fragen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die Zukunft der Gasnetzzugangsregeln und die anstehende Ausgestaltung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG). Wenn diese Regelwerke nicht aufeinander abgestimmt werden, drohen aus Sicht der Taskforce Investitionsunsicherheit, Stilllegungen bestehender Anlagen und ein Verlust von Infrastruktur, die für klimaneutrale Gase noch gebraucht werden könnte. Die Jahre 2026 bis 2030 beschreibt die Taskforce deshalb als entscheidendes Markt-, Investitions- und Infrastrukturfenster.
Ohne Nachfrage kein Markthochlauf für Biomethan
Der politische Hebel liegt nicht nur bei der Produktion, sondern vor allem bei der Nachfrage. Ein Biomethanmarkt entsteht nur dann, wenn Anlagenbetreiber, Netzbetreiber und Abnehmer wissen, dass es künftig verlässliche Absatzpfade gibt. Das ergänzende Papier zum Transformationspfad neue Gase formuliert diesen Punkt sehr direkt: Ein nachhaltiger Biomethanmarkt brauche klare politische Signale, Zertifizierungssysteme, Herkunftsnachweise und Anrechenbarkeit im Rahmen von Klimazielen. Ohne solche Grundlagen lassen sich Investitionen in neue Anlagen, Aufbereitung, Einspeisung und Infrastruktur kaum auslösen.
Deshalb fordert die Biomethan Taskforce unter anderem investitionsfreundliche Amortisationsfristen von 20 Jahren für den Anschluss von Biomethananlagen. Auch der Erhalt von Bestandsanlagen spielt eine große Rolle. Viele Biogasanlagen stehen vor der Frage, wie sie nach dem Auslaufen ihrer bisherigen EEG-Förderung wirtschaftlich weiterbetrieben werden können. Eine Option ist die Aufbereitung zu Biomethan und die Einspeisung ins Gasnetz. Genau dafür braucht es aber stabile Regeln für Netzanschluss, Kostenverteilung und langfristigen Zugang zur Infrastruktur. Die Taskforce warnt, dass eine vorschnelle Stilllegung von Verteilnetzen bestehende und neue Biomethanprojekte ausbremsen könnte.
Verlässlichkeit und klare Regeln
„Gerade in der frühen Phase des Markthochlaufes braucht Biomethan klare Regeln, verlässliche Infrastrukturperspektiven und ein ambitioniertes Ausbauziel“, sagt Bengt Bergt, Sprecher der Biomethan Taskforce. „Um Biomethan zu stärken, müssen wir Investitionssicherheit für Anlagenbetreiber und faire Transformationsbedingungen für Netzbetreiber zusammendenken. Nur so kann klimaneutrale Gasinfrastruktur erhalten und der Hochlauf erneuerbarer Moleküle beschleunigt werden.“ Ein Konflikt, der in der Gastransformation zentral wird. Einerseits sollen fossile Gasnetze zurückgebaut oder umgewidmet werden. Andererseits können Teile dieser Infrastruktur für erneuerbare Gase, dezentrale Einspeisung und saisonale Speicherung künftig wertvoll bleiben
Auch beim EEG sieht die Taskforce Reformbedarf. Höhere Ausschreibungsvolumina und verbesserte Flexibilitätszuschläge sollen private Investitionen in Anlagen, Infrastruktur und flexible erneuerbare Kraftwerksleistung ermöglichen. Das passt zu einer Grundfunktion von Biomethan: Es lässt sich speichern und bedarfsgerecht einsetzen. Während Wind- und Solarstrom stark schwanken, können gasförmige Energieträger in bestehenden Speichern über längere Zeit vorgehalten werden. Das Transformationspapier beschreibt Biomethan deshalb als Beitrag zum saisonalen Ausgleich und zur Krisenfestigkeit des Energiesystems. Gerade in längeren Dunkelflauten oder bei Netzengpässen kann diese Speicherbarkeit systemisch wertvoll sein.
Biomethan nutzt, was schon da ist
Einen wesentlichen Vorteil sieht die Taskforce in der Infrastrukturkompatibilität. Biomethan kann über bestehende Fernleitungs- und Verteilnetze transportiert und in vorhandenen Speichern eingelagert werden. Unter den richtigen Voraussetzungen braucht es also keinen vollständig neuen Infrastrukturaufbau, sondern eine gezielte Weiterentwicklung bestehender Systeme. Das reduziert Transformationsrisiken und kann Kosten sparen. Das Transformationspapier verweist darauf, dass Biomethan ohne grundlegende technische Umstellungen in die Gasinfrastruktur eingespeist werden kann und dadurch den Markthochlauf erleichtert.
Die Mengenfrage bleibt dabei entscheidend. Der deutsche Gasverbrauch lag laut Transformationspapier 2024 bei rund 835 TWh, der Biomethananteil lediglich bei etwa 11 TWh. Gleichzeitig werden erhebliche Ausbaupotenziale genannt: Die Taskforce beziffert auf ihrer Website das überwiegend heimische Potenzial von Biogas bis 2030 auf 90 bis 102 TWh und bis 2045 auf 154 bis 331 TWh. Das zeigt zweierlei. Biomethan kann fossiles Erdgas nicht kurzfristig vollständig ersetzen. Aber es könnte bei klaren Rahmenbedingungen deutlich über seine heutige Rolle hinauswachsen.
Besonders deutlich ist der Vorteil laut Taskforce im Gebäudesektor. Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz solle Biomethan als gleichberechtigte Defossilisierungslösung neben Wärmepumpen und Fernwärme behandeln. Dahinter steht die Sorge, dass eine einseitige Elektrifizierung sozial und wirtschaftlich problematisch werden könnte, wenn Millionen Gebäude kurzfristig nicht auf Wärmepumpe oder Fernwärme umgestellt werden können. Bergt verweist im Pressetext darauf, dass nach Berechnungen der Initiative auch 2045 noch etwa fünf Millionen Gasbrennwertgeräte im Einsatz sein könnten.
Brückenbauer Biomethan
Biomethan könnte hier eine Brücken- und Ergänzungsfunktion übernehmen: nicht als Freifahrtschein für fossiles Gas, sondern als klimaneutrale Option für Bestände, in denen andere Lösungen schwer umzusetzen sind. Auch die Industrie ist ein mögliches Einsatzfeld. Gas wird dort nicht nur energetisch für Prozesswärme und Dampf genutzt, sondern teils auch stofflich als Rohstoff.
Biomethan kann fossiles Erdgas in bestehenden Anlagen ersetzen und damit kurzfristige Emissionsminderungen ermöglichen, ohne komplette Produktionssysteme sofort umzubauen. Zusätzlich kann es als erneuerbare Kohlenstoffquelle für chemische Prozesse dienen. Das Transformationspapier nennt hier etwa Ammoniak, Methanol und andere Grundstoffe. Damit könnte Biomethan nicht nur als Brennstoff, sondern auch als Baustein industrieller Wertschöpfung nützlich sein.
Das Positionspapier der Taskforce steht online zum Download zur Verfügung.




