Ausrollen und Strom ernten: Solarmarkisen kommen auf den Camper
Solarmarkisen für Camper erzeugen Strom und Schatten zugleich. Rollbare Module sparen Platz und versorgen Kühlschrank, Licht und Geräte autark.
Die Firma Ective aus Freiberg am Neckar präsentiert auf dem Caravan Salon 2026 erstmals mit dem „SolarShade“ eine rollbare Solarmarkise, Gedacht ist sie speziell für Campervans und Kastenwagen wie Mercedes Sprinter, VW California, MAN TGE oder ähnliche Fahrzeuge.
Foto: (c) 2023 Lobachad/Shutterstock/ECTIVE
Solarmodule für den Campingurlaub sind an sich nichts Neues. Für die Dächer von Campervans gibt es sie bereits, ebenso aufstellbare Paneele. Doch diese Module, sind starr. Dabei ist der Platz meistens begrenzt durch Dachfenster, Klimaanlagen oder Satellitenschüsseln.
Da ist der Schritt zu ausrollbaren Solarmarkisen nur konsequent. Denn wird das Paneel im Rollkasten verstaut wie eine gewöhnliche Markise, verbraucht sie keinen Platz mehr im Wohnmobil. Ein riesiger Markt ist das noch nicht. Aber mindestens zwei große Anbieter sind auf dem Caravan Salon vertreten, der vom 28. August bis 6. September 2026 in Düsseldorf stattfindet.
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Campervans und Solarmodule reizt zum „Do it yourself“
Bisher gibt es Solarmodule für den Campingbus meistens im Eigenbau. Max Heermann-Többenotke etwa, Student der HS Osnabrück, verwandelte einen alten VW T2 in einen Elektrovan und montierte dabei auch ausklappbare Solarpaneele aufs Dach (VDI nachrichten berichtete). Die bringen ihm bis zu 30 kWh, was pro (sonnigen) Tag etwa einer zusätzlichen Reichweite von rund 120 km entspricht. Zugleich bieten sie bei zu starker Sonne Schatten.
Unter dem Namen „Soleva“ haben Schweizer Bastler einen 40 Jahre alten Peugeot J9 Kleintransporter in einen vollelektrischen Campingbus umgebaut. Solarpaneele können vom Dach nach rechts und links ausgefahren werden, sodass sie insgesamt eine Fläche von 24 m2 erreichen und Strom und Schatten spenden. Die Eigentümer fahren mit ihrem Wagen, der bidirektional laden kann, bewusst zu Schulen sowie zu Festivals – um dort über Elektromobilität aufzuklären und ihren kostenlosen Solarstrom „auszuleihen“ (V2X für „Vehicle-to-Everything“).
Der Markt für kommerzielle rollbare Solarmodule indes kam bisher noch nicht so recht in Schwung. Dabei kündigte bereits 2021 die Firma Xponent eine Solarmarkise an, die 1,2 kW Spitzenleistung bieten solle. Auf den Markt kam das Modell lange nicht, in den USA ist es inzwischen online bestelltbar.
Genug Strom aus Solarmarkisen für Kühlschrank, Licht und Handyladen
Die Firma Ective aus Freiberg am Neckar präsentiert auf dem Caravan Salon 2026 erstmals mit dem „Solarshade“ eine rollbare Solarmarkise. Gedacht ist sie speziell für Campervans und Kastenwagen wie Mercedes Sprinter, VW California, MAN TGE oder ähnliche Fahrzeuge. Verträge über Serienproduktionen gebe es noch nicht. Aber der Einbau könne von jedem Markisenprofi vorgenommen werden, sagt Alexej Tuchscherer, Produktentwickler bei Ective, gegenüber VDI nachrichten.
Ective bietet zudem einen eigenen Solarladeregler an, der per Anzeigemodul oder per Bluetooth auf dem Smartphone ausgibt, wie viel Ladeleistung aktuell ankommt. Der Hersteller erklärt, die Markise müsse nicht immer vollständig ausfahren, um Strom zu generieren. Auch wenn sie – etwa bei Wind – nur zur Hälfte oder zu einem Drittel ausgefahren ist, erzeuge sie Strom. Das Gewicht gibt der Hersteller mit 45 kg an. Allerdings falle das Gewicht für ein Solarpaneel auf dem Dach weg. In die Markise eingelassen sind LED-Streifen, die abends Licht spenden. Die Solarpaneele basieren auf CIGS-Technik (Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid).
Solarshade wird voraussichtlich ab 2027 erhältlich sein, das in zwei Größen und in den Farben Schwarz und Weiß. Die kleinere Version mit den Maßen 350 cm x 200 cm bringt 465 W und kostet 3999 €. Die Version mit den Maßen 400 cm x 200 cm liefert 510 W und ist demnächst für 4499 € erhältlich. Der Hersteller geht von bis zu 4,5 kWh/d Stromernte bei guten Bedingungen aus. Das wäre genug für Kühlschrank, Licht und Stromanschluss im Wohnmobil. Ective entwickelt und vertreibt seit 2013 Lösungen für die autarke und mobile Stromversorgung vor allem für Reisemobile, Campervans und Boote (Caravan Salon 2026: Halle 13/F17).

Prototypen aus Deutschland
Auch Renogy, ein amerikanischer Anbieter von Off-Grid-Solar- und Energiesystemen, wird auf dem Caravan Salon (Halle 13/E72) eine Solarmarkise für Camper vorstellen. Die soll es in vier Größen geben: von 3 m bis 4,50 m Breite mit Leistungen zwischen 200 W und 400 W. Die Markise kann auf Knopfdruck von einem Motor ein- und ausgerollt werden. Die 3,5 m lange Version soll Berichten zufolge zwischen 2000 € und 2200 € kosten.
Unter dem Namen „PV-Innovation“ startete der deutsche Solarexperte Thomas Rösener 2018 ein Unternehmen, das mit der „Solar Shadow“ eine solare Faltmarkise entwickelt. Rösener, der bereits seit 2004 für verschiedene Solarunternehmen gearbeitet hat, meldete 2018 ein Gebrauchsmuster an. Die von Rösener entwickelten Solarmodule sind als Schindeln aufgebaut: ausziehbare Rechteckmodule, die im eingefahrenen Zustand übereinanderliegen. Derzeit befinde sich das Produkt noch im Prototypenstatus, sagt der Erfinder gegenüber VDI nachrichten. Er suche noch nach Investoren.
Auch eine Rollmarkise hat Rösener vor vier Jahren als Patent angemeldet. Hier soll es beim Zusammenrollen – anders als bei Standardmarkisen häufig der Fall – keine Faltenbildung geben. Die Produktion von Sonderanfertigung nach Kundenwunsch und Übergrößen sind möglich. Die Leistung liege zwischen 80 W/m2 bei Modulen mit Dünnschichttechnik und 160 W/m2 bei kristallinen Solarmodulen. Die Plug-and-Play-Lösung soll sowohl für Wohngebäude als auch für Wohnmobile genutzt werden können und mit handelsüblichen Wechselrichtern und verschiedenen Speichertechnologien kombiniert werden können, teilt Rösener mit.
Die in Israel ansässige Firma Apollo hat eine rollbare Markise speziell für Campingwagen und Wohnmobile entwickelt. Die Do-it-yourself-Lösung von der Größe 1,7 m x 2,25 m wird vor allem damit beworben, sehr leicht zu sein – 1 kg/m2 – sowie einfach in der Montage. Die Solarmarkise kann laut Hersteller 480 W Nennleistung liefern.
Schulfreunde aus Essen entwickeln Solarmarkise
Schlagzeilen machten im Sommer fünf Gründer im Alter zwischen 21 und 28 Jahren aus Essen. Sie präsentierten die „Solarmarkise“ – eine herkömmliche Markise, bei der sie den Stoff durch ein Dünnschichtsolarpaneel ersetzten. Eugen Mangazeev, der zuvor als Mitarbeiter des Solarunternehmens Enpal Erfahrungen im Bereich Photovoltaik gesammelt hat, hatte die Idee Ende 2024. Den verwendeten Stoff fand er auf der „Canton Fair“ in China.
Bisher hat das kleine Unternehmen zehn Markisen in Handarbeit produziert, größtenteils für die Gastronomie. Doch es gebe bereits Gespräche mit Herstellern über eine mögliche Serienanfertigung, teilen die Initiatoren gegenüber VDI nachrichten mit. „Auf eine Trägerfolie werden monokristalline Siliziumzellen appliziert“, erklärt Adrian Schmidt, Mitbegründer der Firma. „Darüber kommen eine Glasschutzschicht sowie eine flexible Schutzschicht.“
Die Zellen sind aufgeteilt in kleine Abschnitte, zwischen denen ein Abstand liegt und so das Aufrollen ermöglicht. Die Rolle muss dabei einen Radius von mindestens 65 mm haben. Es gibt die Solarmarkise in zwei Größen: M (3 m x 3 m, 1350 W) und L (4 m x 3 m). Die Kosten der Markise M belaufe sich auf 5500 € – das seien gerade einmal 500 € mehr als bei einer normalen Markise, so die Erbauer. Und die hätten sich nach rund einem Jahr amortisiert. Im Preis enthalten sei zudem der Aufbau. Im Solarmodul sind Bypassdioden verbaut, sodass die Markise auch nicht vollständig ausgerollt noch Strom liefert. Gedacht ist die Markise allerdings vorerst für Balkons und Gärten. Ein Produkt explizit für Camper ist noch nicht angedacht. Ausgeschlossen ist die Weiterentwicklung für den Camper-Markt indes nicht, teilen die jungen Unternehmer mit.
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