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Ingenieurinnen in Deutschland: 7 Milliarden Euro Wachstumspotenzial bleiben ungenutzt

16. April 2026

Ingenieurin bei der Arbeit
Ingenieurinnen in Deutschland: Trotz steigender Zahlen bleibt ihr Anteil in technischen Berufen niedrig – dabei steckt darin ein Milliardenpotenzial für Wirtschaft und Innovation. Foto: Smarterpix/Gorodenkoff
Deutschland lässt Milliarden liegen: Ingenieurinnen fehlen in Schlüsselbranchen – dabei könnten sie Fachkräftemangel lindern und Wachstum sichern.
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Deutschland steht vor einem wachsenden Fachkräftemangel in den Ingenieur- und IT-Berufen – und lässt dabei ein erhebliches Potenzial ungenutzt: Frauen. Kurz vor der Hannover Messe haben der VDI und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aktuelle Zahlen vorgelegt, die zeigen, wie groß die wirtschaftliche Bedeutung von Ingenieurinnen für den Standort Deutschland ist.

Inhaltsverzeichnis

Die Ergebnisse machen deutlich: Trotz steigender Beschäftigung und wachsender Absolventinnenzahlen bleiben Frauen in technischen Berufen weiterhin deutlich unterrepräsentiert – insbesondere in industriellen Schlüsselbranchen. Gleichzeitig könnten bereits bis 2035 Zehntausende zusätzliche Fachkräfte und Milliarden Euro an Wertschöpfung entstehen, wenn dieses Potenzial konsequenter genutzt würde.

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Milliarden zusätzliche Wertschöpfung möglich

Laut Gutachten könnten bis 2035 bis zu 56.100 zusätzliche weibliche Fachkräfte gewonnen werden. Dadurch wäre eine jährliche Wertschöpfung von rund 7 Mrd. €. Das würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) spürbar steigern.

Das Potenzial ist sogar noch größer: Wenn auch Frauen mit Ingenieurstudium berücksichtigt werden, die in anderen Bereichen wie Bildung, Forschung oder dem öffentlichen Dienst arbeiten, könnte der wirtschaftliche Effekt deutlich höher ausfallen.

Frauenanteil weiterhin niedrig

Der Anteil von Frauen in Ingenieurberufen liegt aktuell bei nur 20,6 %. Das entspricht etwa 217.400 Ingenieurinnen bei insgesamt rund 1,05 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Bereich.

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„Die Hannover Messe zeigt, welche Technologien unsere Zukunft prägen werden. Doch klar ist auch: Die größte Herausforderung der Transformation ist nicht die Technik, sondern ihre Umsetzung“, sagt Adrian Willig, Direktor des VDI. „Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands entscheidet sich nicht an unseren Potenzialen, sondern daran, ob wir sie konsequent heben. Dazu gehört auch, dass wir das Potenzial von Ingenieurinnen endlich stärker nutzen. Mehr Ingenieurinnen sind nicht nur ein Gleichstellungsthema, sondern ein 7-Mrd.-€-Wachstumsprogramm für Deutschland. Es geht nicht um Ersatz, sondern um die konsequente Nutzung vorhandener Talente“, so Willig weiter.

Die VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ macht deutlich: Wer die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern will, muss das Potenzial von Frauen in technischen Berufen gezielt stärken.

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Ingenieurinnen fehlen in zentralen Industrien

Aktuelle Daten zeigen, dass viele Ingenieurinnen nicht in klassischen Industriebranchen arbeiten oder außerhalb ihres eigentlichen Berufsfelds tätig sind. Stattdessen entscheiden sie sich häufiger für wissensintensive Bereiche wie Forschung, Lehre oder Bildung.

Typische Tätigkeitsfelder sind unter anderem:

  • Mint-Lehrkräfte
  • Prüferinnen
  • Unternehmensberaterinnen
  • Vertriebsexpertinnen für technische Produkte

Gerade bei Zukunftsthemen wie Klimaschutz ist das Interesse junger Frauen besonders hoch.

Geringe Frauenquote in Schlüsselbranchen

In wichtigen Industriezweigen sind Ingenieurinnen jedoch deutlich unterrepräsentiert. Besonders auffällig ist dies im Maschinenbau und in der Elektroindustrie:

  • Maschinenbau: 9,0 % Frauenanteil
  • Elektroindustrie: 9,5 % Frauenanteil

Vorhandene Potenziale besser nutzen

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl junger Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen bereits gestiegen. Dennoch bleibt noch viel ungenutztes Potenzial.

„Wenn wir das Potenzial von Frauen stärker nutzen, reden wir über ein Wachstumsprogramm in Milliardenhöhe für den Standort Deutschland“, sagt Prof. Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Er betont zudem, dass allein durch einen höheren Frauenanteil in Ingenieur- und IT-Berufen bis 2035 rund 56.000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden könnten. Entscheidend sei dabei, bestehende Potenziale gezielter zu nutzen und gleichzeitig neue Qualifikationen aufzubauen.

Netzwerke und Sichtbarkeit stärken Ingenieurinnen

„Ingenieurinnen sind in vielen wichtigen Bereichen aktiv. Netzwerke, Sichtbarkeit und Role Models sind entscheidend, um mehr Frauen für technische Berufe zu gewinnen und sie langfristig in diesen Feldern zu halten“, sagt Prof. Burghilde Wieneke-Toutaoui, Co-Vorsitzende des Netzwerks Frauen im Ingenieurberuf.

Um genau hier anzusetzen, engagiert sich der VDI mit verschiedenen Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem das Netzwerk „Frauen im Ingenieurberuf“, spezielle Mentoring-Programme sowie die Initiative „Zukunft Deutschland 2050“.

Ziel dieser Aktivitäten ist es, Ingenieurinnen sichtbarer zu machen und bestehende Potenziale gezielt und systematisch besser zu nutzen.

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Erwerbstätigkeit von Ingenieurinnen im Überblick

Die Arbeitsmarktsituation von Ingenieurinnen lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten: Einerseits über Frauen mit einem Studienabschluss in Ingenieurwissenschaften oder Informatik, andererseits über die konkrete Beschäftigung im Ingenieurberuf. Dabei basieren die Analysen entweder auf dem Mikrozensus und Selbsteinschätzungen oder auf Sozialversicherungsdaten der Beschäftigtenstatistik.

Deutlicher Zuwachs bei jungen Ingenieurinnen

Seit 2015 ist die Zahl erwerbstätiger Ingenieurinnen deutlich gestiegen, insbesondere bei den unter 35-Jährigen. Ihre Zahl wuchs von rund 120.000 im Jahr 2015 auf etwa 163.600 im Jahr 2022. Auch in den anderen Altersgruppen sind Zuwächse zu verzeichnen, wenn auch weniger stark.

Parallel dazu ist der Frauenanteil gestiegen. Bei den unter 35-Jährigen erhöhte er sich von 20,9 % auf 24,1 %, sodass inzwischen fast jede vierte Person in dieser Altersgruppe weiblich ist. In den Gruppen der 35- bis 50-Jährigen sowie der über 50-Jährigen fiel der Anstieg geringer aus.

Mehr Frauen in Ingenieurstudiengängen

Diese Entwicklung hängt eng mit steigenden Absolventinnenzahlen zusammen. Während der Frauenanteil in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen zwischen 2005 und 2015 bei rund 22 % stagnierte, ist er in den letzten Jahren gestiegen und lag 2024 bei 26,0 %.

Weiterbildung wird zum Schlüsselfaktor

Der Bedarf an Weiterbildung nimmt deutlich zu. Rund 64 % der Ingenieurinnen und Ingenieure erwarten in den kommenden Jahren einen hohen Re-skilling-Bedarf. Haupttreiber sind vor allem technologische Veränderungen und wachsender Wettbewerbsdruck.

Besonders gefragt sind Kompetenzen in folgenden Bereichen:

  • Künstliche Intelligenz
  • Data Analytics/Big Data
  • Cybersicherheit
  • Nachhaltige Energietechnologien

Da sich Wissen in diesen Feldern schnell verändert, gewinnt kontinuierliche Weiterbildung an Bedeutung. Gleichzeitig erschwert Zeitmangel häufig die Teilnahme, weshalb flexible und leicht zugängliche Angebote notwendig sind.

Unterschiedliche Verteilung nach Branchen

Die Beschäftigung von Ingenieurinnen unterscheidet sich stark zwischen den Branchen. Während ihre Zahl in klassischen Industriezweigen wie Maschinenbau und Elektroindustrie vergleichsweise niedrig ist, arbeiten deutlich mehr Frauen in der wissenschaftlichen Forschung. Insgesamt ist die Zahl der Ingenieurinnen jedoch in allen Branchen seit 2015 gestiegen.

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Große Unterschiede beim Frauenanteil

Ein differenzierter Blick zeigt, dass der Frauenanteil je nach Branche stark variiert:

  • Schule und Hochschule: 28,1 %
  • Wissenschaftliche Forschung: 26,8 %
  • Maschinenbau: 9,0 %

Gerade in industriellen Schlüsselbranchen bleibt der Frauenanteil damit besonders gering.

Zusammenhang mit Strukturwandel

Auch die Zukunftsfähigkeit der Branchen spielt eine Rolle. Bereiche wie Energie, IT und Kommunikation gelten als besonders zukunftsstark, während etwa Fahrzeugbau, Metall- und Chemieindustrie stärker unter Anpassungsdruck stehen. Auffällig ist, dass der Frauenanteil gerade in diesen stärker geforderten Branchen tendenziell niedriger ist.

Frauenanteile in einzelnen Ingenieur- und IT-Berufen

Die Frauenanteile unterscheiden sich je nach Ingenieur- und Informatikberuf teils deutlich. Auch die Entwicklung über die Jahre verläuft in den einzelnen Berufsfeldern unterschiedlich.

Im Jahr 2025 weisen vor allem zwei Bereiche besonders hohe Frauenanteile auf:

  • Ingenieurberufe in der Rohstofferzeugung und -gewinnung: 44,6 %
  • Ingenieurberufe in der Kunststoffherstellung und chemischen Industrie: 40,4 %

Deutlich niedriger sind die Anteile dagegen in anderen technischen Kernbereichen. In der Metallverarbeitung liegt der Frauenanteil bei 12,0 %, in der Energie- und Elektrotechnik bei 12,1 %.

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Entwicklung der Frauenanteile

In den meisten Berufsfeldern ist der Frauenanteil in den vergangenen Jahren gestiegen. Eine Ausnahme bildet die Kunststoff- und Chemiebranche, in der der Anteil zwischen 2012 und 2025 um 5,6 Prozentpunkte zurückgegangen ist.

Besonders stark gewachsen ist der Frauenanteil in der Rohstofferzeugung und -gewinnung mit einem Plus von 10,6 Prozentpunkten. Auch in der Energie- und Elektrotechnik ist ein deutlicher Anstieg zu erkennen: Ausgehend von 7,6 % im Jahr 2012 stieg der Anteil um 4,5 Prozentpunkte.

Hohe Gehälter, niedrige Frauenanteile

Die höchsten durchschnittlichen Bruttomonatsgehälter werden in folgenden Bereichen erzielt:

  • Technische Forschung und Produktionssteuerung (6746 €)
  • Maschinenbau und Fahrzeugtechnik (6741 €)
  • Energie- und Elektrotechnik (6523 €)

Auffällig ist, dass zwei dieser besonders gut bezahlten Berufsfelder gleichzeitig zu den Bereichen mit den niedrigsten Frauenanteilen gehören.

Handlungsempfehlungen der VDI-/IW-Studie

Um das vorhandene Potenzial besser zu nutzen, nennt die Studie konkrete Maßnahmen. Im Fokus stehen vor allem bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie flexible Arbeitsmodelle.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind gezielte Weiterbildungs- und Re-skilling-Angebote – insbesondere für industrielle Schlüsselbranchen. So sollen mehr Frauen den Einstieg oder Wiedereinstieg in technische Berufe finden.

Darüber hinaus empfiehlt die Studie, mehr Frauen für Führungspositionen zu gewinnen und ihre Sichtbarkeit durch Netzwerke und Role Models zu erhöhen.

Prof. Burghilde Wieneke-Toutaoui betonte, dass es nicht darum gehe, Mädchen mutiger zu machen, sondern vielmehr darum, die bestehenden Strukturen zu verändern.

Ziel: Mehr Wirkung für Innovation und Wirtschaft

Langfristig geht es darum, vorhandene Qualifikationen gezielter dort einzusetzen, wo sie den größten Beitrag zu Innovation und Wertschöpfung leisten können.

Dass „wir bereits auf einem positiven Weg sind“, zeigt die Studie. „Der Anteil der Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen wächst, die Entwicklung gewinnt an Tempo; doch der Weg zu echter Parität ist noch weit.“ Die Handlungsempfehlungen dieser Studie sind deshalb kein „Nice-to-have“, sondern eine „konkrete Agenda für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“, resümiert Willig. „Die größte Herausforderung der Transformation ist nicht die Technik, sondern ihre Umsetzung.“

Der Ingenieurberuf steht in Deutschland für Prestige und technologische Zukunftsfähigkeit – doch solange ein Großteil des weiblichen Potenzials ungenutzt bleibt, bleibt auch die Zukunftsfrage der Industrie nur zur Hälfte beantwortet.

Hier geht es zur Studie

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