Umfangreiche Studie 08.01.2025, 07:00 Uhr

Gehirne von Jungen und Mädchen unterscheiden sich schon bei der Geburt

Einer aktuellen Studie zufolge weisen männliche und weibliche Gehirne bereits kurz nach der Geburt bedeutende strukturelle Differenzen auf. Die bisher größte Untersuchung dieser Art liefert Erkenntnisse über die frühe Entwicklung des menschlichen Gehirns und eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung der Neurodiversität.

Gehirnforschung

Die Gehirne von neugeboreren Mädchen und Jungen unterscheiden sich.

Foto: PantherMedia / Kiyoshi Takahase Segundo

Das Autism Research Centre der Universität Cambridge hat in einer Studie entdeckt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Gehirnstruktur bereits von Geburt an vorhanden sind. Die Forschenden analysierten MRT-Gehirnscans von über 500 Neugeborenen und stellten dabei signifikante Ungleichheiten zwischen Mädchen und Jungen fest. Während die Gehirne der männlichen Probanden tendenziell ein größeres Gesamtvolumen aufwiesen, zeigten weibliche Säuglinge im Verhältnis deutlich mehr graue Substanz. Bei männlichen Neugeborenen fand sich ein höherer Anteil an weißer Substanz.

Die graue Substanz, bestehend aus Nervenzellkörpern und Dendriten, ist maßgeblich für die Verarbeitung und Interpretation von Informationen verantwortlich. Sie spielt eine zentrale Rolle bei Empfindung, Wahrnehmung, Lernen, Sprache und Kognition. Die weiße Substanz setzt sich aus langen Nervenfasern, den Axonen, zusammen. Ihre Aufgabe besteht darin, Neuronen aus verschiedenen Gehirnregionen zu vernetzen und so eine effiziente Kommunikation zu gewährleisten. Die Entdeckung dieser frühen geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Verteilung von grauer und weißer Substanz im Gehirn wirft neue Fragen hinsichtlich der pränatalen Entwicklung und möglicher biologischer Einflussfaktoren auf.

Gehirne von Männern und Frauen unterscheiden sich von Geburt an

Yumnah Khan, Doktorandin am Autism Research Centre und Leiterin der Studie: „Unsere Forschung liefert eine Antwort auf die Frage, ob sich männliche und weibliche Gehirne bereits bei der Geburt unterscheiden. Bekannt ist, dass es Unterschiede im Gehirn älterer Kinder und Erwachsener gibt, doch unsere Resultate belegen, dass diese schon in den allerersten Lebenstagen vorhanden sind.“ Khan vermutet, dass die Unterschiede teilweise auf biologische Faktoren während der pränatalen Gehirnentwicklung zurückzuführen sein könnten. Im Laufe des Lebens interagieren diese dann mit Umwelteinflüssen und formen so weitere geschlechtsspezifische Besonderheiten im Gehirn.

Ein Problem bisheriger Studien zu diesem Thema war die begrenzte Stichprobengröße. Das Forschungsteam aus Cambridge wertete Daten des Developing Human Connectome Project aus. In diesem Projekt erhielten Säuglinge kurz nach ihrer Geburt einen MRT-Gehirnscan. Mit über 500 untersuchten Neugeborenen bietet die Studie eine statistisch gute Grundlage, um verlässliche Aussagen über mögliche Geschlechtsunterschiede treffen zu können. Darüber hinaus berücksichtigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler potenzielle Einflussfaktoren wie Unterschiede in der Körpergröße, um sicherzustellen, dass die beobachteten Differenzen tatsächlich spezifisch für das Gehirn sind.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektentwickler (m/w/d) Immobilien Allbau Managementgesellschaft mbH
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produkt-Account-Manager Antriebskomponenten/Bremsen RINGSPANN GmbH
Bad Homburg Zum Job 
Crawford & Company (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Technical Expert / Sachverständiger (w/m/d) Bereich Global Technical Services Crawford & Company (Deutschland) GmbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Schulbau GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Hoch- und Schlüsselfertigbau KLEBL GmbH
Raum Berlin-Brandenburg Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Hoch- und Schlüsselfertigbau KLEBL GmbH
Frankfurt Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Kalkulator (m/w/d) im Bereich Hochbau- und Schlüsselfertigbau KLEBL GmbH
Berlin-Brandenburg Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) im Hausbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Oncotec Pharma Produktion GmbH-Firmenlogo
Head of Project Engineering (m/w/d) Oncotec Pharma Produktion GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Oncotec Pharma Produktion GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur (Investitionsprojekte) (m/w/d) Oncotec Pharma Produktion GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Oncotec Pharma Produktion GmbH-Firmenlogo
HSE-Manager (m/w/d) Oncotec Pharma Produktion GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
DYNOS GmbH-Firmenlogo
Leiter Technik (m/w/d) DYNOS GmbH
Troisdorf Zum Job 
Stadt Ratingen-Firmenlogo
Planung / Bauleitung Siedlungswasserwirtschaft (m/w/d) Stadt Ratingen
Ratingen Zum Job 
KLN Ultraschall AG-Firmenlogo
Strategischer Einkäufer im Sondermaschinenbau (m/w/d) KLN Ultraschall AG
Heppenheim (Bergstraße) Zum Job 
Max Bögl Transport und Geräte GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Prozesskoordinator (m/w/d) - Produktionstechnik Max Bögl Transport und Geräte GmbH & Co. KG
Sengenthal Zum Job 
Hochschule Emden/Leer-Firmenlogo
Professur (m/w/d) für Elektrische Energietechnik Hochschule Emden/Leer
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Redakteur (m/w/d) für Maschinenbau Beckhoff Automation GmbH & Co. KG
Herzebrock-Clarholz Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur / Projektingenieur Ingenieurbau (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 

Größeres Gehirnvolumen bei männlichen Säuglingen

Die Ergebnisse zeigten, dass männliche Säuglinge im Durchschnitt ein signifikant größeres Gehirnvolumen aufwiesen als weibliche, selbst nach Berücksichtigung von Geschlechtsunterschieden beim Geburtsgewicht. Weibliche Babys wiesen durchschnittlich größere Volumen in jenen Bereichen der grauen Substanz auf, die mit Gedächtnis und emotionaler Regulation in Verbindung stehen. Männliche Neugeborene zeigten im Mittel mehr Volumen in den Regionen der grauen Substanz, die an sensorischer Verarbeitung und motorischer Steuerung beteiligt sind. Die Resultate dieser bisher umfangreichsten Untersuchung zu geschlechtsspezifischen Gehirnunterschieden bei Neugeborenen wurden in der renommierten Fachzeitschrift Biology of Sex Differences publiziert.

Alex Tsompanidis, Leiter der Studie, unterstrich die Bedeutung der großen Stichprobe und der Berücksichtigung zusätzlicher Faktoren wie des Geburtsgewichts. Nur so könne sichergestellt werden, dass die beobachteten Unterschiede tatsächlich gehirnspezifisch sind und nicht auf Größendifferenzen zwischen den Geschlechtern zurückgeführt werden können. Um die Ursachen für die unterschiedlichen Volumen an grauer und weißer Substanz bei männlichen und weiblichen Säuglingen zu ergründen, untersucht das Forschungsteam nun die Bedingungen der pränatalen Umgebung anhand von Geburtsdaten der Bevölkerung sowie mit zellulären In-vitro-Modellen des sich entwickelnden Gehirns. Ziel ist es, den Verlauf von Schwangerschaften bei beiden Geschlechtern zu vergleichen und mögliche biologische Einflussfaktoren wie Hormone oder Plazenta zu identifizieren.

Neurodiversität im Gehirn – individuelle Unterschiede überwiegen

Die Forschenden betonten, dass es sich bei den festgestellten Differenzen zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen um Durchschnittswerte handelt. Carrie Allison, stellvertretende Direktorin des Autism Research Centre: „Die beobachteten Unterschiede gelten nicht für jeden Mann oder jede Frau, sondern treten nur bei einem Vergleich von Gruppen auf. Innerhalb jeder Gruppe gibt es eine große Vielfalt und viele Überschneidungen.“ Professor Simon Baron-Cohen, Direktor des Forschungszentrums, ergänzte, dass die Unterschiede keinesfalls bedeuten, dass männliche oder weibliche Gehirne besser oder schlechter seien. Vielmehr handele es sich um ein Beispiel für Neurodiversität. Er sieht in den Erkenntnissen das Potenzial, auch andere Formen der neurobiologischen Vielfalt besser zu verstehen, etwa bei Kindern, bei denen später Autismus festgestellt wird – eine Diagnose, die häufiger bei Jungen gestellt wird.

Ein Beitrag von:

  • Anke Benstem

    Anke Benstem ist freie Journalistin, Buchautorin und Texterin. Sie gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Klima und Umwelt.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.