Jury nominiert drei Unternehmen für den Hermes Award
Festo, Schaeffler und Ziehl-Abegg sind die drei nominierten Unternehmen für den diesjährigen Hermes Award. Die Innovationen kommen aus den Bereichen Medizintechnik, Robotik und Antriebstechnik.
Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka. „Die drei Nominierten greifen gesellschaftliche Herausforderungen auf und zeigen konkrete Lösungswege."
Foto: Fraunhofer/Stefan Obermeier
Eine unabhängige Jury, besetzt mit hochkarätigen Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Medien, hat unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, unter den zahlreichen Einreichungen drei Unternehmen für den Hermes Award nominiert: Festo, Schaeffler und Ziehl-Abegg (Auflistung in alphabetischer Reihenfolge). Der Gewinner wird im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Hannover Messe am 19. April 2026 bekannt gegeben. Die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, wird den Preis überreichen.
Der Hermes Award zählt, wie die Messe ausführt, zu den weltweit renommiertesten Industriepreisen und wird jährlich im Rahmen der Hannover Messe für eine herausragende Innovation verliehen. Ausgezeichnet werden Produkte und Lösungen mit einem besonders hohen technischen Innovationsgrad. Auch Marktreife und Wirtschaftlichkeit spielen bei der Preisvergabe eine entscheidende Rolle.
Der Juryvorsitzende und Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, sagt: „Die drei Nominierten greifen gesellschaftliche Herausforderungen auf und zeigen konkrete Lösungswege. Die kostengünstige Herstellung von Medizinprodukten, Automatisierung und Robotik sowie der Ersatz kritischer Materialien geben neue Impulse für Wachstum und Beschäftigung und stärken die Sichtbarkeit unseres Landes als Innovationsmotor. Ich möchte den Nominierten schon jetzt zu dieser herausragenden Leistung gratulieren.“
1. Festo: Hochintegrierte Manifolds
Bei dem nominierten Projekt handelt es sich um hochintegrierte Manifolds, das heißt mehrlagige Kunststoff-Verteilerplatten, die Flüssigkeiten steuern, dosieren, mischen und sensorisch erfassen. Im Vergleich zu herkömmlichen Kanalplatten, die überwiegend passive Verteilerfunktionen übernehmen, integriert das Festo-Manifold den Angaben zufolge aktive Funktionen auf engstem Bauraum: optimierte Mischkanäle, medientrennende Ventiltechnologien mit minimiertem Totvolumen und eingebrachte Sensorik für Temperatur, Durchfluss, Druck, Farbigkeit, pH-Wert.
Die Herausforderung lag im Design und der Herstellung der nutzerfreundlichen Plattform. Die technische Neuheit ist die Kombination aus fein strukturierten, mehrlagigen Mikrokanälen sowie integrierten Ventil- und Dosierelementen, direkt eingebetteten sensorischen Messpunkten sowie einem fertigungstechnischen Prozessdesign, das diese Funktionalitäten wirtschaftlich in Serie ermöglicht und damit kompaktere, zuverlässigeren und leichter validiertbare Systeme für Biotech, Medizintechnik und Halbleiteranwendungen ermöglicht.
Kundenanwendung: Medikamenten-Tests
Das Unternehmen Cellbox Labs aus Lettland setzt Bonded Manifolds von Festo ein, um eine
Technologie zu entwickeln, die automatisierte Wirkstoff-Screenings ermöglicht. Wie Festo mitteilt, dienen diese Tests dazu, die Wirksamkeit und mögliche Toxizität von Wirkstoffen an menschenähnlichen Zellen zu prüfen. In Kombination mit Einweg-Zellkartuschen (Cell cartridge) ermöglichen die Verteilerblöcke eine exakte Steuerung der Flüssigkeitszufuhr. „Die Manifolds von Festo bieten uns eine nahtlose, kontaminationsfreie Flüssigkeitsführung, die entscheidend zur Genauigkeit und Effizienz unserer Instrumente beiträgt“, so Roberts Rimša, CTO von Cellbox Labs.
2. Schaeffler: Plattform für hochintegrierte Aktuatoren
Nominiert wurde eine Plattform für hochintegrierte Aktuatoren, welche speziell für die Anwendung in den Gelenken von Humanoiden Robotern konstruiert wurde. Wie die Messe mitteilt, umfasst die Plattform hocheffiziente Servo-Elektromotoren mit integrierter Leistungselektronik sowie Encodern und lässt sich je nach Kundenanforderung mit zweistufigen Planetengetrieben oder Wellgetrieben konfigurieren. Bei der Entwicklung der Aktuatoren wurde konsequent das Ziel eines minimalen Bauraums und eines hohen Dauer-Drehmomentes verfolgt. Im Vergleich zu den neuesten Lösungen am Markt konnte der Bauraum um rund 20 % reduziert werden. Um ein niedriges Temperaturniveau bei hohen Drehmomenten zu gewährleisten, wurde der Kupferfüllfaktor in der rahmenlosen PSM-Maschine erhöht. Die Aktuatorplattform senkt die Systemkosten deutlich und schafft damit eine zentrale Voraussetzung für die schnelle Skalierung der Servicerobotik.
Schaeffler will Schlüsselrolle in der Humanoiden Robotik einnehmen
Wie Schaeffler im Vorfeld der Messe mitgeteilt hat, plant das Unternehmen, eine Schlüsselrolle im wachsenden Markt der humanoiden Robotik einzunehmen und setzt dabei auf seine langjährige Fertigungsexpertise und starke vertikale Integration. Humanoide Roboter kommen beim Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zum Einsatz, wodurch es die Marktanforderungen genau kennt und bewährte Lösungen aus der Automobil- und Industriebranche in die Robotik übertragen kann, so Schaeffler. Mit einem umfangreichen Portfolio, insbesondere integrierten linearen und rotatorischen Aktoren, die rund die Hälfte der Komponenten eines humanoiden Roboters ausmachen, bündele Schaeffler seine Expertise als führender Anbieter im Bereich Motion Technology.
Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Industriepartnern und führenden Forschungseinrichtungen positioniere sich Schaeffler als bevorzugter Technologiepartner im Bereich humanoide Robotik. Ein Highlight des Messeauftritts in Hannover soll ein „gläserner“ Humanoid werden, der mit einem digitalen Hologramm synchronisiert ist. Das interaktive Exponat zeige ausgewählte Schlüsselkomponenten von Schaeffler und gibt Einblicke in deren Funktionen sowie den zugrunde liegenden Technologien.
3. Ziehl-Abegg: Elektrische Aufzugssynchronmaschine ohne Seltene Erden
Nominiert wurde das Unternehmen für eine elektrische Aufzugssynchronmaschine, die ohne Magnete aus Seltenen Erden auskommt und dabei dennoch eine gleichbleibend hohe Leistung bietet. Die neue Aufzugsmaschine arbeitet den Angaben zufolge mit Ferritmagneten und verzichtet vollständig auf kritische Rohstoffe wie Neodym oder Dysprosium, die bislang aufgrund ihrer hohen Leistungsdichte als unverzichtbar für Hochleistungsantriebe galten. Die Innovation liegt in einem komplett neuen Motordesign. Dadurch bleibt die Drehmomentdichte hoch, die Laufruhe erhalten und die Energieeffizienz auf dem Niveau bisheriger Premiumlösungen. Der Verzicht auf Seltene Erden reduziert die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen. Ferritmagnete sind hingegen weltweit verfügbar, zuverlässig lieferbar und deutlich umweltfreundlicher in der Herstellung.
Serienproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte starten
Wie Ziehl-Abegg ausführt, erreicht der Motor trotz des Verzichts auf Hochleistungsmagnete aus Seltenen Erden identische Leistungsdaten – und das bei gleichen Abmessungen. Dies sei insbesondere für High-Torque-Anwendungen im Aufzugsbereich mit hohen Anforderungen an Laufruhe und Energieeffizienz ein bedeutender Schritt. Möglich wurde dies durch die tiefgreifende Kompetenz von Ziehl-Abegg in der Entwicklung elektrischer Maschinen, heißt es weiter. Eine Patentanmeldung seibereits erfolgt. Die neue Aufzugsmaschine der Baugröße 200 wird auf der Messe vorgestellt. In der zweiten Jahreshälfte 2026 wird die Serienproduktion am Standort Deutschland beginnen.




