Tesvolt stellt Führung neu auf – und eine Gründerkarriere rückt in den Fokus
Tesvolt ordnet Führung neu: Mitgründer Simon Schandert wird CEO. Seine Karriere vom Handwerker zum Unternehmenschef rückt dabei besonders in den Fokus.
Simon Schandert übernimmt die Position des CEO bei Tesvolt – vom Elektrohandwerk bis an die Spitze eines Batteriespeicher-Unternehmens.
Foto: picture alliance/dpa | Simon Kremer
Der Batteriespeicherhersteller Tesvolt hat seine Unternehmensführung neu geordnet. Mitgründer und bisheriger CEO Daniel Hannemann wechselte zum 1. Juli in den Aufsichtsrat.
Neuer Vorstandsvorsitzender (CEO) ist Mitgründer Simon Schandert, der zuvor als Technikvorstand (CTO) tätig war. Die Position des Finanzvorstands (CFO) übernimmt künftig Carsten Tegeler.
Inhaltsverzeichnis
- Großbatteriespeicher in Wittenberg geplant
- Vom Handwerker zum CTO und jetzt - CEO: Wer ist Simon Schandert?
- Vom Elektrohandwerk zur Energieinnovation
- Gründung des Unternehmens
- Extrameilen im Beruf
- Führungskompetenz und Innovationsstrategie
- Zurück zu den Wurzeln
- Mut als Schlüssel zum Erfolg
- Die Welt zu einem besseren Ort machen, als wir sie vorgefunden haben
Die strategische Ausrichtung bleibt nach Angaben von Tesvolt unverändert. Das Unternehmen will sein Geschäft mit Batteriespeichern und Großspeicherprojekten weiter ausbauen.
„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die operative Verantwortung in die Hände von Simon zu übergeben“, sagte Hannemann. Schandert kündigte an, die verschiedenen Geschäftsbereiche des Unternehmens weiter auszubauen.
Großbatteriespeicher in Wittenberg geplant
Tesvolt mit Sitz in Lutherstadt Wittenberg entwickelt und vertreibt Batteriespeichersysteme für Unternehmen und Energieversorger. Erst vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen den Bau eines großen Batteriespeichers im Ortsteil Apollensdorf angekündigt. Die Anlage soll eine Speicherkapazität von 190 Megawattstunden haben und 2028 in Betrieb gehen. Sie zählt zu den größten Projekten des Unternehmens. (mit dpa)
Vom Handwerker zum CTO und jetzt – CEO: Wer ist Simon Schandert?
Der Weg von einem Handwerker zur Position des Geschäftsführers und Chief Technology Officer (CTO) und nun auch CEO erfordert eine Kombination aus fachlicher Expertise, unternehmerischem Denken und persönlicher Entwicklung. Doch ist eine solche Laufbahn überhaupt möglich? Der Lebenslauf von Simon Schandert gibt eine überzeugende Antwort auf diese Frage. Vor drei Jahren hat ingenieur.de Simon Schandert ausführlich porträtiert. Unten sind einige Abschnitte aus dem alten Text:
Vom Elektrohandwerk zur Energieinnovation
Simons beruflicher Werdegang begann in einem Handwerksunternehmen seiner Eltern, wo er sich von Kindesbeinen an mit dem Elektrohandwerk vertraut machte. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Elektroniker für Gebäude- und Energietechnik, was seine Leidenschaft für die Elektrotechnik von Anfang an förderte.
Allerdings hatte Simon schon immer eine breitere Vision für seine berufliche Entwicklung. Er wollte nicht nur technisch in der Elektrotechnik tätig sein, sondern auch ein tieferes Verständnis für wirtschaftliche Anwendungen und den Markt entwickeln. Schon im Jahr 2002 begann er, sich intensiv mit erneuerbaren Energien zu beschäftigen, insbesondere mit Themen wie Energiewende, Photovoltaikanlagen, Windenergie und Energieanlagen. Sein Interesse an diesen Bereichen wuchs stetig und ab 2009 widmete er sich verstärkt Energiespeicherlösungen.
Seine Zeit im Handwerksunternehmen der Eltern, seine Ausbildung und seine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Energiewende gaben ihm eine solide Basis in der Elektrotechnik. Dennoch erkannte er, dass sein Wissen nicht auf technische Aspekte beschränkt bleiben sollte. Daher entschied er sich, den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen zu verfolgen, um auch den wirtschaftlichen Aspekten gerecht zu werden. Diese breite Perspektive ermöglichte es ihm, sowohl technische Innovationen als auch wirtschaftliche Erfolgskonzepte zu entwickeln und umzusetzen.
Gründung des Unternehmens
Im Jahr 2014 gründete Simon Schandert schließlich sein eigenes Unternehmen zusammen mit Daniel Hannemann. Diese Entscheidung wurde maßgeblich durch seine Überzeugung getrieben, erschwingliche Energie überall und jederzeit zugänglich zu machen.
Konnte er sich es vorstellen, dass sein Unternehmen Tesvolt zu einem führenden Anbieter von Energiespeicherlösungen für den gewerblichen und industriellen Sektor wird? Dass das ehemalige Startup mit 2 Mitarbeitenden eine neue Großfabrik an seinem Hauptsitz in Lutherstadt Wittenberg bauen wird? Wohl kaum.
Das Unternehmen engagierte sich sowohl in Deutschland als auch international, insbesondere in Afrika, um Projekte zur Elektrifizierung von Gemeinden ohne Zugang zur Elektrizität durchzuführen. Die Gründer erkannten sofort die Bedeutung von erneuerbaren Energien für die Entwicklung und Agrarproduktivität, insbesondere in ländlichen Gebieten. Im Laufe der Jahre hat Schandert mit seinen Kollegen über 4000 Projekte weltweit umgesetzt und zahlreiche Erfahrungen gesammelt. Sein Unternehmen konzentriert sich darauf, erschwingliche Energie für Menschen weltweit verfügbar zu machen und dabei die Umweltbelastung zu reduzieren.
So haben Schandert und sein Team Projekte in Afrika umgesetzt, in Regionen, die zuvor keinen Zugang zur Elektrizität oder jeglicher Energieinfrastruktur hatten. Dabei haben sie nicht nur erstmalig Licht in diese Gebiete gebracht, sondern auch viele Projekte in bergigen Regionen unterstützt, die bereits erneuerbare Energien nutzen, aber ihren Anteil erhöhen möchten. Ihr Ziel war es, erneuerbare Energien verfügbar zu machen, selbst wenn die Sonne nicht scheint. Diese Motivation erwuchs aus der Dringlichkeit des Klimawandels, und sie strebten erschwingliche Lösungen an, um erneuerbare Energien einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen.
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Extrameilen im Beruf
„Es sind in der Regel um die 60 Stunden pro Woche, manchmal mehr, manchmal weniger. Doch diese Arbeit ist von Leidenschaft getrieben. Es macht unglaublich viel Spaß, mit den talentierten Menschen in unserem Unternehmen zusammenzuarbeiten und an Lösungen zu arbeiten, die die Energiewende vorantreiben. Das ist einfach pure Leidenschaft. In der Leidenschaft gibt es keine Uhrzeit und deshalb fühlt es sich nie wie eine Last an. Es ist eben so“, sagte er in unserem alten Interview, wenn man ihn danach fragte, wie es mit seinen Arbeitszeiten nun aussieht. Schließlich muss man echt viel schaffen und immer den Überblick im wachsenden Unternehmen behalten.
Dafür ist Schandert bereit, die Extrameilen zu gehen, um seine Vision einer nachhaltigeren und erschwinglicheren Energiezukunft zu verwirklichen. Seine Soft- Skills umfassen Kommunikation, Überzeugungskraft, Innovationsfähigkeit und die Fähigkeit, Menschen zu begeistern und zu motivieren, die für diese Position nun unabdingbar sind. Denn: Die Arbeit in einem Startup ist noch anspruchsvoller als in einem etablierten Konzern, in dem man möglicherweise von Tarifverträgen profitiert und sich auf 32-Stunden-Wochen einstellen kann. In einem Startup muss man mehr Zeit und Energie investieren, um erfolgreich zu sein.
Doch welche Fähigkeiten sind noch dafür wichtig, um alles unter einen Hut zu bekommen und den Überblick zu behalten? „Es ist wichtig, sich nicht abzuschotten oder zu isolieren. Das bedeutet, dass man kommunikativ sein muss, die Fähigkeit besitzen muss, Menschen für neue Technologien und Innovationen zu begeistern, und die Motivation und Entschlossenheit haben muss, Veränderungen voranzutreiben. Das gilt sowohl für die politische Arena als auch für die Festlegung von Normen und Standards in Gremien. Es erfordert auch die Fähigkeit, Menschen davon zu überzeugen, dass eine bestimmte Technologie die richtige Wahl ist. Dies ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die viel Arbeit erfordert.“
„Wenn man im Vorstand tätig ist, bringt man vielleicht auch zusätzliche Motivation und Zeit mit ein. Gerade das Thema Wachstum stellt uns in der heutigen Zeit vor enorme Herausforderungen, da sich die Märkte inmitten wiederholter Krisen ständig verändern und neue Herausforderungen mit sich bringen“, erklärte er damals gegenüber ingenieur.de.
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Führungskompetenz und Innovationsstrategie
Die größte Herausforderung in Simons beruflicher Laufbahn ist das Wachstum des Unternehmens. Dies erfordert nicht nur die Schaffung neuer Arbeitsplätze, sondern auch die Einstellung und Integration von Mitarbeitern, die die Unternehmenskultur und die Vision teilen. Simon setzt auf Innovation und Qualität, um das Unternehmen weiter voranzubringen.
„Tatsächlich ist das Gute am Wirtschaftsingenieurwesen, dass man nicht nur eine eingeschränkte Perspektive auf Technologie und Innovation hat. Man betrachtet die Dinge stets aus verschiedenen Blickwinkeln, einschließlich wirtschaftlicher Zwänge, Kundenanforderungen und Marktrends. Dabei darf man die menschliche Komponente nicht vergessen.“
Zurück zu den Wurzeln
„Ich bin kein ausgebildeter Manager. Meine Wurzeln liegen in einem Handwerksunternehmen, und ich denke immer noch wie ein Handwerker. Ich tausche mich regelmäßig mit Handwerkern aus, denn ich möchte nicht nur Strategien und Konzepte entwickeln. Mein Ziel ist es auch, meinen Input und meine Fähigkeiten aus einer vielseitigen Perspektive zu nutzen, sowohl aus technischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kunden.“ Deshalb sei es für ihn von großer Bedeutung, dass er aktiv an der Basis arbeitet und seine Erfahrungen einbringt, um maßgeschneiderte Lösungen für die Kunden zu entwickeln.
„Daher ist es mir wichtig, dass ich operativ eingreifen und rasch Produkte und Lösungen bereitstellen kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern beträgt unsere Entwicklungszeit für ein Produkt tendenziell ein bis zwei Jahre anstelle von drei bis fünf Jahren, was bedeutet, dass Effizienz für uns an erster Stelle steht“, erklärte Schandert seine Herangehensweise vor drei Jahren.
Dabei vergisst er nicht, dass hinter seinem Erfolg viele Mitarbeitende stehen. „Die Herausforderung, die vor uns liegt, kann ich nicht alleine bewältigen, und auch der Vorstand allein kann sie nicht bewältigen“, sagt er. Als Vorstand sei es entscheidend, Vertrauen in die Mitarbeiter zu setzen und sie zu ermutigen, einen maßgeblichen Beitrag zu leisten. Das Wachstum entsteht nicht nur durch den Vorstand, sondern durch das gesamte Unternehmen. „Unsere bisherige Geschichte zeigt, dass wir das bereits gut umgesetzt haben, und das spiegelt sich im aktuellen Wachstum wider“, erklärte der Unternehmer.
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Mut als Schlüssel zum Erfolg
Aber was können angehende Ingenieure und Ingenieurinnen und vielleicht auch Gründer von dieser Geschichte bzw. diesem Berufsweg lernen? Für Schandert dreht sich alles um ein Wort, und zwar um ein sehr entscheidendes Wort, wenn man das Geheimnis des Erfolgs entschlüsseln möchte.
„Mut ist von entscheidender Bedeutung, insbesondere der Mut, ein Unternehmen zu gründen. Oftmals fehlt es vielen Menschen daran, und wahrscheinlich fehlte es auch Daniel und mir damals, als wir beide sehr jung waren – ich war 25 Jahre alt, er 28 – und unser Unternehmen gründeten. In jungen Jahren neigt man dazu, Dinge nicht bis ins letzte Detail durchzudenken, aber genau dieser Mut ist es, der erforderlich ist, um Ideen erfolgreich umzusetzen. Ich würde empfehlen, Mut aufzubringen, nicht alles bis ins kleinste Detail zu planen und vor allem nicht zu konservativ zu denken. Es erfordert Mut, neue Dinge auszuprobieren“, empfiehlt er rückblickend.
Er weiß genau das: „Wir können uns in Deutschland nur behaupten, wenn wir innovativ bleiben. Deutschland ist bekannt für seine Denker und Tüftler und genau das hat uns ausgezeichnet. Ja, Chinesen können vielleicht alles günstiger produzieren und schneller skalieren, aber Innovation, das ist das, was uns Deutsche und Europäer auszeichnet. Wir müssen dranbleiben“.
Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg sei seiner Meinung nach, dass man als ein CTO oder CEO nicht versucht, alles alleine zu tun. „Ein Erfolgsfaktor war sicherlich auch, dass Daniel und ich unser Unternehmen nach einem Kooperationsmodell gegründet haben. Daniel dachte sehr kundenorientiert und finanziell, während ich aus der technischen Perspektive kam, aber auch ein tiefes Verständnis für unsere Kunden hatte. Gemeinsam waren wir erfolgreich. Dieses Modell hat sich bewährt.“
Die Welt zu einem besseren Ort machen, als wir sie vorgefunden haben
Nun nach all diesen Jahren weiß Simon Schandert, dass die Innovationen nicht unbedingt von großen Konzernen stammen, sondern oft von kleinen Startups, Universitäten und von Menschen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Und genau diese Innovationen und diese Ideen können neue Wege ebnen und die Welt verbessern. Deshalb ist er auch im Gremium des Gründerpreises tätig. Schließlich muss die gewonnene Erfahrung mit jüngeren Generationen geteilt werden. Generationen, die auch gefordert sind, sich durch innovative Ideen dem Klimawandel entgegenzusetzen.
„Wir alle teilen doch den Wunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, als wir sie vorgefunden haben“, resümierte Simon Schandert.
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