Freundschaft mit dem Chatbot 05.12.2025, 12:00 Uhr

Warum mehr als 30 % der Nutzer KI als „Freund“ sehen

Eine internationale Befragung des Exzellenzcluster SCRIPTS der Freien Universität Berlin zeigt, wie Gefühle und politische Einstellungen die Nutzung von KI prägen – und dass mehr als ein Drittel der Befragten diese als „Freund“ betrachtet.

In einer Befragung von über 7000 Menschen aus Deutschland, den USA, China und Südafrika gaben mehr als 30 % an, eine emotionale Bindung zu einem KI-Chatbot zu haben.

In einer Befragung von über 7000 Menschen aus Deutschland, den USA, China und Südafrika gaben mehr als 30 % an, eine emotionale Bindung zu einem KI-Chatbot zu haben.

Foto: denisismagilov/Smarterpix

Wie hoch ist eigentlich unser Vertrauen in Maschinen? Und warum vertrauen wir ihnen? Eine aktuelle Studie von Forschenden des Exzellenzclusters SCRIPTS, gefördert von der Volkswagen-Stiftung, liefert umfassende Daten dazu, wie Menschen in unterschiedlichen Ländern mit Chatbots, wie zum Beispiel ChatGPT, interagieren.

Für die Online-Studie wurden mehr als 7000 Personen aus Deutschland, den USA, China und Südafrika befragt.

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Emotionale Bindung zur KI

Viele Menschen entwickeln eine emotionale Bindung zu Chatbots, die über eine reine Nutzung als Werkzeug hinausgehen. Emotionale Bindungen sind hierbei keine Ausnahme: Mindestens ein Drittel aller Nutzerinnen und Nutzer von Chatbots zeigt Anzeichen einer Bindung:

  • 35 % der Befragten vermissen den Bot
  • 48 % zeigen zudem freundschaftliche Gefühle
  • 60 % verwenden Höflichkeitsfloskeln

Bei Nutzerinnen und Nutzern von speziellen „sozialen Chatbots“, also solche, die extra für gesellschaftliche Zwecke programmiert sind, liegen die Anzeichen einer Bindung sogar bei 50 %.

Darüber hinaus verdeutlicht die Studie, dass der Einsatz von Chatbots häufig das emotionale Wohlbefinden stärkt:

  • 40 % der Befragten fühlen sich durch die Interaktion weniger einsam
  • 57 % schätzen den wertungsfreien Austausch
  • 68 % empfinden ein Gefühl von Privatsphäre

Warum binden sich Menschen an Maschinen?

Laut Studie gibt es für die Bindungsgefühle mehrere Gründe:

  • Keine Verurteilung: Viele Nutzende schätzen es sehr, dass die KI sie nicht bewertet oder verurteilt, unabhängig davon, was sie erzählen.
  • Gefühl von Privatssphäre: Da kein anderer Mensch zuhört, trauen sich Nutzende eher, intime oder peinliche Themen zu besprechen.
  • Hilfe gegen Einsamkeit: Die Interaktion vermittelt das Gefühl von emotionaler Unterstützung und lindert Einsamkeit.

Wer sich am meisten bindet

Wer den Chatbot häufig benutzt und dabei auch über sehr persönliche Themen spricht, wie beispielsweise Gesundheit oder Beziehungsprobleme, baut eine stärkere Bindung zu der KI auf.

Überraschenderweise neigen vor allem Menschen mit einem großen Freundeskreis dazu, sich stärker an Chatbots zu binden. Das deutet darauf hin, dass Chatbots oftmals als Ergänzung zu menschlichen Freunden genutzt werden und diese nicht nur für einsame Menschen ersetzen.

Kulturelle Unterschiede zwischen den Ländern

Die Studie macht auch sichtbar, dass es starke kulturelle Unterschiede zwischen den befragten Menschen aus verschiedenen Ländern gibt. Auffallend ist: In China und Südafrika fühlen sich die Menschen am meisten mit den Chatbots emotional verbunden. Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland sind dagegen eher zurückhaltend und berichten seltener von emotionaler Nähe zur KI.

In China und Südafrika fühlen sich deutlich mehr Nutzende weniger von ihrem Gegenüber verurteilt während einer Konversation mit einem Chatbot als es in Deutschland oder den USA der Fall ist.

Gefahr von Abhängigkeit von der KI

Gefährlich ist an dieser Art der starken emotionalen Bindung vor allem das Risiko, von dem Chatbot abhängig zu werden. Betroffene Nutzende finden es beispielsweise schwerer, sich ein Leben oder Arbeiten ohne den Bot vorzustellen. Abhängige Personen teilen ihre tiefsten Geheimnisse eher mit einer KI als mit echten Menschen und sind eher bereit, für den Dienst Geld zu bezahlen.

Auch politische Einstellung spielt eine Rolle

„Technologie ist nicht neutral“, sagt Prof. Dr. Genia Kostka, Professorin für chinesische Politik an der Freien Universität Berlin, Leiterin des Instituts for Chinese Studies und Principal Investigator im Exzellenzcluster SCRIPTS. „Unsere Forschung zeigt, dass politische Einstellungen und nationale Herkunft entscheidend dafür sind, ob Menschen KI-Produkte annehmen oder ablehnen.“

Gleichzeitig zeigen sich deutliche geopolitische Einflüsse auf die Nutzung: Viele Befragte bevorzugen Chatbots aus Ländern, denen sie politisch positiv gegenüberstehen. In Deutschland und den USA wird der chinesische Chatbot DeepSeek häufig aus politischen Gründen gemieden, während ChatGPT insbesondere von Menschen mit liberal-demokratischen Überzeugungen genutzt wird.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass in der globalen KI-Welt nicht nur technische Leistungsfähigkeit zählt, sondern auch Vertrauen, Werte und politische Wahrnehmung“, betont Kostka.

Ein Beitrag von:

  • Anastasia Pukhovich

    Anastasia Pukhovich ist Volontärin beim VDI Verlag. Ihre Tätigkeit beim Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien weckte ihr Interesse an allen Themen rund um Wissenschaft und Technik. Besonders gerne verfolgt sie journalistisch die Themen Medizintechnik und Karriere.

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