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Problematischer Baugrund 02.04.2026, 10:30 Uhr

Schwere Schäden, leichte Lösung: Blähton im Straßenbau

Die Landesstraße 281 bei Pasenow wurde grundhaft erneuert. Ein leichter Unterbau aus Blähtonschüttung reduziert den Auflastdruck um 85 Prozent und verhindert künftig Setzungen.

Schüttung aus Blähton als Straßenunterbau

Die rund 90 Zentimeter starke Geoschüttung bildet den leichten, tragfähigen Unterbau der Landesstraße 281 bei Pasenow und reduziert den Auflastdruck nachhaltig.

Foto: RASK Brandenburg GmbH

Im Zuge einer grundhaften Erneuerung erhielt die Landesstraße 281 bei Pasenow einen rund 200 m langen und knapp 1 m starken Aufbau aus einer Liapor-Blähtonschüttung. Der leichte und zugleich stabile Unterbau reduziert den Auflastdruck des Straßenkörpers um rund 85 % – und sorgt dafür, dass hier künftig keine senkungsbedingten Instandsetzungsarbeiten mehr erforderlich sind. Ein Projekt, das beispielhaft zeigt, wie innovative Baustoffe dauerhafte Lösungen für bekannte Infrastrukturprobleme liefern können.

Gesäumt von altem Baumbestand, führt die Landesstraße 281 zwischen Woldegk und Oertzenhof idyllisch durch Felder, Wiesen und Wälder der Mecklenburgischen Seenplatte. Doch der schöne Streckenverlauf konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der bauliche Zustand der Straße über Jahre hinweg deutlich verschlechtert hatte. Unebenheiten im Längs- und Querprofil, fortschreitende Rissbildungen und großflächige Absenkungen machten klar: Die Straße hatte das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht.

Vor diesem Hintergrund entschloss sich das Straßenbauamt Neustrelitz als Bauherr und Planer, den rund 6,5 km langen Abschnitt im Herbst 2025 grundlegend zu erneuern. Während sich der überwiegende Teil der Strecke durch den Austausch der Asphalttrag- und -deckschichten instand setzen ließ, stellte ein etwa 200 m langes Teilstück auf Höhe der Abzweigung Pasenow eine besondere Herausforderung dar. Hier quert die Straße eine natürliche Mulde – und genau hier sank der Straßenkörper seit Jahrzehnten kontinuierlich ab.

Das Problem: Über die Jahre wurde immer wieder neu asphaltiert, ohne die Ursache der Setzungen zu beseitigen. So wuchs die Asphaltstärke stellenweise auf bis zu 40 cm an – mit der paradoxen Folge, dass das zusätzliche Gewicht die Absenkungen weiter beschleunigte. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, fiel die Entscheidung zugunsten einer grundhaften Erneuerung inklusive vollständigem Austausch des Unterbaus.

Im Fokus: dauerhafte Stabilität statt kurzfristiger Reparaturen

Im August 2025 begannen die Arbeiten mit dem Rückbau der alten Fahrbahndecke. Anschließend wurde der 200 m lange und 6,50 m breite Abschnitt bis in eine Tiefe von 1,20 m ausgehoben. Dabei kamen nicht nur alte, vielfach gerissene Asphaltschichten zum Vorschein, sondern auch Granitsteine und Großpflaster früherer Straßenunterbauten sowie große Mengen Lehm und Ton. Insgesamt wurden mehr als 3 000 t Material ausgebaut.

Für den neuen Untergrund setzte das Straßenbauamt Neustrelitz bewusst auf eine ungebundene Geoschüttung aus Liapor-Blähton. „Das Hauptziel waren eine signifikante Reduktion des Auflastdrucks durch das geringe Gewicht der Blähtonschüttung und die Schaffung eines dauerhaft stabilen und tragfähigen Unterbaus“, erklärt Olaf Kühnert, Bauleiter der ausführenden RASK Brandenburg GmbH in Hoppegarten.

Lagenweise eingebaut – präzise und effizient

Im September 2025 erfolgte die Verfüllung mit insgesamt 800 m3 Liapor CS 3 8/16 mm aus dem Liapor-Werk im tschechischen Vintířov. Angeliefert in Chargen von rund 80 m3 per Schubboden-Lkw, wurde das Material zunächst zwischengelagert und anschließend mithilfe eines Baggers lagenweise eingebaut. Die Gesamtmächtigkeit der Blähtonschüttung betrug 90 cm, aufgeteilt in zwei Lagen à 45 cm.

Beide Schichten wurden jeweils in ein Geotextil eingeschlagen, um zusätzliche Stabilität zu gewährleisten und das Einschwemmen von Feinanteilen zu verhindern. Darauf folgte eine 20 bis 30 cm starke Natursteinschotterschicht, die verbleibende kleinräumige Setzungen ausglich und den Unterbau weiter verstärkte. Den Abschluss bildeten zwei jeweils 10 cm starke Tragschichten sowie eine 4 cm dicke Asphaltdeckschicht.

1 700 Tonnen weniger Gewicht – und ein klarer Mehrwert

Ende September 2025 waren die Arbeiten abgeschlossen, die Straße wurde wieder für den Verkehr freigegeben. „Die Maßnahme war verhältnismäßig aufwendig, hat aber gut funktioniert“, so das Fazit von Kühnert. „Mit ihrer geringen Schüttdichte von etwa 325 kg/m3 ist die Liapor-Blähtonschüttung deutlich leichter als der alte Untergrund mit einer geschätzten Dichte von mindestens 2 200 kg/m3. Rein rechnerisch entlastet die Blähtonschüttung damit den Auflastdruck durch den Straßenkörper um über 1 700 t und damit um rund 85 %. Damit sorgt sie dafür, dass hier künftig keine senkungsbedingten Instandsetzungsarbeiten mehr durchgeführt werden müssen.“

Das Projekt an der Landesstraße 281 zeigt, welches Potenzial leichte mineralische Baustoffe im Straßenbau bieten – insbesondere dort, wo schwierige Baugrundverhältnisse langfristig beherrscht werden müssen. Ein Beispiel für nachhaltige Infrastrukturplanung mit Weitblick.

(Liapor/Heike van Ooyen)

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