Studie 29.01.2025, 11:45 Uhr

Zecken in den Alpen tragen neues Flavivirus

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben in einer neuen Studie ein bislang unbekanntes Zeckenvirus entdeckt, das in Gämsen und anhaftenden Zecken aus Österreich und Italien vorkommt. Dieser neue Virus-Subtyp könnte potenziell auch auf Menschen und andere Tiere übertragbar sein.

Neues Zeckenvirus könnte Risiken bergen. Foto: PantherMedia / Markus Schlegel

Neues Zeckenvirus könnte Risiken bergen.

Foto: PantherMedia / Markus Schlegel

Eine kürzlich in der angesehenen Fachzeitschrift „Viruses“ veröffentlichte europäische Studie, die von der Veterinärmedizinischen Universität Wien geleitet wurde, hat erstmals ein bislang unbekanntes Zeckenvirus nachgewiesen. Der neue Flavivirus-Subtyp wurde in erkrankten Gämsen und den daran haftenden Zecken aus Österreich und Italien gefunden. Die Fälle wurden 2017 in Salzburg, Österreich, und 2023 in der Lombardei und im Piemont, Italien, festgestellt.

An der Studie waren Forschungsinstitute aus Österreich, Italien, der Tschechischen Republik und den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligt. Die Auswirkungen des entdeckten Virus auf Menschen und Tiere sind laut den Forschern noch unklar.

Flavivirus in alpinen Gämsen könnte Risiken für Mensch und Tier bergen

Bisher war der europäische Subtyp des durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSMEV-Eur) das einzige Flavivirus in Mitteleuropa, das neurologische Erkrankungen bei Menschen und Tieren verursachte. Nun berichten Forscher:innen erstmals von einem neuen Flavivirus, das von alpinen Gämsen (Rupicapra rupicapra rupicapra) mit Enzephalitis und den daran haftenden Zecken isoliert wurde. Diese Gämsen leben in den Alpen. Die Fälle wurden 2017 in Salzburg (Österreich) und 2023 in der Lombardei und im Piemont (Italien) entdeckt.

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Laut dem Virologen und Studienleiter Norbert Nowotny vom Zentrum für Pathobiologie der Vetmeduni ähneln sich die Virusstämme zu 94,8–97,3 % in ihren genetischen Informationen. Sie sind enger mit dem Louping-Ill-Virus, das vor allem auf den Britischen Inseln vorkommt (90–92 % Übereinstimmung), verwandt als mit dem Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSMEV-Eur), bei dem die Übereinstimmung unter 88 % liegt. „Die von den Gämsen stammenden Virusstämme, die wir vorläufig als „Alpine chamois encephalitis virus“ (ACEV) bezeichnen, bilden mit dem Spanischen Ziegenenzephalitis-Virus eine unabhängige genetische Gruppe, die sich deutlich von den anderen Louping Ill-Viren unterscheidet“, sagt Nowotny.

Der Forscher erklärt, dass dies für die Einstufung des Virus als neuer Subtyp spricht, der den vorgeschlagenen Namen „Spanish goat and Alpine chamois encephalitis virus subtype“ innerhalb der Spezies Orthoflavivirus loupingi tragen könnte. Er betont, dass das zoonotische Potenzial dieses neuen Virus-Subtyps sowie sein Wirtsspektrum bei anderen Tierarten, auch bei Nutztieren, unbedingt weiter untersucht werden müssen. Sollte sich herausstellen, dass auch Ziegen oder Schafe anfällig für das Virus sind, könnte es zu einer Gefahr für den Menschen kommen, etwa durch den Verzehr von Rohmilchprodukten dieser Tiere.

Neues Zeckenvirus über weite Gebirgshöhen und Jahreszeiten hinweg nachgewiesen

Der neu entdeckte, von Zecken übertragene Flavivirus-Subtyp wurde, wie bereits erwähnt, an drei verschiedenen Orten nachgewiesen – einem in Österreich und zwei in Norditalien. Die Entfernungen zwischen den Fundorten betrugen bis zu 390 Kilometer, und die Entdeckung erfolgte über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren. Auch die Jahreszeiten, in denen die infizierten Gämsen gefunden wurden, variierten stark: Februar, Mai und September. Die Höhenlagen der Fundorte unterschieden sich ebenfalls, sie reichten von 761 bis 1.700 Metern. Zudem gab es Unterschiede im Zeckenbefall: An einem Fall waren keine Zecken an der Gämse, was darauf hindeutet, dass die Infektion Wochen oder Monate vorher erfolgt sein muss. Bei den anderen beiden Fällen hafteten die infizierten Zecken noch an den Tieren.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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