Normen 01.01.2019, 00:00 Uhr

Das Sechs-Gänge-Menü der Gebäudeautomation

Bereits im Jahr 1977 erschien mit der Richtlinie VDI 3814 Blatt 1 die erste Regel der Technik für die Gebäudeautomation. In den Folgejahren wurde sie zur Richtlinienreihe VDI 3814 erweitert, ständig dem Stand der Technik entsprechend überarbeitet und vorwiegend im deutschsprachigen Raum etabliert. Die Ausgaben der VDI 3814 aus den frühen 1990er-Jahren prägen auch die Inhalte der weltweit geltenden internationalen Norm für die Gebäudeautomation DIN EN ISO 16484.

Bild: panthermedia.net/franckito

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Unter Gebäudeautomation (GA) werden alle Maßnahmen, Einrichtungen, Prozesse, Software und Dienstleistungen zur automatischen Steuerung und Regelung, Überwachung, Optimierung und Bedienung sowie für das Management zum zielsetzungsgerechten Betrieb der TGA verstanden. GA ist damit das zentrale Werkzeug zum energieeffizienten und sicheren Betrieb der Gebäude. Dabei wird die GA als übergeordnete Bezeichnung für folgende Themen gesehen:

  • Anlagenautomation (AA)
  • Raumautomation (RA)
  • Gebäudeautomations-Management (GA-M)

Die neue Richtlinienreihe VDI 3814 soll das Richtlinienwerk des VDI zur Gebäudeautomation bündeln und die notwendigen Neuerungen einbringen, die in der DIN EN ISO 16484–1 bis 3 ausgeblieben sind. Die bisherigen Richtlinien VDI 3813 und VDI 3814 gehen dabei in eine neue Richtlinienreihe VDI 3814 über, bestehend aus sechs Blättern:

  • Blatt 1 – Grundlagen
  • Blatt 2 – Planung
  • Blatt 3 – Funktionen
  • Blatt 4 – Arbeitsmittel
  • Blatt 5 – Energieeffizienz
  • Blatt 6 – Qualifizierung von Personen

Ziel ist es, die gesamte Prozesskette der Gebäudeautomation mit allen Themenkontexten abzubilden und diese Abbildung unter Berücksichtigung der Digitalisierung in eine breite Umsetzung und Anwendung zu bringen.

VDI 3814 Blatt 1 enthält die Grundlagen der neuen Richtlinienreihe und harmonisiert das in den vergangenen Jahren parallele Vorgehen von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen in diversen Gremien. Als Ziel dieser Harmonisierung soll die GA für andere Beteiligte verständlicher gemacht und damit als Leitdisziplin für nachhaltiges Planen, Bauen und Betreiben weiter etabliert werden. Passend zu dem novellierten GA-System (GA-S) wurde eine neue Kostenstruktur Kostenstruktur entwickelt, die von der neuen DIN 276:2018–12 bereits übernommen wurde. Diesem Ziel werden insbesondere auch die drei neuen Richtlinien VDI 3814 Blatt 2.x – Planung gerecht. Blatt 2.1 unterstützt Fachplaner, Bauherren, Behördenvertreter und ausführende Firmen bei der Bedarfsberatung und Bedarfsplanung für den Bereich der GA im Rahmen einer Bauaufgabe sowie bei der Erstellung von Betreiberkonzepten und Lastenheften, um die vollständige Berücksichtigung der Anforderungen und Vorgaben der Auftraggeber, Nutzer und Betreiber der GA in der Liegenschaft gewerkeübergreifend zu gewährleisten. Blatt 2.2 formuliert, koordiniert mit der neuen VDI 6026 Blatt 1, detailliert die Inhalte einer Fachplanung für die GA in allen Leistungsphasen, insbesondere die Anforderungen an die Systemintegration und die Schnittstellen. Blatt 2.3 unterstützt bei der Planung und Erstellung eines Bedienkonzepts und der Benutzeroberflächen für die GA.

VDI 3814 Blatt 3.1 definiert die Automationsfunktionen des GA-Systems und gilt für die eindeutige Beschreibung, Darstellung, Strukturierung und Anwendung der GA-Funktionen als Abrechnungseinheiten gemäß VOB/C sowie als Basis für die Modellierung der Makrofunktionen in GA-Systemen gemäß dem Blatt 3.2.

In den Blättern VDI 3814 Blatt 4.x werden die Methoden und Arbeitsmittel für Planung, Ausführung und Übergabe zur Verfügung gestellt. Blatt 4.1 unterstützt bei der Planung und Anwendung von Kennzeichnungssystemen und erläutert die Unterschiede zwischen AKS, BKS und BAS. Die Blätter 4.2 und 4.3 enthalten die zugehörigen Arbeitsmittel zu den Blättern der Reihen 2.x und 3.x. VDI 3814 Blatt 5 widmet sich der Energieeffizienz durch Gebäudeautomation in Bezug auf DIN EN 15232 und IEC 60364–8–1. Ziel der VDI 3814 Blatt 6 als erste Richtlinie MT ist es, die Anforderungen an Personen in der GA in allen Lebenszyklusphasen zu beschreiben. Bildungsanbietern ist es daraus freigestellt, Qualifizierungen zu konfigurieren, die aufbauend auf einer von ihnen festzulegenden Eingangsqualifikation Inhalte vermitteln und gegebenenfalls den Schulungserfolg abprüfen.

In den vergangenen fünf Jahren haben sich sehr viele Ingenieure/-innen im Bereich der GA ehrenamtlich an dieser Neugestaltung der GA-Richtlinien beteiligt, ohne deren Mitwirkung diese neuen zwölf Richtlinienblätter nicht entstanden wären. Ihnen gilt daher mein ganz persönlicher Dank!

Von Dipl.-Ing. Marius Hartel

Dipl.-Ing. Marius Hartel VDI, geschäftsführender Gesellschafter der GA Ingenieurgesellschaft mbH und Inhaber Ingenieur-Dienstleistungen Hartel, Sachverständiger für Gebäudeautomation (GA), Vorsitzender der VDI-Richtlinienausschüsse VDI 3814 Blatt 2 und Blatt 3,VDI-Fachausschuss Elektrotechnik und Gebäudeautomation, Seminarleiter Integrale Planung der GA beim VDI-Wissensforum.

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