Fachkräfte im Sinkflug: Besonders Ingenieure trifft die Konjunktur
Der Hays Fachkräfte-Index zeigt einen massiven Einbruch der Nachfrage. Besonders Entwicklungsingenieure sind 2025 stark betroffen.
Der Abschwung auf dem Arbeitsmarkt auch für Ingenieure und Ingenieurinnen hat auch im vierten Quartal laut Studie des Personaldienstleisters Hays angehalten.
Foto: panthermedia.net/ garagestock
Die Nachfrage nach Fachkräften in Deutschland ist im vierten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal mit einem Rückgang von 47 Prozentpunkten deutlich eingebrochen. Auch im Vergleich zum Vorquartal setzt sich der Abwärtstrend fort: Die Zahl der Stellenausschreibungen sank nochmals um 12 Prozentpunkte auf nun 35 %. Das ergibt der Fachkräfteindex des Personaldienstleisters Hays für das vierte Quartel des vergangenen Jahres. Auch im Ingenieurarbeitsmarkt macht sich das bemerkbar. Vor allem Entwicklungsingenieure sind betroffen.
IT-Nachfrage sinkt vergleichsweise moderat
Die Jobgesuche nach IT-Fachkräften sind im vierten Quartal 2025 rückläufig (minus 13 Prozentpunkte auf 59 %), insgesamt zeigt sich diese Gruppe jedoch laut Hays robuster als die Berufsgruppen HR oder Engineering. Im vierten Quartal 2025 liegt die IT-Nachfrage bei den absoluten Zahlen rund 18 % unter dem Vorjahresquartal, womit dieser Rückgang geringer als der im Gesamtmarkt ausfällt.
Strukturell gesehen bleibt IT aufgrund von Digitalisierung, KI-Einführung und Automatisierung auch im Jahr 2025 einer der nachfragestärksten Fachkräftebereiche. Trotz des Nachfragerückgangs haben beispielsweise IT-Entwickler (−7 PP) oder IT-Architekten (−20 PP) nach wie vor eine hohe Relevanz in Unternehmen.
Breiter Nachfragerückgang: Engineering unter konjunkturellem Druck
Besonders sensibel auf die anhaltende konjunkturelle Abkühlung reagiert die Nachfrage nach Ingenieurberufen. Lediglich in der Baubranche gab es keine Sorgen. „Relativ stabil zeigen sich Bau-/Planungsingenieure (Infrastruktur, Sanierung, Energiewende), Elektro/Energie. OT-/IT-Security bleibt konjunkturresistent, getragen durch Regulatorik und Bedrohungslage“, sagt Hays-Bereichsleiter René Gruner.
Vor allem in der Entwicklung wird gespart – Hays befürchtet Innovationsdellen
Zwar verzeichnet der Index mit minus sechs Prozentpunkten im vierten Quartal einen vergleichsweise moderaten Rückgang, im Vergleich zum Vorjahresquartal fällt er allerdings um satte 28 % ab. Der Rückgang ist laut Hays vor allem auf die schwache Entwicklung in der Industrieproduktion, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Automobilwirtschaft zurückzuführen. Worauf auch die Einzelwerte in den am stärksten veränderten Positionen hindeuten.
Elektronikingenieure werden weniger (−6 PP) ausgeschrieben, Entwicklungsingenieure Mechatronik (−7 PP) und Antriebstechnik (−7 PP) ebenso. Gruner ordnet ein:. „Unternehmen haben 2025 spürbar bei Entwicklungsrollen zurückgefahren, die Nachfrage nach Entwicklungsingenieuren sank über mehrere Quartale, besonders in Automotive, Mechatronik und Automatisierung. Das bremst die Investitionen/Aktivitäten in Neuprodukte und verschiebt Skalierungen von Transformationsinitiativen (Elektrifizierung, Digitalisierung) in kleinere Tranchen beziehungsweise nach 2026.
Gleichzeitig wurden Bestands-, Qualitäts und Effizienzthemen priorisiert. ‚Run the Business‘ schlägt ‚Change the Business‘. Ergebnis: Transformation läuft weiter, aber risikoärmer und nur schrittweise. Das erhöht das Risiko, dass Lücken in der Vorentwicklung entstehen, und damit 2026/2027 das Risiko von Innovationsdellen.“
Über den Hays Fachkräfte-Index
Der Hays Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der Index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk Xing. Der Fachkräfte-Index zeigt die prozentuale Veränderung zum Ausgangswert vom 1. Quartal 2015 an. Sämtliche Positionsbezeichnungen gelten grundsätzlich für alle Geschlechter.
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