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Warum Reifendrucksensoren zu Spionen werden können

26. Februar 2026

TPMS-Reifendrucksensoren
Reifendrucksensoren senden mehr als gedacht. Eine Studie warnt vor verdeckter Fahrzeugüberwachung per Funk. Foto: Smarterpix / stevanovicigor
Studie zeigt: TPMS-Reifendrucksensoren senden unverschlüsselte IDs. Mit günstiger Technik lassen sich Fahrzeuge unbemerkt verfolgen.
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Moderne Fahrzeuge funken ständig. Viele dieser Signale dienen der Sicherheit. Eines davon stammt aus einem unscheinbaren Bauteil im Rad: dem Reifendruckkontrollsystem, kurz TPMS. Es soll Sie warnen, wenn der Luftdruck sinkt. Doch genau dieses System kann offenbar zur Überwachung missbraucht werden.

Ein Forschungsteam des IMDEA Networks Institute in Madrid hat gemeinsam mit europäischen Partnern untersucht, welche Daten TPMS-Sensoren tatsächlich preisgeben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Funksignale der Reifensensoren enthalten eine feste, eindeutige Kennung – unverschlüsselt und für jeden mit einem einfachen Empfänger auslesbar.

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Inhaltsverzeichnis

Was Ihr Reifen ständig sendet

TPMS ist seit Ende der 2000er-Jahre in vielen Ländern vorgeschrieben, auch in der EU. Die Sensoren sitzen in jedem Rad. Sie messen den Luftdruck und senden regelmäßig Funkpakete an das Fahrzeug. Sinkt der Druck, erscheint eine Warnung im Cockpit.

Technisch arbeiten viele dieser Systeme im lizenzfreien Frequenzbereich um 433 MHz oder 315 MHz. Die Übertragung ist einfach gehalten. Genau hier liegt das Problem. Die Forschenden stellten fest, dass die Sensoren eine konstante ID mitsenden. Diese Kennung ändert sich nicht. Sie dient eigentlich dazu, die vier Räder eines Fahrzeugs eindeutig zuzuordnen.

Im Alltag bedeutet das: Jeder, der das Funksignal empfängt, kann ein Fahrzeug wiedererkennen, ohne Kennzeichen zu erfassen.

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Günstige Technik, große Wirkung

Um das Risiko realistisch einzuschätzen, bauten die Forschenden ein eigenes Empfangsnetz auf. Sie installierten kostengünstige Funkempfänger in der Nähe von Straßen und Parkplätzen. Pro Empfänger fielen rund 100 US-Dollar an. High-End-Technik war nicht nötig.

Über zehn Wochen sammelte das Team mehr als sechs Millionen TPMS-Meldungen von über 20.000 Fahrzeugen.

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„Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Reifensensorsignale verwendet werden können, um Fahrzeuge zu verfolgen und ihre Bewegungsmuster zu erfassen“, sagt Domenico Giustiniano, Forschungsprofessor am IMDEA Networks Institute. „Das bedeutet, dass ein Netzwerk aus kostengünstigen Funkempfängern die Bewegungsmuster von Autos in realen Umgebungen unbemerkt überwachen könnte. Solche Informationen könnten Aufschluss über tägliche Routinen geben, wie beispielsweise die Ankunftszeiten am Arbeitsplatz oder die Reisegewohnheiten.“

Die Technik unterscheidet sich grundlegend von kamerabasierter Überwachung. Kameras benötigen Sichtkontakt. TPMS-Signale hingegen durchdringen Wände und Fahrzeuge. Die Studie zeigte, dass sich Signale selbst aus über 50 Metern Entfernung erfassen lassen – auch wenn die Sensoren in Gebäuden oder versteckt installiert sind.

Vier Reifen, eine Identität

Ein weiteres Detail verschärft die Lage. Jedes Fahrzeug besitzt vier Sensoren. Die Forschenden entwickelten Methoden, um diese vier IDs einem Auto zuzuordnen. Das erhöht die Trefferquote deutlich. Selbst wenn ein Sensor ausfällt oder getauscht wird, bleiben drei weitere Kennungen zur Identifikation.

Zudem enthalten die Daten Druckwerte. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf Fahrzeugtyp oder Beladung ziehen. Ein Transporter mit schwerer Last sendet andere Druckwerte als ein leerer Kleinwagen. In Kombination mit Zeitstempeln entstehen Bewegungsprofile.

Damit wird aus einem Sicherheitsfeature ein potenzielles Tracking-Instrument.

Regulierung hinkt hinterher

Die UNECE-Regelungen zur Fahrzeugsicherheit und auch aktuelle EU-Vorgaben zur Cybersecurity konzentrieren sich vor allem auf vernetzte Steuergeräte, Software-Updates und Telematiksysteme. TPMS fällt oft durch das Raster. Die Sensoren gelten als einfache, sicherheitsrelevante Bauteile – nicht als Kommunikationsschnittstelle mit Datenschutzrisiko.

„Da Fahrzeuge zunehmend vernetzt sind, sollten auch sicherheitsorientierte Sensoren wie TPMS unter Berücksichtigung der Sicherheit konzipiert werden, da Daten, die passiv und harmlos erscheinen, zu einem leistungsstarken Identifikationsmerkmal werden können, wenn sie in großem Umfang gesammelt werden“, betont Alessio Scalingi, ehemaliger Doktorand bei IMDEA Networks und jetzt Assistenzprofessor an der UC3M in Madrid.

Auch Yago Lizarribar warnt vor falscher Sicherheit: „TPMS wurde für die Sicherheit entwickelt, nicht für die Absicherung. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hersteller und Regulierungsbehörden den Schutz in zukünftigen Fahrzeugsensorsystemen verbessern müssen.“

Hier geht es zur Originalpublikation



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