Serie: Das MGU stell sich vor 11.05.2022, 09:00 Uhr

50 Jahre MGU – gestern, heute, morgen

Das Messsystem Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (MGU) stellt Mess und Betriebsdaten zu Exposition gegenüber Gefahrstoffen zur Verfügung. In einer neuen Serie werden verschiedene Funktionen und Akteure des MGU vorgestellt.

Analytisches Labor im IFA heute. Foto: IFA/S. Seifen

Analytisches Labor im IFA heute.

Foto: IFA/S. Seifen

Was macht das MGU?

Im Messsystem Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (MGU) werden Mess- und Betriebsdaten zu Expositionen gegenüber Gefahrstoffen, Biostoffen, Lärm, belastendem Raumklima sowie die Brenn- und Explosionskenngrößen von Stäuben ermittelt, dokumentiert und ausgewertet (Bild 1).

Bild 1 Aufgabengebiete des MGU. Grafik: Autoren

Das MGU hat zum Ziel, Gefährdungen am Arbeitsplatz möglichst umfassend beurteilen zu können. Es ermöglicht den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen die Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Aufgaben als Unfallversicherungsträger (UV-Träger) bei der Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren.

Jährlich werden in den Bereichen Gefahrstoffe und Biostoffe über 2 500 betriebliche Messungen vorgenommen – mit über 20 000 Gefahr- bzw. Biostoffproben, aus denen über 100 000 Messwerte ermittelt werden. Lärmmessungen erfolgen jährlich in über 1 000 Betrieben, mit über 10 000 Messwerten für den Arbeitsschutz als Ergebnis.

Wer sind die Akteure?

In diesem Jahr feiert das MGU sein 50. Jubiläum. Es wird in arbeitsteiliger Kooperation zwischen dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), den Messtechnischen Diensten (MTD) und den analytischen Prüflaboren der UV-Träger betrieben. Als weiterer Kooperationspartner gehört die Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) seit vielen Jahren zum MGU. Es wird in den verschiedenen Institutionen getragen durch die MTD sowie durch die Labore und weitere Bereiche des IFA, z. B. die Messgerätepools Gefahrstoffe und Lärm, die Gruppe Service, Organisation und Koordination im MGU (SOK) und das Sachgebiet Messdaten zur Exposition gegenüber Gefahrstoffen am Arbeitsplatz (MEGA). Unterstützt werden diese Bereiche durch die Entwicklung von Software und Probenahmesystemen sowie durch den Betrieb der Prüfgasstrecke und die Durchführung von Ringversuchen.

Blick zurück und nach vorn

Im Jahr 1972 wurde zwischen dem Staubforschungsinstitut (STF, heute IFA) des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG, heute DGUV) und einigen Berufsgenossenschaften eine Zusammenarbeit vereinbart: Nach dem Konzept „Dezentrale Probenahme und zentrale Analyse von Stäuben an Arbeitsplätzen“ gab es das Ziel, die Staubbelastung und damit die Exposition der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu ermitteln. Diese vor 50 Jahren getroffene Vereinbarung bildet die Grundlage für das heutige MGU.

Das arbeitsteilige Messsystem der gesetzlichen Unfallversicherung hat sich seit 1972 kontinuierlich weiterentwickelt. Dies betrifft nicht nur die Ergänzung von weiteren Bereichen (Bild 2), sondern auch die fachliche und wissenschaftliche Weiterentwicklung der ersten MGU-Bereiche Gefahrstoffe und Biostoffe.

Bild 2 Historie des MGU. Grafik: Autoren

Die Messtechnik bietet mittlerweile eine große Auswahl an personengetragenen Messsystemen oder auch direktanzeigenden Messgeräten an, bei denen die Messergebnisse direkt vor Ort im Betrieb vorliegen. Die Gefahrstoffanalytik hat sich in die Breite, hin zu mehr Stoffen und Stoffgruppen, aber auch in die Tiefe, hin zur Bestimmung immer niedrigerer Stoffkonzentrationen, entwickelt. Auch die messbegleitende Datenermittlung hat sich von einer Datenerfassung über Formulare hin zu einer umfassenden, systematischen und digitalen Software entwickelt – verbunden mit dem Ziel, alle Faktoren zu ermitteln und zu dokumentieren, die einen möglichen Einfluss auf die Messwerte haben. So wie die GESTIS-Datenbanken mittlerweile weltweit eine Marke der UV-Träger und der DGUV sind, sind die OMEGA-Softwareprodukte eine feste Größe im MGU. Demzufolge weist die Expositionsdatenbank MEGA (Gefahrstoffe, Biostoffe) mittlerweile über 3,6 Millionen Datensätze und die Expositionsdatenbank Messdaten zur Exposition gegenüber Lärm am Arbeitsplatz (MELA) über eine Million Datensätze auf. Beide Datenbanken werden kontinuierlich für die Prävention und Berufskrankheitenermittlung ausgewertet. Hunderte zusammen mit den UV-Trägern und weiteren Partnern erstellte Publikationen belegen dies eindrucksvoll, darunter umfassende Reports wie der „Staub-Report“ (Arbeitsbedingte Exposition gegenüber der einatembaren und der alveolengängigen Staubfraktion, IFA Report 6/2020). Expositionsdaten bilden die valide Basis für Prävention und die Berufskrankheitenermittlung der UV-Träger. Unterstützt wird das Messsystem seit rund 25 Jahren durch ein Qualitätsmanagementsystem, das die Qualität durch eine Vielzahl an Maßnahmen sicherstellt. Mittlerweile gehören dem MGU alle neun Berufsgenossenschaften und 15 Unfallkassen der öffentlichen Hand an. Rund 450 Funktionsträger aus den Reihen der UV-Träger und des IFA sind im MGU beschäftigt. Alle Bereiche des MGU stellen sich in den nächsten Ausgaben der „Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft“ vor, um den Leserinnen und Lesern ein komplettes Bild des MGU zu zeichnen: ein Messsystem, für das vor 50 Jahren die Basis gelegt wurde.

Wir freuen uns auf die Fortsetzung der Arbeit im MGU mit all unseren nationalen und internationalen Partnern, um die Arbeitsbedingungen zu optimieren und die Gesundheit der Beschäftigten in allen Branchen und Arbeitsbereichen zu schützen.1)

1) Der Dank der Autoren gilt allen, die in den letzten Jahrzehnten das MGU in unterschiedlichsten Funktionen unterstützt und es „gelebt“ haben, wie die Präventionsleitungen der UV-Träger, die Leitungen und Mitarbeitenden in den MTD und Prüflaboren bei den UV-Trägern und im IFA sowie die Leitungen und Mitarbeitenden in den weiteren Abteilungen und Bereichen des IFA. Ein Dank geht auch an die Aufsichtspersonen der UV-Träger, die Messanforderungen im Rahmen der Prävention gestellt haben, um die Einhaltung von Grenzwerten zu prüfen und zu beurteilen, ob Schutzmaßnahmen ausreichend sind oder nicht.

Stefan Gabriel,
Gerd Schneider
Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), Sankt Augustin.

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