Vordenker 26.11.2020, 10:34 Uhr

Leonhard Bommes – Vorbild der empirischen Forschung

In der Reihe „Vordenker“ stellt die HLH in loser Abfolge Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft vor, die die Heizungs-, Raumluft- und Sanitärtechnik durch ihr Wirken und Handeln maßgeblich mit geprägt haben. Heute: Leonhard Bommes, Vordenker im Bereich Radialventilatoren.

Foto: panthermedia.net/lightsource

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Leonhard Bommes, der am 29. November 2020 100 Jahre alt geworden wäre, hat über viele Jahrzehnte die Auslegung aerodynamisch und akustisch optimierter Radialventilatoren für den industriellen Einsatz bestimmt. Von der Fachhochschule Düsseldorf aus hat er die aus den sechziger Jahren stammenden Konzepte hinsichtlich einer verbesserten Akustik weiterentwickelt. Professor Bommes hatte ein hohes Ansehen auf dem Gebiet der Strömungstechnik und Strömungsakustik, als ein Meister der Empirie und war bis in sein hohes Alter ein gefragter Sachverständiger.

„Duales“ Studium in den Fünfziger Jahren

Nach dem Krieg studierte Professor Bommes zunächst an der Staatlichen Ingenieurschule Aachen. Seine erste Anstellung als Ingenieur nahm er 1948 bei dem Ventilatorenhersteller Pollrich in Mönchengladbach an, wo er zunächst unter Bruno Eck arbeitete. Später wurde er dort Versuchsleiter und studierte „parallel“ dazu an der RWTH Aachen – jeweils ein halbes Jahr arbeitete er als Versuchsleiter und ein halbes Jahr studierte er. Nach dem etwa 10-jährigen „Teilzeitstudium“ des allgemeinen Maschinenbaus wurde Professor Bommes Technischer Leiter bei Pollrich. Seit den Fünfzigerjahren und organisiert seit 1963 war er als beratender Ingenieur und im Verband Beratender Ingenieure (VBI) tätig. Leonhard Bommes konnte auf mehr als ein halbes Jahrhundert beruflichen Wirkens zurückblicken, in dem er entscheidend die Konstruktion leiser und effizienter Ventilatoren prägte. Seine Erfahrung mündete als Wissensmultiplikator in seiner Hochschullaufbahn und als Autor zahlreicher Fachveröffentlichungen. In dem Standardwerk „Ventilatoren“ von Bruno Eck aus dem Jahr 1962 wird Bommes erwähnt: „ … Hierzu wurde Herrn Dr. Eck zunächst Fallweise und danach uneingeschränkt Ingenieur Bommes zur Verfügung gestellt, der im Herbst 1949 als Absolvent der staatlichen Ingenieurschule Aachen eingestellt worden war. Herr Bommes führte nach den Anweisungen des Herrn Dr. Eck die Versuche aus, durch welche der Hochleistungsventilator mit einem Wirkungsgrad von bis zu 90 % entwickelt wurde.“ 1979 promovierte er im Alter von 59 Jahren an der Technischen Universität Berlin mit dem Thema „Minderung des Drehklanglärms bei einem Radialventilator kleiner Schnellläufigkeit“.

Vorbild für die empirische Forschung

Bommes war von 1964 an der Ingenieurschule und mit der Gründung der Fachhochschule von 1971 bis 1986 als Professor für Strömungsmaschinen in Düsseldorf tätig. Anfang 1973 entstand durch seine Initiative unter Mitarbeit von Dipl.-Ing. Dieter Reinartz und durch das Interesse der einschlägigen Industrie, in Zusammenarbeit mit der TU Berlin und RWTH Aachen am Institut für Strömungsmaschinen der Fachhochschule ein Forschungsschwerpunkt „Untersuchung und Minderung des Geräusches von Ventilatoren“, der auch in den folgenden Jahren seitens des Ministers für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen finanziell gefördert wurde. Noch viele Jahre über seine Pensionierung hinaus brachte er sich im Rahmen von Lehraufträgen oder der Betreuung von Diplomarbeiten an der Fachhochschule ein. Seine letzte Abschlussarbeit betreute er 1999 im Alter von 81 Jahren! Professor Bommes gilt als einer der Pioniere für anwendungsorientierte Forschung an Fachhochschulen. Er war ein sehr engagierter und intensiv mit der Industrie forschender Professor – ein Aushängeschild für den Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik und die Hochschule Düsseldorf. Seine Forschungsergebnisse und Schriften sind Standardwerke der Fachliteratur. International war er freundschaftlich und fachlich mit Prof. Dr. Jan Sentek, AGH Wissenschaftlich-Technische Universität Krakau (Polen), Prof. Dr. Zoran Protic Masinki, Fakultet Universität Belgrad (Serbien), Prof. Dr.-Ing. Eisuke Yoshioka Outa von der Waseda Universität in Tokyo (Japan) und Dr.-Ing. Peter K. Baade aus Tuscon, Arizona (USA) verbunden.

Wissenstransfer gestern wie heute

Leonhard Bommes war in seiner Jugend Segelflieger und wurde im 2. Weltkrieg in Deutschland und Frankreich zum Piloten ausgebildet. Stationiert war er unter anderem in einer Aufklärungseinheit in Norwegen. Deutlich ist, dass er von Jugend an eine frühe Begeisterung für Strömungen und ihre Physik entwickelt hat. Im September 2011 ist Professor Dr.-Ing. Leonhard Bommes im Alter von 90 Jahren in Korschenbroich verstorben.

Professor Bommes (87) im Gespräch mit Professor Kameier im Jahr 2007.

Foto: Dieter Reinartz

Sein Institut für Strömungsmaschinen wurde von Professor Dr.-Ing. Hartwin Ufer in einer Doppelfunktion an der Fachhochschule Düsseldorf und der Paul Pollrich & Comp., Mönchengladbach (später Pollrich Ventilatoren GmbH) fortgeführt. Später ging dieses Institut in das von Professor Dr.-Ing. Frank Kameier geleitete Fachgebiet Strömungstechnik und Akustik im Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik auf und ist inzwischen Teil des Institute of Sound and Vibration Engineering ISAVE der Hochschule Düsseldorf, University of Applied Sciences. Die Philosophie von Leonhard Bommes lebt aber konsequent weiter, was nicht nur Industrieventilatoren betrifft. Auch kleine schnellläufige Radialventilatoren in Staubsaugern, Brennwertheizungen, Industriebrennern und Absauganlagen bis hin zu Nagelstudios leben von dem Spirit des Leonhard Bommes. Mit einem automatisierten 3-D Konstruktionsverfahren wird an der Hochschule Düsseldorf weiterverfolgt und erweitert, was Leonhard Bommes ganz grundlegend untersuchte und über Jahrzehnte publizierte. Viele seiner Absolventen und auch Absolventen seiner Nachfolger sind in Mönchengladbach bei Pollrich gelandet. Die Bommes´schen Verfahren, insbesondere 2008 verbessert von Igor Horvat M.Sc., liefern eine optimierte Strömungsakustik als „Best-Case-Szenario“ von Festigkeit, Akustik, aerodynamischer Leistung und Energieeffizienz. Neben einer Bauraumoptimierung werden die grundlegenden Gedanken der Ähnlichkeitstheorie für Aerodynamik und Akustik angewandt. An der Hochschule Düsseldorf wird seit 2020 wieder sehr eng mit der in 2016 neu formierten Pollrich GmbH kooperiert. Die Nachwuchsprofessur von Dr.-Ing. Till Biedermann, die mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW über das Landesprogramm „Karrierewege FH-Professur‟ gefördert wird, ermöglicht die Integration einer zeitgemäßen Ventilatorenkonstruktion radialer Maschinen auf Basis von Finiten Element Methoden zur Materialstärkenoptimierung, akustischen Ähnlichkeitsbetrachtungen und umfangreichen transienten numerischen Strömungsberechnungen (CFD – Computational Fluid Dynamics). Zurzeit wird intensiv der aktuelle Forschungsbedarf analysiert. Die Ergebnisse werden unmittelbar bei der Re-Organisation der Forschung und Entwicklung innerhalb der Pollrich GmbH berücksichtigt, um das noch junge Unternehmen mit Erfahrungswissen seit 1906 um die Firmen Spelleken aus Wuppertal, Rotamill Ventilatoren und Rothemühle Ventilatoren aus Siegen, Rußwurm Ventilatoren/ruwu aus Bayern und den Pollrich Firmen aus Mönchengladbach verbessert im Weltmarkt zu platzieren.

Von Prof. Dr.-Ing. Frank Kameier, Dipl.-Ing. Dieter Reinartz und Dipl.-Kfm. Frank-Martin Bub

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