Abrechnung mit Smart Metering 23.03.2021, 09:23 Uhr

Verbrauchserfassung aus der Ferne

Die digitale Transformation eröffnet neue Möglichkeiten bei der Verbrauchserfassung, von denen Messdienste, Immobilienverwalter und Mieter gleichermaßen profitieren. Zudem bewirkt die Corona-Pandemie ein Umdenken: Wie viel Kontakt ist tatsächlich notwendig? Und wie kann unnötiger Kontakt vermieden werden? Als regulatorische Treiber wirken das Messstellenbetriebsgesetz und die EU-Energieeffizienz-Richtlinie.

Bild 1: Für eine cloudbasierte Verbrauchsdatenerfassung von Wasser und Wärme wurden in diesem Berliner Mehrfamilienhaus 69 Ultraschall-Wärmezähler, 166 Unterputz-Wasserzähler, acht Netzwerkknoten und ein Gateway verbaut. Foto: Otto Wulff Projektentwicklung

Bild 1: Für eine cloudbasierte Verbrauchsdatenerfassung von Wasser und Wärme wurden in diesem Berliner Mehrfamilienhaus 69 Ultraschall-Wärmezähler, 166 Unterputz-Wasserzähler, acht Netzwerkknoten und ein Gateway verbaut.

Foto: Otto Wulff Projektentwicklung

Mit dem Messstellenbetriebsgesetz, kurz MsbG, wurde 2016 Smart Metering für Strom und Gas geregelt. Die im Paragraf 6 des MsbG beschriebenen Bündelangebote für weitere Sparten wie Wasser und Wärme ab 2021 bieten die Möglichkeit, das Submetering mit dem Smart Metering zu verbinden. Am 31. Januar 2020 erfolgte durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Markterklärung, was den flächendeckenden Rollout von Smart Meter Gateways zur Folge hat. Zusätzlich enthält die EU-Energieeffizienz-Richtlinie (EED) neue Anforderungen für die „Fernablesung“ und „Verbrauchsinformationen“. Sie fordert bereits ab dem 25.10.2020 den Einsatz von fernauslesbaren Messgeräten bei Neuausstattungen – bis zum 31.12.2026 müssen auch Bestandsanlagen umgerüstet werden (Art. 9c). Ziel ist es, die Mieter durch zeitnahe Information ihrer Verbräuche beim Energiesparen zu unterstützen. Heute erhalten sie ihre Heizkostenabrechnung für die zurückliegende Heizperiode erst Monate nach Ende der Heizsaison. So haben Mieter aktuell keine Möglichkeit, ihr Heizverhalten anzupassen, den Verbrauch zu reduzieren und damit auch die Umwelt zu schonen. Energieeffizienz gilt aber als eine der tragenden Säulen der Energiewende. Dabei fällt der Verbrauch im Wärmebereich mit einem Anteil von mehr als 50 % am meisten ins Gewicht und bietet somit das größte Potenzial, Energie effizienter zu nutzen.

Funk-Zähler und Gateway: Verbrauchswerte in Echtzeit

Zwei Projekte aus der Praxis zeigen, wie die Verbrauchserfassung aus der Ferne mittels Smart Metering und AMR-Technik funktioniert. Der Messdienst Hecon nutzt für die Abrechnung eines Berliner Mehrfamilienhauses (Bild 1) die cloudbasierte Verbrauchsdatenerfassung von Wasser und Wärme. Gesteuert wird die Ablesung und Wartung online über eine Smart Metering-Plattform. Die Systemlösung, bestehend aus Funk-Zählern, Netzwerktechnik und Software, stellt vollautomatisch alle gewünschten Zählerdaten bereit – in verschiedenen Dateiformaten und zu den vom Messdienst gewählten Zeitpunkten. Die Ablesung von Verbräuchen ist somit ortsunabhängig möglich. Im Objekt hat der Messdienst 69 Ultraschall-Wärmezähler, 166 Unterputz-Wasserzähler, acht Netzwerkknoten und ein Gateway verbaut. Die Knoten erfassen die Verbrauchswerte der Messgeräte und verteilen sie innerhalb des Netzwerks. Die Fernauslesung, also die Datenübermittlung an den Messdienst, wird vom Gateway übernommen. Für die Installation haben wenige Monteure nur zwei Tage gebraucht: Der Rohbau stand zwar schon, aber weil alle Geräte mit Batterie betrieben werden, mussten keine Stromkabel nachträglich verlegt werden. Auch alle möglichen Funkstörquellen konnten durch die flexible Installation umgangen werden. Hecon erhält nun zweimal monatlich die Werte aller Messgeräte per E-Mail. Ein Ausrücken zum Objekt, wie etwa bei einem walk-by-System, ist nicht nötig. Dadurch spart sich der Messdienst den Aufwand für die jährliche Hauptablesung und eventuelle Zwischenablesungen – diese finden vom Büro aus statt. Die automatisierte Datenübertragung ermöglicht außerdem ein ständiges Monitoring der Messgeräte, womit beispielsweise Störungen oder Defekte sofort erkannt werden. Zudem erhält der Messdienst nicht nur die Stichtagswerte der Verbräuche, sondern auch alle zurückliegenden Werte.

Digitale Selbstabrechnung für Wohnungsgenossenschaften

Neben Messdiensten interessieren sich auch immer mehr große Wohnungsunternehmen für die Erfassung und Abrechnung von Verbräuchen. Mit der sogenannten „Selbstabrechnung“ möchten die Firmen ihren Mietern einen weiteren Service bieten, dessen Umsetzung und Qualität sie in der eigenen Hand haben. Die Mülheimer Wohnungsbau eG (MWB) befindet sich deshalb im Umstellungsprozess. Seit Februar 2017 rüstet das Unternehmen seinen kompletten Bestand (mehr als 5.000 Wohnungen in Mülheim an der Ruhr, Düsseldorf und Wuppertal, Bild 2) mit neuer Zählerfernauslesetechnik aus, implementierte eine professionelle Abrechnungs- und Managementsoftware und steigt somit in die Selbstabrechnung ein.

Bild 2: Einstieg in die Selbstabrechnung: Die Mülheimer Wohnungsbau eG stattet seit 2017 ihren kompletten Wohnungsbestand (rund 5.000 Einheiten) mit neuer Zählerfernauslesetechnik aus.

Foto: MWB Mühlheim

Dabei geht es um einen Digitalisierungsprozess, an dessen Ende die allumfassende Visualisierung von Verbräuchen sowie die energiesparende Steuerung der Energieerzeugung stehen. Das Ziel der MWB ist es, den Mietern eine größtmögliche Transparenz über die eigenen Energieverbräuche zu verschaffen, um Energieeinsparen zu können. Zudem soll der Abrechnungsprozess verschlankt und die Durchführung von Montagearbeiten beschleunigt werden. Insgesamt installierte die MWB mehrere zehntausend Funk-Messgeräte − darunter Heizkostenverteiler, Wärmezähler, Warm- und Kaltwasserzähler − sowie die zur Fernauslesung notwendigen Systemkomponenten wie Netzwerkknoten und Gateways. Sind die übermittelten Daten im MWB-Rechenzentrum angekommen, werden die gemessenen Verbräuche mit Hilfe einer Abrechnungssoftware automatisch zugeordnet und verarbeitet. Für alle Mieter lässt sich dann per Mausklick eine individuelle Abrechnung erstellen. Zusätzlich können Montagearbeiten zielgenau und ohne vorherige Besichtigung der Messstelle geplant werden, da auch der Gerätezustand übertragen wird. Somit hat die MWB jederzeit einen aktuellen Überblick über den Status aller Geräte ihrer Liegenschaften. Das spart Zeit, minimiert Prozesskosten und führt zu kürzeren Reaktionszeiten.

Bei all den neuen Möglichkeiten haben Datensicherheit und -schutz höchste Priorität. So werden bei Qundis alle Datenströme von AMR-Netzwerken und Smart Metering Plattformen verschlüsselt. Die Server unserer Cloud für die Systemlösung befinden sich in Frankfurt am Main und werden vom renommierten IT-Dienstleister IBM bereitgestellt. Es werden somit also höchste, deutsche Datensicherheitsanforderungen erfüllt. Die Verbrauchsdaten werden anonymisiert erhoben und versendet – ohne direkten Personenbezug – was für den nötigen Datenschutz sorgt. Die Verknüpfung von Verbrauchs- und Personendaten wird erst bei der Abrechnung vorgenommen.

Win-Win-Situation für alle Beteiligten

Smart Metering mit AMR-Technik vereinfacht die Arbeit von Hausverwaltungen enorm. Durch das ständige Monitoring beim Messdienst erkennt dieser Störungen sofort – bevor es der Verwalter oder Mieter merkt. Ebenfalls entfällt der Aufwand für die Organisation von jährlichen Ableseterminen durch die Gebäudeverwaltung und die Abrechnung erfolgt mit Hilfe der Technik noch schneller. Weil auch die zurückliegenden Verbrauchswerte gespeichert werden, sind keine Verbrauchsschätzungen mehr nötig – was bei der klassischen Ablesung vorkommt, wenn zum Beispiel ein Mieter zum Ablesetermin nicht anwesend war. Und die Erfahrung zeigt: Ablesetermine sind von Mietern nicht gerne gesehen. Manch einer empfindet sie als einen Einschnitt in die Privatsphäre, ein anderer muss einen Urlaubstag dafür opfern. Für Hausbewohner sollte die Verbrauchserfassung möglichst unsichtbar geschehen. AMR-Technik erreicht dieses Ziel. Ein weiterer Punkt: Bei Umzug entstehen keine zusätzlichen Kosten für die Mieter, weil die Zwischenablesung nicht mehr nötig ist. Insgesamt profitieren also alle: Hausverwalter, Mieter und Messdienste.

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