Bau-Konjunktur 22.12.2020, 11:08 Uhr

Was erwarten Ingenieurbüros für 2021?

Zunächst sah es so aus, als ob die Baubranche vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie kommt. Zahlreiche Aufträge waren langfristig an Handwerksbetriebe und Ingenieurbüros vergeben, etliche Baugenehmigungen beantragt oder bereits bewilligt. Doch was kommt 2021?

Mehr als 40% aller Ingenieurs- und Architekturbüros erwarten 2021 deutliche Umsatzeinbußen.Foto: panthermedia/pressmaster

Mehr als 40% aller Ingenieurs- und Architekturbüros erwarten 2021 deutliche Umsatzeinbußen.

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Der Bau-Boom der vergangenen Jahre hat die Branche im Vergleich zu vielen anderen Wirtschaftszweigen vor tiefen, coronabedingten Einschnitten bewahrt – bisher. Mit dem neuen Jahr könnte dies anders werden: Viele Architektur-und Ingenieurbüros erwarten 2021 deutliche Umsatzrückgänge. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage von Bundesarchitektenkammer (BAK) und Bundesingenieurkammer (BIngK) unter 4 600 selbstständigen Kammermitgliedern zu den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.

Fast die Hälfte der Ingenieurbüros erwartet 2021 starke Umsatzrückgänge

Für das neue Jahr rechnen 41 % der Architektur-und Ingenieurbüros mit Umsatzrückgängen. Jedes fünfte Büro gibt im Rahmen der Erhebung bereits massive Schwierigkeiten bis hin zu drohenden Liquiditätsproblemen an. „Die erwartbaren Folgen negativer wirtschaftlicher Effekte für das kommende Jahr deuten sich immer mehr an“, so Barbara Ettinger-Brinckmann. Daher fordert die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer: „Öffentliche und gewerbliche Auftraggeber müssen gestärkt werden, damit der finanzielle Spielraum für die Auslösung notwendiger Aufträge bestehen bleibt.“ Baugenehmigungen und behördliche Vorgänge dürfen nicht zum Engpassfaktor werden. „Erfreulich ist, dass sich die Situation der Planungsbüros noch nicht weiter verschlechtert hat“, ergänzt Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer. „Was uns jedoch beunruhigt ist, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Büros nicht mehr im gleichen Ausmaß neue Aufträge akquirieren kann wie noch vor der Krise – insbesondere Büros mit gewerblichen, aber auch öffentlichen Auftraggebern. Hier appellieren wir vor allem an die Öffentliche Hand, dafür zu sorgen, dass weiterhin Aufträge vergeben werden. Darüber hinaus haben die Ergebnisse der Umfrage gezeigt, dass die finanziellen Hilfen von Bund und Ländern laufend auf Zielgenauigkeit überprüft und an die konkreten Bedarfe der jeweiligen Berufsstände angepasst werden müssen“, berichtet Bökamp.

Corona-Effekte: Im Laufe des Jahres hatte sich die Lage gebessert

Bereits zum dritten Mal in 2020 hatten BAK und BIngK ihre selbstständig tätigen Mitglieder im November zu den bisherigen und absehbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie dem daraus folgenden Förder- und Beratungsbedarf befragt. Nachdem die Büroinhaber im April zunächst mit großer Sorge in die nähere und mittelfristige Zukunft blickten, erholte sich die wirtschaftliche Situation über den Sommer leicht. Gaben im April noch 79 % der Architektur- und Ingenieurbüros an, Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren, waren es im Juni nur noch 61 %. Im November sank der Anteil weiter – auf 58 %. Konkrete negative wirtschaftliche Folgen für das eigene Büro attestierten im April 55 %, im Juni 41 %. Dieser Anteil fiel im November mit 34 % noch einmal geringer aus. Häufigste Nennung sind Umsatzrückgänge, akute oder drohende Liquiditätsprobleme und eine niedrige Auslastung der Mitarbeiter.

Rückläufige Auftragszahlen bedrohen Existenz

Selbst wenn ihr Anteil seit April rückläufig ist, sind zum Ende des Jahres noch immer 18 % der Büroinhaber auf finanzielle Hilfen angewiesen. Besonders stark betroffen sind Innenarchitekten, Solo-Selbstständige, im Ausland aktive Planer und Büros, die für gewerbliche Auftraggeber tätig sind. 44 % der Befragten können derzeit neue Aufträge nur in geringerem Maße abschließen. Neun Prozent und sogar 15 Prozent der Solo-Selbstständigen können aktuell überhaupt keine neuen Aufträge für sich verbuchen. Mit einem Rückgang der Auftragslage in den kommenden zwölf Monaten rechnet mit 41 % immerhin fast die Hälfte der Büroinhaber, wobei das Segment der gewerblichen Auftraggeber im Gegensatz zu den privaten Auftraggebern das größte Sorgenkind ist. Bei vier Prozent der Büros und sieben Prozent der Solo-Selbstständigen wird es 2021 vermutlich um das wirtschaftliche Überleben gehen: Sie gehen davon aus, die eigene Selbstständigkeit aufgrund der Corona-Pandemie in den nächsten zwölf Monaten aufgeben zu müssen.

Wird die Personalsituation zum Problem?

Während der Anteil der Büros, die sich mit Auftragsrückstellungen oder -absagen und Zahlungsengpässen bei Auftraggebern konfrontiert sehen, weiter sinkt und auch Verzögerungen auf den Baustellen durch ausbleibende Materiallieferungen oder Umsetzung der Corona-Vorgaben seltener berichtet werden, nehmen seit dem Sommer andere Probleme zu: So ist im Vergleich zum Juni ein leichter Anstieg bei den Büros festzustellen, die mit Personalausfällen auf der Baustelle oder im eigenen Büro zu kämpfen haben. Hier schlägt sich möglicherweise das veränderte Infektionsgeschehen nieder. Auch Verzögerungen im Baugenehmigungsprozess werden von einem Drittel der Befragten, und damit wieder häufiger als noch im Juni, genannt.

Personelle Konsequenzen der Pandemie gibt es aber weiterhin nur in geringem Maße: Der Anteil der Mitarbeiter, die entlassen werden mussten, ist seit Juni von 1,0 % auf 1,8 % gestiegen. Der Anteil derjenigen, die Arbeitszeit reduzieren, liegt zum Ende des Jahres bei 8,2 %. Die Kurzarbeitsregelungen und Soforthilfen konnten umfangreiche Entlassungen verhindern.

Als benötigte finanzielle Hilfen werden besonders häufig Zuschüsse, Entlastungen bei Steuerzahlungen, Sozialabgaben und Lohnkosten genannt, während vergleichsweise seltener Bedarf nach Bürgschaften und Förderkrediten angemeldet wird. Die Stimmen, die die Förderprogramme für bedarfsgerecht halten, halten sich mit den Kritikern ungefähr die Waage. Bemängelt wird von den Befragten vor allem, dass die bisherige Beschränkung der Zuschüsse auf Betriebskosten insbesondere kleine Büros benachteiligt, da kein Unternehmergehalt berücksichtigt ist.

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Von Marc Daniel Schmelzer

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