Anzeige

Wasserstoffversprödung: 3D-Bildgebung zeigt Stahlversagen

09. September 2025

Schematische Darstellung der Wasserstoffversprödung
Schematische Darstellung der Wasserstoffversprödung: Wasserstoffatome dringen in das Metallgitter ein, schwächen die Bindungen und führen zu Rissen im Stahl. Foto: David Yang, Felix Hofmann (bubbles graphic sourced from Free PNG Logos, John D.)
Wasserstoff kann Stahl zerstören. Erstmals zeigt eine 3D-Bildgebung, wie Versprödung entsteht – entscheidend für sichere Energiesysteme.
Anzeige
Anzeige


Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger für die Energiewende. Er soll Schiffe antreiben, Flugzeuge in die Luft bringen und Lkw über lange Strecken versorgen. Doch der leichte Energieträger hat eine dunkle Seite: Er macht Metalle spröde. Ingenieurinnen und Ingenieure kennen dieses Problem seit Jahrzehnten. Hochdrucktanks oder Pipelines können plötzlich Risse bekommen, ohne dass äußerlich etwas zu erkennen ist.

Warum das passiert, war bisher nur teilweise verstanden. Wasserstoff ist so klein, dass er sich im Metall versteckt. Er huscht durch winzige Lücken im Kristallgitter und verändert das Verhalten des Materials. Nun zeigt eine neue Untersuchung, wie tiefgreifend dieser Effekt ist – sichtbar gemacht mit modernster Röntgentechnik.

Anzeige
Anzeige

Blick ins Innere von Edelstahl

Ein Team um Dr. David Yang vom Brookhaven National Laboratory setzte eine spezielle Bildgebungsmethode ein. Sie erlaubt es, winzige Defekte im Inneren von Edelstahlkörnern in 3D darzustellen. Defekte, die Fachleute „Versetzungen“ nennen, sind kleine Unregelmäßigkeiten im atomaren Gefüge. Normalerweise halten sie das Metall stabil. Doch sobald Wasserstoff ins Spiel kommt, verändert sich ihr Verhalten.

„Wasserstoff hat ein großes Potenzial als sauberer Energieträger, ist aber dafür bekannt, dass er Materialien, mit denen er in Kontakt kommt, spröder macht. Zum ersten Mal haben wir direkt beobachtet, wie Wasserstoff das Verhalten von Defekten in Edelstahl tief im Inneren des Metalls unter realistischen Bedingungen verändert“, erklärt Yang.

Für das Experiment bündelten die Forschenden extrem helle Röntgenstrahlen und richteten sie auf ein einziges Edelstahlkorn. Dieses war nur etwa 700 Nanometer groß – ein Bruchteil der Breite eines Haares. Mit einer Methode namens Bragg Coherent Diffraction Imaging machten sie sichtbar, wie sich das Kristallgitter über Stunden veränderte.

Anzeige
Anzeige

Drei überraschende Effekte

Über zwölf Stunden hinweg beobachteten die Forschenden, wie das kleine Stück Stahl auf Wasserstoff reagierte. Dabei traten drei bemerkenswerte Veränderungen auf:

  • Die Defekte wurden mobil. Ohne zusätzliche Belastung begannen sie, sich zu bewegen. Wasserstoff wirkt offenbar wie ein Schmiermittel im atomaren Gefüge.
  • Die Defekte kletterten. Normalerweise bewegen sich Versetzungen nur in einer Ebene. Doch hier stiegen sie nach oben – ein Vorgang, den man „Klettern“ nennt. Möglich wurde das durch die Anwesenheit von Wasserstoff.
  • Die Spannungsfelder schrumpften. Rund um jede Versetzung liegt ein Bereich, in dem Atome verschoben werden. Wasserstoff verringerte diese Spannungen deutlich.

Die Forschenden sprechen hier von einem „Wasserstoff-Elastizitätsschild“. Er nimmt Druck vom Metall, verändert aber zugleich dessen Eigenschaften so, dass es unerwartet versagen kann.

Anzeige
Anzeige

Kurz erklärt: Wasserstoffversprödung

Was ist das?

Wasserstoffversprödung beschreibt den Verlust an Zähigkeit von Metallen, wenn Wasserstoff in das Kristallgitter eindringt. Das Material reißt leichter – oft ohne Vorwarnung.

Warum passiert das?

Wasserstoff sammelt sich an Kristallfehlern („Versetzungen“) und verändert dort die Spannungen. Defekte werden mobiler, können sogar „klettern“ und das Gefüge umlagern. Die Härte sinkt, Risse entstehen.

Wo tritt das auf?

Bei Komponenten, die mit Wasserstoff in Kontakt kommen – etwa Hochdrucktanks, Pipelines, Ventile, Armaturen, Bauteile in Luft- und Schifffahrt sowie in Fusionsanlagen.

Neue 3D-Bildgebung – was ist neu?

Mit kohärenter Röntgenbeugung (Bragg Coherent Diffraction Imaging) lassen sich innere Spannungen und Defektbewegungen im Metallkorn in 3D und in Echtzeit sichtbar machen – ohne die Probe zu zerstören.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Messungen liefern Daten für Modelle, mit denen Industrie und Forschung Legierungen robuster auslegen können. Ziel: Bauteile, die in H2-Umgebungen länger halten und sicherer arbeiten.

Begriffe kurz erklärt

Versetzung: linienförmiger Kristallfehler, der die Plastizität steuert.

Klettern: Bewegung einer Versetzung aus ihrer Gleit­ebene heraus.

Elastizitätsschild: Wasserstoff reduziert lokale Spannungsfelder um Defekte.

 

Warum das wichtig ist

„Dieses Wissen ist für die Entwicklung von Legierungen unerlässlich, die in extremen Umgebungen widerstandsfähiger sind, darunter zukünftige wasserstoffbetriebene Flugzeuge und Kernfusionsanlagen“, sagt Yang.

Auch Prof. Felix Hofmann von der Universität Oxford, Mitautor der Studie, betont die Bedeutung der Arbeit: „Mithilfe der kohärenten Röntgenbeugung, einer zerstörungsfreien Methode, konnten wir atomare Vorgänge in Echtzeit im Inneren von festem Metall beobachten, ohne die Probe aufzuschneiden. Einige der Ergebnisse haben uns wirklich überrascht, da sie ein Verhalten zeigten, das wir nicht erwartet hatten.“

Die Ergebnisse helfen nicht nur, die Mechanismen der Wasserstoffversprödung zu verstehen. Sie liefern auch Daten für Simulationen, mit denen Ingenieurinnen und Ingenieure künftig Materialien für die Wasserstoffwirtschaft entwickeln können.

Die Herausforderung der Zukunft

Pipelines, Tanks und Bauteile für Flugzeuge oder Schiffe müssen künftig enorme Mengen Wasserstoff sicher transportieren. Schon kleine Risse können dabei katastrophale Folgen haben. Mit den neuen Erkenntnissen lassen sich Legierungen vielleicht so gestalten, dass sie weniger anfällig sind.

Professor Hofmann blickt bereits nach vorn: „Diese Forschung ist nur möglich, weil an internationalen Synchrotronquellen extrem helle und kohärente Röntgenstrahlen zur Verfügung stehen. Wir planen nun noch ausgefeiltere Experimente, um zu untersuchen, wie Wasserstoff andere Arten von Defekten verändert. Gleichzeitig entwickeln wir Modelle, die der Industrie bei der Konstruktion komplexer Wasserstoff-Kraftstoffsysteme helfen sollen.“

Hier geht es zur Originalpublikation



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige