Neujahrsvorsätze 02.01.2025, 16:00 Uhr

Studie: Smartwatches helfen bei der Raucherentwöhnung

Der Jahreswechsel ist immer auch die Zeit der guten Vorsätze. Mit dem Rauchen aufzuhören steht bei vielen ganz oben auf der Agenda. Eine neue Studie macht Hoffnung, dass dies mit Hilfe der Smartwatch gelingen kann.

Frau raucht Zigarette

Haben Sie sich zum Jahreswechsel vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören? Eine Smartwatch könnte dabei helfen.

Foto: PantherMedia / belchonock

Rauchen ist eine der Hauptursachen für vermeidbare Krankheiten und vorzeitige Todesfälle. Jährlich sterben Millionen Menschen weltweit an den Folgen des Tabakkonsums. Trotzdem bleibt der Weg zum Rauchstopp für viele Menschen schwierig und von zahlreichen Hindernissen begleitet. Eine neue Studie der Universität Bristol könnte jedoch eine innovative Lösung bieten: Smartwatches. Diese könnten nicht nur Fitness-Daten erfassen, sondern auch aktiv dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Technologie erkennt Gewohnheiten

Die Studie untersuchte eine speziell entwickelte Software, die die Bewegungssensoren handelsüblicher Smartwatches nutzt. Diese Technologie erkennt die typischen Handbewegungen, die Raucherinnen und Raucher beim Griff zur Zigarette machen. Sobald die App ein solches Muster identifiziert, sendet sie eine präzise abgestimmte Nachricht an die Smartwatch. Diese Nachricht soll den Träger bzw. die Trägerin genau in dem Moment erreichen, in dem die Versuchung zuschlägt, und ihn daran erinnern, an seinen Rauchstopp-Zielen festzuhalten.

Chris Stone, leitender Wissenschaftler und Experte für Wearable-Technologien, erklärte: „Für diejenigen, die versuchen, aufzuhören, ist ein anfänglicher Rückfall ein verletzlicher Moment, der zu einem vollständigen Rückfall in das Rauchen führen kann. Menschen mögen Smartwatches. Sie mögen die Idee, dass sie eine Nachricht erhalten, wenn sie rauchen. Wenn wir also diesen Moment des Rückfälls erkennen und genau an diesem Punkt eine Intervention durchführen können, haben wir die Möglichkeit, den Erfolg des Entwöhnungsversuchs zu verbessern.“

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Erste Ergebnisse: Zwei Drittel der Teilnehmer profitieren

Die Machbarkeitsstudie wurde mit 18 Personen durchgeführt, die das Rauchen aufgeben wollten. Jeder Teilnehmende trug für zwei Wochen eine Android-Smartwatch, die mit der benutzerdefinierten App ausgestattet war. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Zwei Drittel der Probanden (66 %) gaben an, dass die Intervention hilfreich war. Sie berichteten, dass die Technologie ihr Bewusstsein für das eigene Rauchverhalten schärfte und sie dazu motivierte, das Rauchen aufzugeben.

Ein bemerkenswerter Effekt der App war die Unterbrechung von automatisierten Verhaltensmustern. Viele Raucherinnen und Raucher greifen oft unbewusst zur Zigarette, beispielsweise in Stresssituationen oder während sozialer Interaktionen. Die App half den Teilnehmenden, diese Momente zu identifizieren und bewusster zu handeln. Zusätzlich empfanden sie die Nutzung der Smartwatch als unkompliziert und diskret.

Warum Smartwatches so effektiv sein können

Der Erfolg der App basiert auf der sogenannten „Just-in-Time-Intervention“. Diese Methode setzt gezielt in kritischen Momenten ein, in denen ein Rückfall wahrscheinlich ist. Alizée Froguel, Leiterin der Präventionspolitik bei Cancer Research UK, hebt die Bedeutung solcher Technologien hervor: „Diese Studie zeigt, dass Smartwatches eine nützliche Methode sein könnten, um Menschen bei der Raucherentwöhnung zu helfen, aber es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um zu verstehen, wie wirksam sie sind.“

Ein weiterer Vorteil der Smartwatch-App ist ihre Unabhängigkeit von Smartphones. Im Gegensatz zu vielen anderen digitalen Interventionen arbeitet diese App direkt auf der Smartwatch, was den Komfort und die Anwendbarkeit deutlich erhöht. Die Forschenden betonen, dass die Technologie auf bestehenden Geräten funktioniert und keine zusätzliche Hardware erfordert.

Integration in bestehende Programme

Die Expertinnen und Experten sind sich einig, dass Technologien wie diese Smartwatch-App am effektivsten in Kombination mit traditionellen Rauchstopp-Programmen eingesetzt werden können. Lokale Entwöhnungsdienste, Beratungsgespräche und Nikotinersatztherapien bieten nach wie vor wertvolle Unterstützung. Die Smartwatch kann jedoch eine wichtige ergänzende Rolle spielen, insbesondere für Menschen, die zusätzliche Motivation oder Erinnerungshilfen benötigen.

Chris Stone erklärt: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Interventionsgestaltung zu nutzen und sie in einem praktischen, tragbaren Paket mit minimaler Belastung für den Benutzer bereitzustellen. Dadurch hoffen wir, einen positiven Einfluss auf das Leben der Menschen zu nehmen.“

Der Weg in die Zukunft

Obwohl die ersten Ergebnisse vielversprechend sind, ist die Forschung noch nicht abgeschlossen. Das Team plant längerfristige Studien mit größeren und diverseren Teilnehmergruppen. Ziel ist es, die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Smartwatch-Intervention umfassend zu untersuchen. Sollten diese Studien ebenfalls positive Ergebnisse liefern, könnten Smartwatches schon bald zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel im Kampf gegen das Rauchen werden.

Alizée Froguel betont jedoch, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Die Regierung müsse sicherstellen, dass lokale Entwöhnungsdienste nachhaltig finanziert und für alle zugänglich sind. „Um eine rauchfreie Zukunft zu schaffen, sind kombinierte Ansätze erforderlich, die sowohl technologische als auch traditionelle Methoden nutzen.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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