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Plastische Fassadenarchitektur 23.03.2026, 10:00 Uhr

So wird aus Klinker eine Fassade mit echtem Profil

Sonderformat-Klinker für den Schulbau: langlebige, wartungsarme Fassade mit optimierter Bauphysik, präziser Fertigung und sicherer Verbundtechnik.

Reliefierte Klinkerfassade im Schulbau

Reliefierte Klinkerfassade im fünfeckigen Sonderformat: präzise gefertigt, robust ausgeführt und auf hohe bauphysikalische Anforderungen im Schulbau ausgelegt.

Foto: Alexander Bernhard

Der Erweiterungsbau der Georg-Kerschensteiner-Berufsschule Regensburg stellt hohe Anforderungen an Konstruktion, Materialwahl und Ausführungsqualität. Im täglichen Schulbetrieb müssen Fassaden nicht nur gestalterisch überzeugen, sondern vor allem robust, langlebig und wartungsarm sein. Genau hier setzt das Fassadenkonzept des Neubaus an, der von bez+kock architekten geplant und in enger Zusammenarbeit mit GIMA realisiert wurde.

Im Süden von Regensburg ergänzt der Neubau das bestehende Schulensemble aus den 1980er-Jahren. Aus technischer Sicht lag der Fokus darauf, die bestehende Klinkerbauweise konstruktiv weiterzuführen und gleichzeitig an heutige bauphysikalische und nachhaltige Standards anzupassen. Die Fassade übernimmt dabei nicht nur eine gestalterische, sondern auch eine funktionale Rolle als dauerhafte, widerstandsfähige Gebäudehülle.

Sonderformat-Klinker als konstruktives Element

Kern des Fassadenkonzepts ist ein eigens entwickeltes fünfeckiges Klinker-Sonderformat, dessen Geometrie an eine sogenannte Bischofsmütze angelehnt ist. Die Formsteine wurden in zwei Abmessungen (300 × 90 × 71 mm sowie 300 × 125 × 71 mm) ausgeführt und lagenweise gegeneinander versetzt vermauert. Für den Bauingenieur besonders relevant ist dabei die präzise Abstimmung von Steinformat, Verband und Fugensystem. Durch die definierte Schichtung entsteht ein reliefartiges Fassadenbild, ohne die konstruktive Klarheit des Mauerwerks zu beeinträchtigen.

Die Profilierung der Steine führt zu einer vergrößerten Oberfläche, was erhöhte Anforderungen an Wasseraufnahme, Frost-Tau-Beständigkeit und Maßhaltigkeit stellt. Der eingesetzte Klinker erfüllt diese Anforderungen durch eine sehr niedrige Wasseraufnahme sowie eine hohe Scherbenrohdichte. Damit ist sichergestellt, dass die Fassade auch bei starker Bewitterung und intensiver Nutzung dauerhaft funktionsfähig bleibt.

Fertigung und Qualitätssicherung

Eine technische Besonderheit ist die Herstellung der rund zwölf unterschiedlichen Formsteinvarianten. Diese wurden jeweils in einem Stück gefertigt und nicht nachträglich geschnitten oder verklebt. Für die Praxis bedeutet das eine deutlich höhere Dauerhaftigkeit, da potenzielle Schwachstellen an Klebe- oder Schnittkanten entfallen. Speziell entwickelte Werkzeuge ermöglichten eine gleichbleibend hohe Maßgenauigkeit – ein entscheidender Faktor für den sauberen Verband und die gleichmäßige Lastabtragung im Mauerwerk.

Das Brennverfahren wurde gezielt angepasst, um sowohl die geforderte Farbigkeit als auch die technischen Kennwerte zu erreichen. Die nuancierte, erdig-beige bis leicht orange Farbgebung wurde auf den Bestand abgestimmt, ohne Kompromisse bei Festigkeit oder Dauerhaftigkeit einzugehen.

Bauphysik und Nachhaltigkeit

Aus bauingenieurtechnischer Sicht erfüllt die Klinkerfassade hohe bauphysikalische Standards. Die geringe Wasseraufnahme reduziert das Risiko von Frostschäden, während die hohe Rohdichte zur mechanischen Widerstandsfähigkeit beiträgt. Ergänzend wurde Recyclingmaterial aus der Natursteinverarbeitung integriert, ohne die technischen Eigenschaften negativ zu beeinflussen. Damit leistet die Fassade einen Beitrag zu ressourcenschonendem Bauen bei gleichbleibender Leistungsfähigkeit.

Betonfertigteile und Verbundtechnik

Ergänzt wird das Mauerwerk durch Betonfertigteile, unter anderem großformatige Fensterfaschen mit Längen von bis zu sechs Metern. Diese wurden als Sichtbetonbauteile mit abgesäuerter Oberfläche ausgeführt. Technisch anspruchsvoll sind die Fertigteile mit Klinkervorsatz, beispielsweise an Sturzuntersichten. Um eine durchgängige Optik zu gewährleisten, wurden die Klinker bereits im Werk im passenden Verband vorgefertigt.

Für den dauerhaften Verbund zwischen Klinker und Beton kommt ein mechanisches Schwalbenschwanzprofil auf der Rückseite der Klinkerschalen zum Einsatz. Diese bewährte Verzahnung sorgt für eine sichere Lastübertragung und verhindert Ablösungen auch bei Temperaturwechseln und langfristiger Beanspruchung.

Fazit aus ingenieurtechnischer Sicht

Der Erweiterungsbau der Berufsschule zeigt, wie individuell entwickelte Klinkerformate, industrielle Vorfertigung und klassische Mauerwerkskonstruktion technisch präzise kombiniert werden können. Die Fassade überzeugt nicht nur durch ihre plastische Wirkung, sondern vor allem durch Robustheit, Dauerhaftigkeit und geringe Wartungsanforderungen – zentrale Kriterien für den Bildungsbau aus bauingenieurtechnischer Perspektive. (GIMA / Heike van Ooyen)

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