H2 im Mittelstand 10.11.2025, 16:30 Uhr

Statt Erdgas: Erster Hersteller brennt Ziegel mit 100 % Wasserstoff

Ein Ziegelhersteller aus Münster stellt seine gesamte Produktion auf grünen Wasserstoff um – und das im laufenden Betrieb. Lohnt sich das Risiko?

v.l.n.r.: Hubertus Foyer (Janinhoff), Dr. Caroline Foyer-Clitheroe (Janinhoff), Dr. Katharina Schubert (NRW.Energy4Climate), Silke Krebs (Staatssekretärin MWIKE), Stephen Clitheroe (Janinhoff). Foto: NRW.Energy4Climate

v.l.n.r.: Hubertus Foyer (Janinhoff), Dr. Caroline Foyer-Clitheroe (Janinhoff), Dr. Katharina Schubert (NRW.Energy4Climate), Silke Krebs (Staatssekretärin MWIKE), Stephen Clitheroe (Janinhoff).

Foto: NRW.Energy4Climate

Die Janinhoff GmbH & Co. KG macht ernst bei der Energiewende: Als bundesweit erster Hersteller stellt der Mittelständler seine gesamte Produktion von Erdgas auf grünen Wasserstoff um. Doch damit nicht genug: Der Umbau findet während der laufenden Produktion statt.

Wieso die Umstellung auf Wasserstoff?

Seit über hundert Jahren produziert das Familienunternehmen schon Ziegel und Klinker. Dabei kamen bislang konventionelle Brennstoffe wie Kohle und Erdgas zum Einsatz. 2024 unterschrieb das Unternehmen dann einen Klimaschutzvertrag mit der Bundesregierung. Darin verpflichtete sich Janinhoff, seine CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 60 % zu senken, bis 2042 sogar um 90 %. Um das zu erreichen, sollte grüner Wasserstoff die für die Brennprozesse nötige Energie liefern.

„Wir haben uns schon früh gefragt, wie eine Ziegelproduktion aussehen kann, wenn wir die Klimaveränderungen ernst nehmen“, erklärte Geschäftsführerin Dr. Caroline Foyer-Clitheroe in einer Pressemitteilung am 6. November. Der Klimaschutzvertrag mit der Regierung gleicht die Differenzkosten zwischen Erdgas und Wasserstoff aus – ohne diese Förderung wäre der Umstieg kaum darstellbar.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Stoffstrom- und Abfallmanagement für die Außenstelle München-Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
München-Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Sachbearbeiter Wassertechnik - Gewässerschutzbeauftragter (m/w/d) in der Außenstelle Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Umweltingenieur / Umwelttechniker als Ingenieur Abfallmanagement im Betrieb für die Außenstelle München-Maisach (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
Rolls-Royce-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Rolls-Royce
Friedrichshafen Zum Job 
Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter TGA (m/w/d) Reinraumtechnik Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG
Neckartailfingen Zum Job 
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in / Projektmanager*in (m/w/d) in der Steuerung von Großprojekten im Bereich Energiewende THOST Projektmanagement GmbH
European Energy A/S-Firmenlogo
Grid Connection Specialist - Wind / PV (m/w/d) European Energy A/S
Markkleeberg bei Leipzig Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung und -entwurf / Immissionsschutz (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Regensburg Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
VSE Verteilnetz GmbH-Firmenlogo
Technischer Sachbearbeiter Sekundärtechnik-Ausführung Schutz- und Leittechnik (m/w/d) VSE Verteilnetz GmbH
Saarwellingen Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg-Firmenlogo
Ingenieur / Ingenieurin (m/w/d) als Dezernatsleitung Planung West Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg
Potsdam Zum Job 
Regierungspräsidium Freiburg-Firmenlogo
Bachelor / Diplom (FH) (w/m/d) Bau-, Chemie-, Umweltingenieurwesen, Verfahrenstechnik Regierungspräsidium Freiburg
Freiburg Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Stuttgart-Firmenlogo
Ingenieur der Fachrichtung Landschaftsplanung / Landschaftsarchitektur / Umweltplanung (w/m/d) Staatliches Hochbauamt Stuttgart
Stuttgart, Stetten am kalten Markt Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/-in (m/w/d) für den Außendienst als Aufsichtsperson BG ETEM
Region Hannover-Braunschweig-Göttingen Zum Job 
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
Stadt Koblenz-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für die Betreuung der Hochwasserschutzanlagen Stadt Koblenz
Koblenz Zum Job 
Gemeindewerke Baiersbronn-Firmenlogo
Technische:r Betriebsleiter:in für Strom und Telekommunikation Gemeindewerke Baiersbronn
Baiersbronn Zum Job 

Aktuell verlängere man den Ofen, setze Effizienzmaßnahmen um und bereite den Anschluss an Wasserstoffpipelines vor, die bald das Münsterland erreichen sollen. Die Produktion läuft unterdessen weiter.

Bald will Janinhoff ausschließlich grünen Wasserstoff für seine Produktion nutzen. Foto: NRW.Energy4Climate

Bald will Janinhoff ausschließlich grünen Wasserstoff für seine Produktion nutzen.

Foto: NRW.Energy4Climate

Welche technischen Hürden gibt es?

Das ist alles andere als trivial. Denn die wasserstoffhaltige Atmosphäre im Ofen bringt neue Herausforderungen mit sich: veränderte Flammeneigenschaften, erhöhter Wasserdampfanfall und Auswirkungen auf die Ofenmauerung.

Besonders knifflig: Der Hersteller muss weiterhin auf Kundenwünsche eingehen können, etwa bezüglich der Farbgebung von Anthrazit bis klassischem Ziegelrot. Diese Parameter im Brennprozess auch mit Wasserstoff zu beherrschen, gehört bei Ziegelfabrikant Janinhoff zu den zentralen Aufgaben bei der Umstellung.

„Das unternehmerische Risiko ist nicht zu unterschätzen, insbesondere weil die gesamten Infrastrukturkosten bei uns liegen“, unterstreicht Foyer-Clitheroe. Gemeint sind vor allem die Kosten für den Anschluss an die Pipelines des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes, für die das Unternehmen selbst aufkommen muss.

Welche Vorteile bringt Wasserstoff beim Brennprozess?

Die Umstellung auf Wasserstoff könnte technische Vorteile bringen. Forschungsprojekte wie KLIMAZIEGPROD des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigen: Wasserstoff verändert den Brennprozess grundlegend.

Durch die wasserdampfhaltige Ofenatmosphäre lässt sich die Brenntemperatur absenken. Erste Versuche legen nahe, dass mit Wasserstoff gebrannte Hintermauerziegel eine rund 15 % höhere Druckfestigkeit aufweisen als Ziegel, die mit Erdgas bei gleicher Temperatur gebrannt wurden.

Ein weiterer Vorteil: Wasserstoff benötigt für die Verbrennung weniger Luft als Erdgas. Dadurch muss eine kleinere Luftmenge im Ofenraum erwärmt werden – bei Versuchen in einem Kammerofen führte das zu etwa 7 % Energieeinsparung. „Wir erwarten, dass mit dem Einsatz von Wasserstoff zusätzlich Energie eingespart werden kann“, resümieren die Forschenden aus dem KLIMAZIEGPROD-Projekt.

Ist die Idee übertragbar?

Zwei Drittel des Endenergiebedarfs der deutschen Industrie fließen in die Wärmeerzeugung für Prozesse wie Brennen, Schmelzen oder Schmieden. Alleine die deutschen Ziegelhersteller verursachen jährlich rund 1,74 Mio. Tonnen CO2 – hauptsächlich durch den Einsatz von Erdgas in den Brennöfen. Eine vollständige Substitution durch regenerativ gewonnenen Wasserstoff könnte potenziell fast 1,09 Mio. t des klimaschädlichen Gases einsparen.

Das Land Nordrhein-Westfalen und die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate unterstützen das Vorhaben aus Münster deshalb. „Janinhoff zeigt: Klimaneutralität ist keine Utopie, sondern umsetzbare Realität – auch in der energieintensiven Industrie und auch im Mittelstand“, betont Katharina Schubert, Geschäftsführerin von NRW.Energy4Climate.

In KLIMAZIEGPROD haben Wissenschaftler schon die Brennergruppe eines Tunnelofens auf den Betrieb mit bis zu 100 % Wasserstoff umgerüstet. Nach Projektende ist die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis bei einem der Projektpartner geplant. Ebenso streben die Forschenden den brancheninternen und -externen Transfer auf weitere Baustoffe an. Dabei dürften dann auch die ersten Erfahrungen aus Münster eine Rolle spielen.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.