
Ein Tiefdruckgebiet kann sich innerhalb eines Tages erheblich verstärken. Meteorologen sprechen dann unter bestimmten Voraussetzungen von einem Bombenzyklon. Aktuelle Prognosen bringen den Begriff wieder in die Schlagzeilen. Für Deutschland erwartet der DWD in der zweiten Wochenhälfte stürmisches Wetter.
Von 1000 auf 976 Hektopascal innerhalb eines Tages: Ein solcher Druckabfall im Zentrum eines Tiefs erfüllt bei 60° geografischer Breite die Schwelle zur explosiven Zyklogenese. Hinter dem sperrigen Fachwort steckt eine rasche Verstärkung, bei der sich gefährliche Sturmfelder entwickeln können. Bekannt ist der Vorgang auch als Bombogenese, das zugehörige Tief als Bombenzyklon.
Die Bezeichnung beschreibt, wie schnell der Kerndruck fällt. Welche Windgeschwindigkeit der Sturm erreicht und wo Schäden drohen, lässt sich daraus allein noch nicht ablesen.
Ein Bomben-Zyklon ist ein Wetterphänomen, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Doch was genau steckt hinter diesem Begriff? Meteorologisch gesehen handelt es sich bei einem Bomben-Zyklon um ein besonders schnell entstehendes und intensives Tiefdruckgebiet. Die Folgen solcher Stürme können enorm sein: Orkanböen, heftiger Regen und gravierende Schäden. Aber warum wird es „Bomben-Zyklon“ genannt, und wie entsteht dieses Phänomen?
Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wetterlage: Was Deutschland erwartet
Stand: 20. Oktober 2026, auf Grundlage der DWD-Wochenvorhersage von 05:00 Uhr.
Für den 22. und 23. Oktober deutet sich über dem Atlantik eine rasche Tiefdruckentwicklung an. Meteorologe Jan Schenk beschreibt bei Weather.com ein Szenario, in dem sich ein Tief zum Bombenzyklon verstärkt und in Richtung Britische Inseln und Nordsee zieht. Die genaue Zugbahn und Intensität sind noch unsicher.
Der Deutsche Wetterdienst erwartet für Deutschland eine unbeständige zweite Wochenhälfte. Bereits in der Nacht zum Donnerstag sind an der Nordsee stürmische Böen um 70 km/h möglich. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag sollen stürmische Böen vor allem den Westen und Norden erfassen, eventuell auch den Südwesten und die Mitte. Im Nordseeumfeld und auf Gipfeln sind Sturmböen zu erwarten; schwere Sturmböen hält der DWD für gering wahrscheinlich.
Für Sonntag und die Nacht zum Montag nennt der Wetterdienst in seiner Wochenvorhersage eine „extrem unsichere Wetterentwicklung“. An Küsten und auf Gipfeln sind dann auch schwere Sturm- bis Orkanböen nicht ausgeschlossen. Dieser spätere Ausblick lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres demselben Tief zuordnen.
Die Wochenvorhersage ist eine Frühwarninformation. Sie bestätigt weder einen flächendeckenden Orkan in Deutschland noch ausdrücklich die Einstufung des angekündigten Tiefs als Bombenzyklon.
Was genau ist ein Bombenzyklon?
Als Bombenzyklon wird ein außertropisches Tiefdruckgebiet bezeichnet, dessen Kerndruck ungewöhnlich schnell sinkt. Der Ausdruck benennt eine Phase rascher Verstärkung und keine eigene Sturmklasse.
Häufig wird als Schwelle ein Druckabfall von mindestens 24 Hektopascal, kurz hPa, innerhalb von 24 Stunden genannt. Die US-Wetter- und Meeresbehörde NOAA erläutert auf ihrer Informationsseite zur Bombogenese, dass dieser Wert für 60° geografische Breite gilt. In niedrigeren Breiten liegt die Schwelle niedriger: Bei 50° sind es rund 21 hPa in 24 Stunden.
Bewertet wird die Druckänderung im Zentrum des ziehenden Tiefs. Ein stark fallendes Barometer an einem einzelnen Ort genügt deshalb nicht, um eine Bombogenese nachzuweisen. Dort kann der Druck auch sinken, weil sich ein bereits kräftiges Tief nähert.
Wie kann sich ein Tief so schnell verstärken?
Starke Temperaturgegensätze zwischen benachbarten Luftmassen schaffen günstige Bedingungen für die Entwicklung außertropischer Tiefs. Über dem Nordatlantik treten solche Gegensätze besonders im Herbst und Winter auf.
Ob sich ein Tief rasch vertieft, hängt auch von der Strömung weit über dem Boden ab. Der Jetstream beeinflusst die Entwicklung und Zugbahn von Tiefdruckgebieten. Dieses Starkwindband kann in einer günstigen Position den Abtransport von Luft oberhalb eines Tiefs fördern.
Fließt dabei insgesamt mehr Luftmasse aus der Luftsäule ab, als nachströmt, nimmt ihre Masse ab. Damit sinkt auch der Druck am Boden. Der Jetstream verstärkt also nicht jedes Tief automatisch; seine Lage und die Verteilung der Strömung müssen die Entwicklung unterstützen.
Feuchte Luft kann den Prozess zusätzlich verstärken. Steigt sie auf und kondensiert der Wasserdampf zu Wolkentröpfchen, wird Wärme frei. Diese Wärmefreisetzung kann die Tiefdruckentwicklung beschleunigen.
Warum entstehen dabei schwere Stürme?
Für den Wind ist vor allem der Druckunterschied über eine bestimmte Entfernung wichtig. Ein großes Druckgefälle beschleunigt die Luft stärker als ein kleines. Auf Wetterkarten zeigen eng beieinanderliegende Isobaren solche Bereiche an. Isobaren verbinden Orte mit gleichem Luftdruck.
Ein besonders niedriger Kerndruck ist deshalb noch keine vollständige Aussage über die örtliche Sturmgefahr. Es kommt darauf an, wie sich der Druck um das Tief verteilt und wo dessen stärkstes Windfeld entlangzieht.
Eine rasche Vertiefung kann die Winde innerhalb weniger Stunden erheblich verstärken. Dann drohen umstürzende Bäume, Gebäudeschäden und Verkehrsunterbrechungen. Auf See kommen hohe Wellen hinzu. Kräftiger Regen kann die Lage zusätzlich verschärfen.
Ist ein Bombenzyklon dasselbe wie ein Hurrikan?
Ein Bombenzyklon gehört zu den Tiefdrucksystemen außerhalb der Tropen. Seine Entwicklung wird wesentlich durch Temperaturgegensätze zwischen Luftmassen geprägt.
Tropische Wirbelstürme wie Hurrikane, Taifune und Zyklone beziehen ihre Energie dagegen vor allem aus dem Austausch von Wärme und Feuchtigkeit mit einem warmen Meer. Beide Systeme können zerstörerische Winde erzeugen. Ihre Entstehung und ihr Aufbau unterscheiden sich jedoch.
Auch eine Orkanböe macht ein außertropisches Tief nicht zum Hurrikan. Für die örtliche Gefahr sind die vorhergesagten Böen, Niederschläge und möglichen Überflutungen aussagekräftiger als der spektakuläre Name des Wettersystems.
Die jeweils aktuelle Einschätzung für Deutschland veröffentlicht der DWD in seiner Wochenvorhersage zu Wettergefahren.
Quellen
- DWD: Wochenvorhersage Wettergefahren – verwendeter Stand: 20. Oktober 2026, 05:00 Uhr; wird laufend aktualisiert.
- NOAA: What is bombogenesis? – Definition und geografisch unterschiedliche Schwellenwerte.
- Met Office: Weather bombs – What causes explosive cyclogenesis? – Entstehung, Jetstream und Windentwicklung.
- Stohl et al.: Express highway associated with a bomb (PDF) – fachlicher Hintergrund zu Breitenkorrektur und Wärmefreisetzung.
- Weather.com: Sturm über Deutschland – Bombenzyklon zieht in die Nordsee – Prognoseszenario vom 19. Oktober 2026.






























