Kennzeichnungssystem 01.01.2018, 00:00 Uhr

Basis für zeitgemäße Gebäudeautomations-Konzepte und deren Umsetzung

Die Digitalisierung im Bauwesen schreitet mit großen Schritten voran. Gerade für die Gebäudeautomation bedeuten die aktuellen Entwicklungen im Bereich des digitalen Planen, Bauens und Betreibens sowie des Themas Building Information Modeling (BIM) spannende Chancen und neue Geschäftsfelder.

Bild: panthermedia.net/franckito

Bild: panthermedia.net/franckito

Voraussetzung für neue Anwendungen ist zum Beispiel die Weiterentwicklung der Gebäudeautomation hin zu einer „BIM-fähigen“ Gebäudeautomation, das heißt Funktionen und Parameter der Gebäudeautomation müssen auch entsprechend in ein passendes BIM-Modell für das Gebäude inklusive der Anlagentechnik eingebunden sein. Und dies in beiden Richtungen: Die Gebäudeautomation liefert Informationen für ein integriertes BIM-Datenmodell; aber auch umgekehrt werden dem BIM-Datenmodell relevante Daten und Informationen für die Gebäudeautomation z. B. für ein kontinuierliches Anlagen- und Energie-Monitoring und verbesserte Betriebsführungskonzepte geliefert. Eine notwendige Basis hierfür sind standardisierte Daten- und Funktionsmodelle, die eine eindeutige Syntax und Semantik für den wechselseitigen Austausch in verschiedenen BIM-basierten Tools ermöglichen.

Seit vielen Jahren gibt es schon eine genormte Kennzeichnungssystematik [1], welche mehr oder weniger konsequent bereits bei der Planung einer Gebäudeautomation mit definiert und über die Ausführung als wichtiges Dokumentations- und Beschreibungssystem für das Gebäude und Facility Management genutzt wird. In der Praxis wird dies üblicherweise als Anlagenkennzeichnungssystem (AKS) bezeichnet. Zudem haben sich basierend auf dieser allgemeinen Kennzeichnungssystematik eine Vielzahl von unterschiedlichsten „Standards“ entwickelt, die etwa von Bauherren und Betreiber-Seite von großen Liegenschaften verbindlich vorgegeben werden.

Mit der neuen Richtlinienreihe VDI 3814 Gebäudeautomation ist nunmehr zum Dezember 2017 mit dem Blatt 4.1. ein Entwurf erschienen, der das Thema Kennzeichnungs- und Adressierungssystem speziell für die Zwecke der Gebäudeautomation beschreibt [2]. Darin heißt es: „Für die strukturierte Planung, Projektierung, Errichtung, Inbetriebnahme, das Betreiben und die Instandhaltung von gebäudetechnischen Anlagen ist ein einheitliches Kennzeichnungssystem erforderlich. Die Gliederungsstruktur und -tiefe richtet sich nach den jeweiligen projektspezifischen Anforderungen. Zum Betrieben muss ein Kompromiss gefunden werden, der zwischen „so kurz wie möglich“ und „so lange wie erforderlich“ liegt. Es dient der einheitlichen Bezeichnung und eindeutigen Identifizierung und gegebenenfalls auch Lokalisierung von Anlagen, Komponenten und Funktionen.“

Der Entwurf der VDI 3814 unterscheidet hierbei folgenden Bestandteile:

  • Anlagenkennzeichnungssystem (AKS) zur eindeutigen Kennzeichnung der Anlagen
  • Betriebsmittelkennzeichnungssystem (BKS) zur eindeutigen Kennzeichnung von Betriebsmitteln
  • Benutzeradressierungssystem (BAS) zur eindeutigen Bezeichnung von GA-Funktionen

Das Definieren eines Kennzeichnungssystems (KS) ist das Eine. Die konkrete Implementierung und konsistente Umsetzung auf die konkreten Anforderungen das Andere – und in der Praxis viel Schwierigere. Am Institut für Gebäude- und Energiesysteme (IGE) der Hochschule Biberach beschäftigt man sich schon seit längerem mit der passenden Definition und vor allem flexiblen Umsetzung eines datenbankgestützten Kennzeichnungssystems. Hinzu kommt, dass gerade an einer Hochschule neben dem üblichen Gebäude- und Anlagenbetrieb vielfältige Sonder-Anwendungen (Laboranlagen, Feldanlagen) für Lehre und Forschung existieren, die zum Teil recht anspruchsvolle ergänzende Rahmenbedingungen für ein einheitliches Kennzeichnungssystem nach sich ziehen.

Durch die eingangs geschilderten aktuellen Entwicklung im Kontext des digitalen Planens, Bauens und Betreibens kommt dem Kennzeichnungssystem nunmehr eine noch wichtigere Rolle als bisher zu. Daher empfiehlt es sich hier eine eindeutige und durchgängige Systematik einzuführen. Im Folgenden wird dazu eine Methodik und konkrete Umsetzung vorgestellt, die am Institut für Gebäude- und Energiesysteme der Hochschule Biberach für die projektspezifischen Anforderungen entwickelt wurde und mittlerweile von mehreren Projektgruppen am Institut eingesetzt wird. Hierbei wurde insbesondere auf eine standardisierte Kennzeichnung der einzelnen Bestandteile eines Kennzeichnungssystems wert gelegt. Als Basis hierfür wurden die Quellen [1] und [2] sowie in der Praxis etablierte Quasi-Standards herangezogen. Des Weiteren sollte für die Umsetzung ein Datenbanksystem eingesetzt werden, welches mit verschiedenen Nutzerrechten bearbeitet werden kann und beliebig anpassbar ist, damit es auch für andere Anwendungsfälle beziehungsweise Anwender verwendet werden kann.

Methodik des Kennzeichnungssystems

Für die Einführung eines einheitlichen Kennzeichnungssystems wurden im Vorfeld intensive Gespräche mit den einzelnen Projektgruppen (Kältetechnik, Gebäudeautomation, Geothermie) durchgeführt, um die verschiedenen Anforderungen abzugleichen und daraus eine Konzeption zu entwickeln. Ein in der Praxis häufig auftretendes Problem ist etwa die eindeutige Benennung von Prozess- und Messgrößen, wenn diese Gewerke übergreifend definiert werden sollen. Während zum Beispiel in der Heizungstechnik in hydraulischen Kreisen üblicherweise die Temperaturen mit Vorlauf (VL) und Rücklauf (RL) benannt werden, bezeichnet man sie in der Kältetechnik häufig mit Eintritt (1) und Austritt (2).

Daher empfiehlt es sich, das Kennzeichnungssystem in verschiedene Abschnitte (Ort, Funktion, Zusatzangaben) einzuteilen. Dies ist insbesondere für flexible Anwendungen wie zum Beispiel bei Labor- und Forschungsprojekten am Institut für Gebäude- und Energiesysteme wichtig, weil hier oftmals für detailliertere messtechnische Untersuchungen mehrere Messpunkte an gleichen Messorten gesetzt werden, welche ohne Zusatzangaben zu doppelten Bezeichnungen führen würden. Dies kann zwar durch einen Stromlaufplan mit entsprechenden Betriebsmittelkennzeichen vermieden werden, aber es zeigt sich in der Praxis, dass es gerade bei vielen Datenpunkten sehr vorteilhaft sein kann, wenn sämtliche Informationen direkt aus dem Kennzeichnungssystem mit ausgelesen werden können, ohne parallel den Stromlaufplan öffnen zu müssen.

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Diese zusätzlich eingeführte Kennzeichnung kann auch auf das im aktuellen Entwurf erschienene Blatt 4.1 der neuen Richtlinienreihe VDI 3814 gut abgeglichen werden. Der Entwurf im Blatt 4.1. der VDI 3814 unterscheidet hierbei folgende Bestandteile:

  • Anlagenkennzeichnungssystem (AKS) zur eindeutigen Kennzeichnung der Anlagen
  • Betriebsmittelkennzeichnungssystem (BKS) zur eindeutigen Kennzeichnung von Betriebsmitteln
  • Benutzeradressierungssystem (BAS) zur eindeutigen Bezeichnung von GA-Funktionen

Das Bild zeigt hierbei das Kennzeichnungssystem mit Bezug zu den Begriffen aus Blatt 4.1 der Richtlinie VDI 3814.

Bild: Kennzeichnungssystem (KS) am Institut für Gebäude- und Energiesysteme (IGE) der Hochschule Biberach.

Bild: Kennzeichnungssystem (KS) am Institut für Gebäude- und Energiesysteme (IGE) der Hochschule Biberach.

Die nachfolgende Tabelle erläutert ergänzend die einzelnen Felder des Kennzeichnungssystems.

 

Detailliertere Erläuterung des Kennzeichnungssystems (KS)
Allgemeingültiger Teil, der als Grundlage für alle Projektgruppen gilt
Bezeichnung Feld Erläuterung
1 Zentrale-Gebäude Zentrale-Raum In welchem Gebäude und in welchem Raum befindet sich die der Komponenten (z. B. Sensor) zugeordnete Automationsstation (AS)
2 = Genormtes Trennzeichen
3 Anlagennummer Um eine möglichst eindeutige und selbsterklärende Nummer zu generieren, werden die ersten drei Stellen aus der DIN 276 übernommen. Mit den restlichen Stellen wird ein durchlaufender Index der Anlage zugewiesen.
4 + Genormtes Trennzeichen
5 Einbauort-Gebäude Einbauort-Raum In welchem Gebäude und in welchem Raum befinden sich die Komponenten (z. B. Sensor, Aktor)
6 Genormtes Trennzeichen
7 BMK Betriebsmittelkennzeichen, bestehend jeweils aus einem Feld für die Seite im Stromlaufplan, das Kennzeichen selbst (z. B. R für einen Temperatursensor), und der laufenden Nummer des Betriebsmittels auf der jeweiligen Seite
8 / Genormtes Trennzeichen
9 Funktion Funktion des Datenpunktes auf Basis genormter bzw. in der Praxis etablierter Bezeichnungen (z. B. MW – Messwert)
10 Genormtes Trennzeichen
11 Datenpunkt Genormtes Kürzel für die Datenpunktidentifizierung (z. B. T – Temperatur)
Zusatzfelder für die Projektgruppen – spezifische Bezeichnungen
12 Zusatzfeld 1 Gerät bzw. Komponente, für welches der Datenpunkt eingesetzt wird (z. B. HK – Heizkreis)
Zusatzfeld 2 Position des Datenpunktes (z. B. VL – Vorlauf)
Zusatzfeld 3 Unterscheidung eines weiteren Datenpunktes am gleichen Messort, falls ein Datenpunkt bzw. eine Messung doppelt ausgeführt wird (z. B. g1 – gleichartige Komponente 1)
Zusatzfeld 4 Kommunikationssystem (z. B. BAC – BACnet)
Zusatzfeld 5 Sonderfunktion (z. B. DpU – Datenpunkt- überwachung aktiv)

Erläuterung des Kennzeichungssystems (KS).

Umsetzung des Kennzeichnungssystems

Aufgrund der relativ großen Anzahl an Bearbeitern und Nutzern des Kennzeichnungssystems am Institut musste ein datenbankbasiertes Tool gefunden werden, welches universell einsetzbar und flexibel anpassbar sein sollte. Zudem zählte die Möglichkeit verschiedener Nutzer mit spezifischen Rechten anlegen zu können zu den Anforderungen. Um Fehleingaben zu vermeiden, sollte darüber hinaus eine intuitiv bedienbare Eingabemaske für die Erstellung der Datenpunkte vorhanden sein.

Basierend auf diesen und weiteren Anforderungen fiel nach eingehenden Recherchen die Wahl auf die Software-Umgebung Microsoft Sharepoint. Neben der Installation eines MS Sharepoint Servers auf der eigenen Hardware bietet sich grundsätzlich die Nutzung auf der Microsoft Cloud (Sharepoint online) an. Dadurch ist es möglich auch mit Benutzern, die in einem anderen Planungsbüro tätig sind, gemeinsam am KS zu arbeiten. Die Umsetzung an der Hochschule Biberach wurde im Jahr 2015 mit einem Sharepoint Server 2010 durchgeführt. Als Grundlage für die Umsetzung wurden die benötigten Informationen in verschiedenen Listen, die flexibel bei ergänzenden Anforderungen erweitert werden können, angelegt.

Listenübersicht des Kennzeichnungssystems (KS). Bild: Hochschule Biberach

Listenübersicht des Kennzeichnungssystems (KS). Bild: Hochschule Biberach

Somit ist dieses Vorgehen für die Praxis sehr flexibel und für jede Art von Kennzeichnungssystem einsetzbar. Die Abbildung veranschaulicht die Listen, mit jeweils einem Beispieleintrag, die in dem KS am IGE der Hochschule Biberach verwendet werden. Wie deutlich zu sehen ist, erhält jeder Eintrag eine eindeutige ID innerhalb der Liste. Bei den Zusatzfeldern findet eine Zuordnung zu dem jeweiligen Gewerk (zum Beispiel Kältetechnik) statt.

Sämtliche Eingaben, die durch einen Benutzer vorgenommen werden, erfolgen über eine Eingabemaske, die in dem sogenannten Sharepoint Designer frei erstellt werden kann. Die Listeneinträge sind dann über ein Pull-Down Menü auswählbar, damit der Benutzer keine falschen Eingaben durchführen kann.

Folgendes Bild zeigt einen Ausschnitt der Eingabemaske in der Microsoft Sharepoint Umgebung.

Ausschnitt aus Eingabemaske des KS in Software-Umgebung MS Sharepoint. Bild: Hochschule Biberach

Ausschnitt aus Eingabemaske des KS in Software-Umgebung MS Sharepoint. Bild: Hochschule Biberach

Es sind unterschiedliche Eingabemethoden durch den Sharepoint Designer möglich. Sie reichen von freien Texteingaben (zum Beispiel BMK-Seite), über Pull-Down Menüs bis hin zu Check-Boxen. Wenn man zum Beispiel kein Betriebsmittelkennzeichen aus einem Stromlaufplan zur Verfügung hat, ist es auch möglich, diese Check-Box zu deaktivieren. In diesem Fall wird der Datenpunkt durch die ID aus der Datenpunktliste eindeutig gekennzeichnet. Damit klar ist, dass hier die Angabe mit dem BMK fehlt, wurde zusätzlich die ID mit „na“ erweitert.

Obwohl das Betriebsmittelkennzeichen (BMK) auf der einen Seite im Kennzeichnungssystem (KS) sehr hilfreich bei der Fehlersuche ist, birgt dieses natürlich auch die Gefahr, dass bei einer unvorsichtigen Veränderung des dazugehörigen Stromlaufplanes sich alle Betriebsmittelkennzeichen verschieben. Dies würde z. B. beim nachträglichen Einfügen einer Seite geschehen. Dadurch würden alle nachfolgenden Betriebsmittel nicht mehr mit den bereits erstellten KS übereinstimmen. Entweder muss deshalb festgelegt werden, dass Ergänzungen nur am Ende angehängt werden dürfen, oder es muss mit der Datenbank-ID anstatt des BMK gearbeitet werden. Ein Beispiel hierfür zeigt die Tabelle.

 

Variante BMK bzw. ID Kennzeichnung
Beispiel AKS mit BMK D1.43 = 434024 + D1.43-10R1/MW-T
Beispiel AKS ohne BMK, dafür mit ID G0.06 = 480016 + G0.00-na-69/MW-T

Beispiel für BMK bzw. ID-Kennzeichnung.

Während in der ersten Zeile der BMK mit „10R1“ hervorgehoben ist, befindet sich an derselben Stelle in der zweiten Zeile die ID des Datenpunktes in der Datenbank („na“ steht für den Hinweis, dass hier das BMK fehlt).

Die Selektion bestimmter Inhalte bedingt eine automatische Filterfunktion für nachfolgende Felder. Beispielsweise sind dann nur noch Räume auswählbar, die in einem bestimmten Gebäude vorhanden beziehungsweise zuvor angelegt worden sind. Genauso verhält es sich bei den Zusatzfeldern. Sobald bei dem Bereich „Gebäudeautomation“ ausgewählt wird, sind auch nur noch Informationen aus diesem Bereich in den Zusatzfeldern auswählbar.

Nachdem mit dieser Eingabemaske ein Datenpunkt angelegt wurde, werden sogenannte Workflows bei MS Sharepoint 2010 aktiv, die zuvor einmalig in dem Sharepoint Designer „programmiert“ worden sind. Hierbei handelt es sich um einfache „Wenn-Dann“-Bedingungen, die sehr einfach zu administrieren sind.

Workflow Beispiel aus dem Sharepoint Designer. Bild: Hochschule Biberach

Workflow Beispiel aus dem Sharepoint Designer. Bild: Hochschule Biberach

Dadurch ist auf der Basis der Eingaben eine beliebige Reihenfolge des Kennzeichnungssystems möglich, was insbesondere für die Kopplung mit unterschiedlichsten Softwareprogrammen (z. B. CAFM-Tool, EM-Software) sehr wertvoll sein kann.

Durch dieses Vorgehen entsteht eine Datenbank mit hervorragenden Filtereigenschaften, weil grundsätzlich jeder Listeneintrag einzeln selektiert werden kann und somit die Gesamtliste der Datenpunkte mit wenigen Mausklicks stark eingeschränkt werden kann. Ein Beispielfilter könnte sich aus der Anlagennummer (z. B. 442018), der Funktion (z. B. MW – Messwert) und dem Datenpunkt (z. B. T – Temperatur) zusammensetzen.

Ein weiterer Vorteil der MS Sharepoint Umgebung ist die Kommunikation mit den MS Office Programmen. So ist es beispielsweise möglich, die komplette Datenpunktliste einfach nach Excel zu exportieren. Dies wird an der Hochschule Biberach unter anderem für die Bereitstellung von ausgewählten Datenpunkten für studentische Arbeiten genutzt. Dadurch müssen keine zusätzlichen Nutzer auf dem Sharepoint Server verwaltet werden und die Studenten können mit diesem exportierten Stand ihre projektspezifischen Themen bearbeiten, ohne dass das Original auf dem Server beeinflusst wird. Für die projektspezifische Arbeit ist natürlich die konsistente Datenhaltung auf dem Server sehr wichtig, weil dadurch stets gewährleistet ist, dass jeder denselben Stand hat und mit aktuellen Daten arbeitet.

Diese Eigenschaft wird noch zusätzlich durch die Versionsverwaltung von MS Sharepoint unterstützt. Dadurch ist jederzeit eindeutig nachvollziehbar, wer, wann, wo welchen Datenpunkt angelegt beziehungsweise verändert hat.

Standardisiertes Kennzeichnungssystem als Grundlage einer zeitgemäßen Automatisierungslösung

Gleich in mehreren Projekten konnte die Praxisrelevanz des entwickelten Kennzeichnungssystems an der Hochschule Biberach getestet werden:

  • Erfassung von mehreren Feldanlagen (Kälteanlagen, Erneuerbare Energieanlagen, …) in einem Energiemanagement-Tool
  • Automatisierung verschiedener HLK-Anlagen durch eine Automationsstation (AS) in hochschuleigenen Gebäuden über den Kommunikationsstandard BACnet
  • Visualisierung unterschiedlicher Anlagensysteme über ein Gebäudeautomationsmanagement (GAM)

Bei allen Projekten ist der Einsatz des KS enorm hilfreich, weil diese Systeme eine eindeutige und gleichzeitig flexible Datenpunktstruktur verlangen.

Für die differenzierte Unterscheidung der Datenpunkte wird in jeder Anlage das Benutzeradressierungssystem (BAS) mit den Zusatzfeldern zu Grunde gelegt. Nicht benötige Zusatzfelder werden von dem entsprechenden Workflow mit Unterstrichen gekennzeichnet, da manche Softwaretools auf feste Längen des BAS angewiesen sind. Die folgende Tabelle erläutert die unterschiedlichen Darstellungsarten des BAS, die derzeit noch zwischen den einzelnen Softwaretools unterschiedlich sein können.

 

Implementierung des Kennzeichnungssystems in verschiedenen Systemen
System Implementierung Resultat (Beispiel)
Original BAS der HBC Erstellung des Originals mit dem Microsoft Sharepoint. Als Beispiel wird der Messwert der Vorlauf-temperatur des Heizregisters von einem Lüftungs- gerät gewählt. G0.01 = 431014 + G0.01–11B1/MW-TRegVL___
Erfassung der Feldanlagen durch ein Energiemanagement-Tool Hierbei stellt das Hauptproblem die fehlende Möglichkeit der Übernahme von Sonderzeichen in dieses Tool dar. Zusätzlich war es erforderlich für die interne Projektstruktur jeden Datenpunkt mit einer Projektbezeichnung zu versehen. Dadurch musste der BAS völlig neu angeordnet werden.

Glücklicherweise bietet das Sharepoint System und die listenbasierte Erstellung diese Möglichkeit. Durch einen zusätzlichen Workflow werden nun automatisch bei jedem Datenpunkt die einzelnen Listeneinträge neu zusammengesetzt und in einer neuen Spalte angelegt.

Technikum_G_431014_001_MW_T_RegVL___
Automatisierung verschiedener HLK- Anlagen der HBC mit einer BACnetfähigen AS In dem Projektierungsassistenten für die BACnet Implementierung musste ähnlich wie bei dem Energiemanagement-Tool eine Projektstruktur mit Projekt usw. angelegt werden. Der erste Teil mit Projekt, Anlagennummer, Raum und Gebäude muss von Hand angelegt werden. Eine vollständige Kopie aus dem Sharepoint ist nicht möglich. Der für die genaue Identifizierung notwendige Teil des BAS (ab dem BMK) konnte dann aber mit dem BACnet Objekt Name von Sharepoint übernommen werden.

Da aber durch diese Eingabe eine Ordnerstruktur angelegt wird, müssen das Projekt, die Gebäude und die Räume nur einmal angelegt werden.

Händische Eingabe:

Technikum_G_001 = 431014 + G001

 

Kopie aus Sharepoint:

11B1/MW-TRegVL__

 

Gesamt:

Technikum_G_001 = 431014 + G0 01–11B1/MW-TRegVL__

Visualisierung der Systeme in einem Gebäude-automationsmanagement (GAM) Da die BACnet Objekte für die Erstellung der Visualisierung aus den Steuerungen ausgelesen werden können, erhält man die Bezeichnungen (Object Names) der Datenpunkte mit einem Knopfdruck (Scan bzw. Who-Is).

Das Hauptproblem hierbei war die Länge des BAS. Bei dem verwendeten Gebäudeautomationsmanagement kann zwar der BAS völlig frei definiert werden, allerdings nur mit exakter Länge. Dies bedeutet, dass jeder Eintrag (Anlagennummer, Gebäude, Raum usw.) immer dieselbe Länge haben muss. (z.B. 4 Zeichen). Fehlende Zeichen müssen mit einem Unterstrich ersetzt werden. Aktuell muss diese Ersetzung manuell vorgenommen werden, weil dies mit akzeptablem Aufwand mit Sharepoint nicht möglich war.

G0.01_= 431014 + G0.01_-11B1___/MW_- T_Reg_VL__________

Erläuterung zur Implementierung in verschiedenen Systemen. Bild: Hochschule Biberach

Ein großes Problem sind beispielsweise sehr oft die Sonderzeichen, die durch Unterstriche ersetzt werden müssen.

Fazit und Ausblick

Es ist darauf zu achten, dass die Erzeugung und die Pflege des Kennzeichnungssystems standardisiert, flexibel erweiterbar, möglichst intuitiv und übersichtlich gestaltet ist.

Durch die in diesem Beitrag vorgestellte Methodik und konkrete Implementierung ist es möglich, jeden Datenpunkt eindeutig zu kennzeichnen und in den unterschiedlichsten Softwaretools (Energiemanagement, Gebäudeautomationsmanagement) einfach zu integrieren. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit ist es möglich, aus dieser eindeutigen Bezeichnung alle benötigten Informationen eines jeden Datenpunktes auszulesen. Für weitere Informationen kann zudem durch die Filterfunktion von Microsoft Sharepoint sehr schnell auf weiterführende Informationen zugegriffen werden. Die umgesetzte Sharepoint Umgebung hat sich für die bisherigen Anwendungen in den Projekten am Institut für Gebäude- und Energiesysteme der Hochschule Biberach in diesem Kontext als äußert passend und flexibel erwiesen.

Entwicklungsbedarf besteht noch in der automatisierten Umsetzung für verschiedene Softwaretools, da manche Tools grundsätzlich eine feste Länge des AKS vorgeben, keine Sonderzeichen erlauben oder keine Groß- und Kleinschreibung unterscheiden können. Beispielsweise kann nicht zwischen „p“ für Druck und „P“ für Leistung unterschieden werden. Aus diesem Grund musste in einem solchen Fall ein Unterstrich zur Unterscheidung von Groß- und Kleinschreibung genutzt werden.

Die neue Richtlinie VDI 3814 bietet mit dem aktuellen Entwurf von Blatt 4.1. eine gute Grundlage für ein standardisiertes Kennzeichnungssystem. Bei der Spiegelung dieser Richtlinie auf das am Institut für Gebäude- und Energiesysteme der Hochschule Biberach bereits vorher entwickelte Konzept für ein Kennzeichnungssystem empfehlen die Autoren, in der Richtlinie noch klarere Vorgaben für eine möglichst eindeutige Umsetzung in Softwaretools zu machen. Beispielsweise im Hinblick auf die Groß- und Kleinschreibung und die Verwendung von Sonderzeichen.

 

 

Literatur:

[1] DIN 6779–12: Kennzeichnungssystematik für technische Produkte und technische Produktdokumentation, Teil 12: Bauwerke und technische Gebäudeausrüstung, Beuth-Verlag, Juli 2013

[2] VDI 3814, Blatt 4.1. Entwurf: Gebäudeautomation (GA) – Methoden und Arbeitsmittel für Planung, Ausführung und Übergabe – Kennzeichnung, Adressierung und Listen, Dezember 2017

Von Porf. Dr.-Ing. Martin Becker und Dipl.-Ing. (FH) Peter Knoll

Prof. Dr.-Ing. Martin Becker, Professor an der Hochschule Biberach (HBC), Institut für Gebäude- und Energiesysteme (IGE), Vorsitzender des Fachausschusses Elektrotechnik/Gebäudeautomation beim VDI-GBG, stellvertretender Vorsitzender von Blatt 1 sowie Vorsitzender von Blatt 5 der VDI 3814.Dipl.-Ing. (FH) Peter Knoll, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Laboringenieur im Bereich Gebäudeautomation am Institut für Gebäude- und Energiesysteme (IGE) der Hochschule Biberach (HBC).

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