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Wasserstoff-Mekka Spanien? Großauftrag für Dresdener Elektrolyseurbauer

27. Januar 2026

Das Repsol-Industriezentrum in Cartagena wird Wasserstoff aus Spanien produzieren
Repsol-Industriezentrum in Cartagena. Foto: mit freundlicher Genehmigung von Repsol
Sunfire liefert Anlagen mit 200 MW Kapazität an spanische Raffinerien. Auch andere deutsche Hersteller könnten vom wachsenden Wasserstoffmarkt in Spanien profitieren, während der Hochlauf hierzulande stockt.
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Hierzulande kommt das Geschäft mit den Elektrolyseuren nicht recht in Gang. Spanien scheint jedoch zu investieren: Das legt zumindest der jüngste Großauftrag für den Dresdener Hersteller Sunfire nah.

Inhaltsverzeichnis

Großauftrag für Sunfire

Laut einer Meldung vom Montag (27, Januar) liefert Sunfire zwei Druck-Alkali-Elektrolyseure mit je 100 MW Leistung an Raffineriestandorte des spanischen Energiekonzerns Repsol. Ab der Inbetriebnahme im Jahr 2029 sollen sie jeweils bis zu 15.000 t grünen Wasserstoff im Jahr produzieren.

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  • Die erste Anlage entsteht am Repsol-Industriekomplex in Cartagena, einem der größten Raffineriestandorte der iberischen Halbinsel. Auftraggeber sind Repsol und der spanische Gasnetzbetreiber Enagás Renovable.
  • Der zweite Elektrolyseur wird an der Petronor-Raffinerie in Muskiz bei Bilbao installiert, die Repsol gemeinsam mit der baskischen Kutxabank betreibt. Sunfire liefert für beide Projekte jeweils zehn Module mit je 10 MW Leistung.

„Spanien bietet starke Voraussetzungen für grünen Wasserstoff, und dieses Potenzial haben wir früh erkannt“, kommentierte Sunfire-CEO Nils Aldag.  Für Sunfire ist der Repsol-Deal der zweite Auftrag von der iberischen Halbinsel. Das Unternehmen hatte zuvor einen 10-MW-Elektrolyseur an Basque Hydrogen geliefert, ein Joint Venture unter Führung von Repsol im Hafen von Bilbao. Die Anlage soll 2026 in Betrieb gehen.

Wasserstoff für die Raffinerie

An beiden Standorten soll der grüne Wasserstoff fossilen (oder: „grauen“) Wasserstoff in den Raffinerieprozessen ersetzen. Dazu gehören etwa die Entfernung von Schwefel aus Rohöl oder die Veredelung von Kraftstoffen. Durch den Umstieg auf Elektrolyse-Wasserstoff aus erneuerbarem Strom will Repsol pro Standort bis zu 167.000 t CO₂ jährlich einsparen.

Im Oktober 2024 hatte Repsol angekündigt, geplante Wasserstoffprojekte mit 350 MW Gesamtkapazität auf Eis zu legen – darunter explizit das Cartagena-Projekt mit einem geplanten Investitionsvolumen von mehr als 200 Mio. €. Als Grund nannte der Konzern damals das ungünstige regulatorische Umfeld. Dass Repsol nun doch investiert, könnte auf verbesserte Rahmenbedingungen hindeuten.

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Heimatmarkt kommt nicht in Schwung

Währenddessen kommt der deutsche Elektrolysemarkt nur langsam in Schwung. Eine aktuelle Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) beziffert die installierte Elektrolyseleistung in Deutschland auf gerade einmal 181 MW. Weitere 1,3 GW haben eine finale Investitionsentscheidung erreicht oder sind im Bau. Damit könnten Ende 2027 bestenfalls 1,5 GW in Betrieb sein. Zur Erinnerung: Das von der Bundesregierung 2023 formulierte Ziel lag bei 10 GW bis 2030.

Fast 3 GW an geplanten Projekten sind laut EWI aus der Datenbank gefallen, weil sie entweder abgesagt wurden oder zu lange keine neuen Informationen veröffentlicht wurden. Von den Projekten, die 2025 in Betrieb gehen sollten, wurden nach Angaben des Kölner Instituts nur rund 30 % fristgerecht realisiert.

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Zu den Gründen erklärt EWI-Expertin Ann-Kathrin Klaas: „Neben der regulatorischen Komplexität und Unsicherheit führen auch hohe Investitions- und Betriebskosten in Verbindung mit einer relativ geringen Zahlungsbereitschaft der Verbraucher dazu, dass bislang nur so wenige Projekte den FID-Status erreicht haben“. Außerdem bestehe das Henne-Ei-Problem: Angebot, Nachfrage und Infrastruktur müssten simultan aufgebaut werden. „Dies kann zu Koordinationsproblemen und zur Verzögerung einzelner Projekte führen.“

Spanien: Europameister in der H2-Projektplanung

Mit dem Repsol-Auftrag baut Sunfire seine Position in einem der wichtigsten Wasserstoffmärkte Europas aus. Der spanische Wasserstoffverband AeH2 zählt rund 360 Projekte im Bereich grüner Wasserstoff, davon 167 kommerzielle Vorhaben. Allerdings befinden sich derzeit nur etwa 15 in der Umsetzung.

Die spanische Regierung will bis 2030 Elektrolyseure mit 11-12 GW Gesamtleistung installieren, mehr als jedes andere Land in Europa. Nach Regierungsschätzungen plant das Land alleine rund 20 % aller weltweiten H2-Projekte.

Thyssenkrupp Nucera und Siemens Energy hoffen ebenfalls

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass auch andere deutsche Elektrolyseurhersteller auf das Land schauen. Thyssenkrupp-Tochter Nucera wurde bereits im Mai 2024 als bevorzugter Lieferant für das andalusische „Green Hydrogen Valley“ des Energiekonzerns Cepsa ausgewählt. Der Dortmunder Hersteller soll einen 300-MW-Elektrolyseur für den Energiepark Palos de la Frontera liefern, allerdings steht die finale Investitionsentscheidung (FID) noch aus. Bislang ist Nucera mit dem Basic Engineering beauftragt.

Die Anlage mit 15 Modulen vom Typ Scalum wäre Teil einer ersten 400-MW-Ausbaustufe. Die übrigen 100 MW sollen vom ebenfalls deutschen PEM-Hersteller Siemens Energy kommen. Bis 2030 plant der Konzern in Südspanien eine Gesamtkapazität von 2 GW.

Wasserstoff-Hub Andalusien

Geografisch teilt sich der spanische Wasserstoffmarkt in mehrere Cluster. Die wichtigste Region ist Andalusien im Süden: Dort sollen bis 2030 Elektrolyseure mit bis zu 3,7 GW Leistung entstehen, rund ein Drittel der gesamten spanischen Kapazität. Cepsa plant Investitionen in Milliardenhöhe. 2022 gab das Unternehmen zudem Pläne bekannt, den Wasserstoff in Form von Ammoniak über einen Seekorridor nach Rotterdam zu verschiffen. Raffineriebetreiber Repsol konzentriert sich derweil auf den Norden und Osten Spaniens: Bilbao, Cartagena und das Baskenland.

Ein mögliches Szenario könnte also so aussehen, dass deutsche Hersteller Elektrolyseure nach Spanien liefern, wo die Anlagen mit hoher Auslastung und zu vergleichsweise niedrigen Preisen gefahren werden können. Der damit produzierte Wasserstoff könnte dann entweder per Schiff oder Pipeline nach Deutschland gelangen.

Mit H2Med ist schon seit Jahren eine grenzüberschreitende Pipeline in Planung, die Spanien über Portugal und Frankreich mit Deutschland verbinden soll. Der spanische Netzbetreiber Enagás entwickelt das Projekt gemeinsam mit der deutschen OGE sowie den französischen Betreibern GRTgaz und Teréga.



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