Flugtreibstoff 30.01.2026, 16:56 Uhr

Der Durchbruch im Labor: Mikroben produzieren Kerosin im Zeitraffer

KI und Biosensoren machen Mikroben effizienter. Forschende steigern die Produktion von Jetfuel-Vorstufen um das 36-Fache.

Ein Passagierflugzeug wird am Boden mit Treibstoff versorgt

Ein Passagierflugzeug wird am Boden mit Treibstoff versorgt. Künftig könnten synthetische Kraftstoffe aus Mikroben fossiles Kerosin teilweise ersetzen.

Foto: Smarterpix / Gudella

Flugzeuge brauchen dichte, energiereiche Kraftstoffe. Batterien liefern dafür auf absehbare Zeit nicht genug Leistung. Deshalb sucht die Forschung nach Alternativen zu Kerosin aus Erdöl. Eine davon: Mikroben, die aus pflanzlichem Material Vorstufen für synthetischen Flugtreibstoff herstellen. Der Weg dahin galt lange als langsam und teuer. Biologische Systeme reagieren unberechenbar. Jede genetische Änderung kann unerwartete Folgen haben.

Zwei aktuelle Studien zeigen nun, wie sich dieser Prozess stark beschleunigen lässt. Forschende am Joint BioEnergy Institute (JBEI), das vom Lawrence Berkeley National Laboratory geleitet wird, kombinieren künstliche Intelligenz, Automatisierung und biologische Sensoren. Das Ergebnis: Mikroben, die bis zu 36-mal mehr Treibstoffvorstufen produzieren als bisherige Stämme.

Ein Molekül als Schlüssel für nachhaltiges Fliegen

Im Zentrum steht Isoprenol. Das klare, flüchtige Molekül lässt sich chemisch zu DMCO weiterverarbeiten, einem synthetischen Flugkraftstoff mit höherer Energiedichte als herkömmliches Kerosin. Isoprenol effizient herzustellen, gilt in der synthetischen Biologie seit Jahren als schwierig. Zu komplex sind die Stoffwechselwege in Mikroben, zu groß die Zahl möglicher Stellschrauben.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im Innendienst (m/w/d) für die Ausschreibung und Vergabe im Schlüsselfertigbau GOLDBECK West GmbH
BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik / Gebäudetechnik / Bauingenieur als Fachplaner im Bereich HLS (m/w/d) BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Projektleiter Planung (m/w/d) GOLDBECK West GmbH
Bochum, Düsseldorf (Monheim am Rhein) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur im Änderungswesen (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Staatliche Gewerbeaufsicht Niedersachsen-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Arbeitsschutz / Umweltschutz / Verbraucherschutz Staatliche Gewerbeaufsicht Niedersachsen
deutschlandweit Zum Job 
Staatliche Gewerbeaufsicht Niedersachsen-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Arbeitsschutz / Umweltschutz / Verbraucherschutz Staatliche Gewerbeaufsicht Niedersachsen
Braunschweig Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Projektleitung von Lärmschutz- und Brückenbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automatisierungstechniker (m/w/d) im Bereich Sondermaschinenbau Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG
Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz Zum Job 
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Tech Lead (m/w/d) Electric Powertrain / Elektromotoren Jungheinrich Aktiengesellschaft
Norderstedt Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Sales Manager (m/w/d) für schlüsselfertige Gewerbeimmobilien GOLDBECK West GmbH
Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Clees Wohnimmobilien GmbH & Co. KG
Düsseldorf Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Projektleitung - Neubau Reinraum (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
OT Security Engineer (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur / Maschinenbautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen- & Anlagenbau Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektentwickler (m/w/d) Immobilien Allbau Managementgesellschaft mbH
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produkt-Account-Manager Antriebskomponenten/Bremsen RINGSPANN GmbH
Bad Homburg Zum Job 

Zwei Teams des JBEI gingen das Problem aus unterschiedlichen Richtungen an. Das eine setzte auf KI und Laborrobotik, um genetische Varianten systematisch zu testen. Das andere machte sich eine vermeintliche Schwäche der Mikroben zunutze und verwandelte sie in ein Messinstrument.

„Dies sind zwei leistungsstarke, sich ergänzende Strategien. Die eine ist datengesteuerte Optimierung, die andere ist Entdeckung. Zusammen bieten sie uns eine Möglichkeit, viel schneller voranzukommen als mit herkömmlichen Trial-and-Error-Verfahren“, erläutert Thomas Eng.

KI ersetzt Bauchgefühl im Labor

Traditionell verändern Forschende einzelne Gene, testen den Effekt und ziehen Schlüsse für den nächsten Schritt. Das kostet Zeit. Oft Monate, manchmal Jahre. Das Team um Taek Soon Lee und Héctor García Martín wollte diesen Engpass beseitigen. Sie entwickelten eine automatisierte Pipeline, in der Roboter Hunderte genetische Varianten parallel erzeugen und testen.

Ein Algorithmus wertet die Daten aus und schlägt gezielt neue Genkombinationen vor. Der Mensch gibt nicht mehr die Richtung vor, sondern prüft die Vorschläge. „Standardmäßiges Metabolic Engineering ist langsam, weil man sich auf menschliche Intuition und biologisches Wissen verlässt“, sagte García Martín. „Unser Ziel war es, die Verbesserung von Stämmen systematisch und schnell zu gestalten.“

Kern des Ansatzes ist CRISPR-Interferenz. Dabei schalten Forschende Gene nicht komplett aus, sondern drosseln ihre Aktivität. So lassen sich feine Effekte im Stoffwechsel sichtbar machen. Nach sechs Entwicklungszyklen, jeweils nur wenige Wochen lang, produzierten die Bakterien rund fünfmal mehr Isoprenol als der Ausgangsstamm.

Wenn Mikroben ihren eigenen Treibstoff fressen

Das zweite Team um Thomas Eng stieß auf ein anderes Problem. Die eingesetzten Bakterien, Pseudomonas putida, produzierten Isoprenol – und bauten es kurz darauf wieder ab. Zunächst wirkte das wie ein Rückschlag. Dann kam der Perspektivwechsel.

„Das war ein echter Aha-Moment“, sagte Eng. „Moment mal, wenn sie es wahrnehmen können, muss es ein Protein geben, das es erkennt. Vielleicht können wir das Problem in ein Werkzeug verwandeln.“

Die Forschenden identifizierten ein Sensorsystem aus zwei Proteinen, mit dem die Zellen Isoprenol erkennen. Sie bauten diesen Mechanismus zu einem Biosensor um. Je mehr Treibstoff eine Zelle produzierte, desto stärker fiel das Signal aus. Gekoppelt an überlebenswichtige Gene entstand ein simples Prinzip: Nur die besten Produzenten wachsen weiter.

So konnten die Forschenden Millionen Varianten in kurzer Zeit durchsuchen. Das Ergebnis waren „Champion“-Stämme, die bis zu 36-mal mehr Isoprenol erzeugten als der ursprüngliche Mikroorganismus.

Zwei Wege, ein Ziel

Beide Ansätze ergänzen sich. Die KI-Pipeline eignet sich, um bekannte Zielgene gezielt zu optimieren. Der Biosensor deckt neue, unerwartete Stellschrauben auf. „Der eine Ansatz ist tiefenorientiert, der andere breitenorientiert“, sagte Eng. Zusammen verkürzen sie Entwicklungszeiten drastisch.

Die Ergebnisse erschienen in Nature Communications und Science Advances. Nun arbeiten die Teams daran, die Verfahren auf größere Fermenter zu übertragen. Erst dort zeigt sich, ob die Erträge auch unter industriellen Bedingungen stabil bleiben.

„Wenn diese Ansätze weit verbreitet sind, könnten sie die Branche neu gestalten. Anstatt ein Jahrzehnt und Hunderte von Menschen für die Entwicklung eines neuen Bioprodukts zu benötigen, könnten kleine Teams dies in einem Jahr oder weniger schaffen“, erläutert Héctor García Martín.

Hier geht es zur Originalmeldung

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.