Large Hadron Collider 31.01.2026, 15:35 Uhr

Abwärme nutzen: So heizt CERN jetzt ganze Wohngebiete

CERN nutzt Abwärme des Large Hadron Collider, um tausende Haushalte zu heizen. Ein neues Fernwärmenetz macht Forschungshitze nutzbar.

Cern Teilchenbeschleuniger

Statt Kühlturm: CERN speist Abwärme aus dem LHC in ein Fernwärmenetz bei Ferney-Voltaire ein und spart tausende Tonnen CO₂.

Foto: picture alliance/KEYSTONE | LAURENT GILLIERON

Was normalerweise als Abwärme verpufft, landet nun in Heizkörpern. Am europäischen Kernforschungszentrum CERN wird seit Kurzem Wärme aus dem Kühlsystem des Large Hadron Collider genutzt, um Wohn- und Gewerbegebäude zu versorgen. Ein neues Wärmeaustauschsystem speist die Energie in ein Fernwärmenetz der nahe gelegenen französischen Stadt Ferney-Voltaire ein. Das Projekt zeigt, wie Grundlagenforschung und kommunale Energieversorgung zusammenfinden können.

Abwärme statt Kühlturm

Der LHC ist ein 27 km langer Ringbeschleuniger mit acht sogenannten Oberflächenpunkten. Einer davon, Punkt 8, liegt in der Nähe von Ferney-Voltaire. Dort laufen unter anderem kryotechnische Anlagen, die ständig gekühlt werden müssen. Dabei erwärmt sich das Kühlwasser. Bisher ging diese Wärme über Kühltürme an die Umgebungsluft verloren.

Das hat sich geändert. „Normalerweise würde das heiße Wasser dann durch einen Kühlturm geleitet werden, um die Wärme an die Atmosphäre abzugeben“, sagt Nicolas Bellegarde, Energiekoordinator am CERN. „In der neuen Anlage wird das heiße Wasser zunächst durch zwei 5-MW-Wärmetauscher geleitet, die die Wärmeenergie an das neue Heizungsnetz in Ferney-Voltaire übertragen.“

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter TGA (m/w/d) Reinraumtechnik Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG
Neckartailfingen Zum Job 
naturenergie netze GmbH-Firmenlogo
Ingenieur als Teamleiter Netzleitstelle (m/w/d) naturenergie netze GmbH
Rheinfelden (Baden), Donaueschingen Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
Duale Hochschule Sachsen (DHSN)-Firmenlogo
W2-Professur für "Umweltanalytik und Umwelttechnik" (m/w/d) Duale Hochschule Sachsen (DHSN)
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur / Elektrotechniker (m/w/d) AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Alltech Dosieranlagen GmbH-Firmenlogo
Vertriebs- und Projektingenieur (m/w/d) Schwerpunkt: Verfahrenstechnik / Umwelttechnik / Elektrotechnik Alltech Dosieranlagen GmbH
Weingarten Zum Job 
SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH-Firmenlogo
Vermessungsingenieur / Geodäsie (m/w/d) SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH
Gießen Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Region Hamburg, Berlin oder Düsseldorf / Köln (West) Zum Job 
Landkreis Wesermarsch-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur*in (m/w/d) / Bachelor / Master der Fachrichtungen Agrarwirtschaft, Landespflege, Landschaftsplanung/-entwicklung oder Landschaftsökologie Landkreis Wesermarsch
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
PhD Position - Techno-economic assessment of geothermal plants with material co-production in energy systems Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Landkreis Friesland-Firmenlogo
Kommunaler Energiemanager (m/w/d) Landkreis Friesland
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für Geotechnik, Abfall, Altlasten und Georisiken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
HIC Consulting-Firmenlogo
Geschäftsführer (m/w/d) HIC Consulting
Hamburg Zum Job 
Hochschule Emden/Leer-Firmenlogo
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in im Projekt "OS-Lotse" Hochschule Emden/Leer
Stadt Langenhagen-Firmenlogo
Leiter (m/w/d) der Abteilung Stadtgrün und Friedhöfe Stadt Langenhagen
Langenhagen Zum Job 

Bis zu 10 MW aus der Forschung

Aktuell liefert das CERN bis zu 5 MW thermische Leistung an das Netz. Technisch wären mit den zwei installierten Wärmetauschern bis zu 10 MW möglich. Das hängt vom Betrieb der Beschleuniger ab. Wenn der LHC mit hoher Leistung läuft, fällt mehr Abwärme an. Dann steigt auch das Potenzial für die Wärmeabgabe.

Seit Mitte Januar fließt die Energie in ein neu aufgebautes Fernwärmenetz für ein Wohn- und Gewerbegebiet. Eingeweiht wurde das Netz bereits am 12. Dezember. Es soll perspektivisch mehrere tausend Haushalte versorgen. Durch den Ersatz von Gas und anderen fossilen Energieträgern lassen sich so jährlich tausende Tonnen CO₂ vermeiden.

Wartungspause mit Restwärme

Im Sommer 2026 geht der LHC in den sogenannten Long Shutdown 3. Die Anlage wird dann für mehrere Jahre abgeschaltet und für den High-Luminosity-Betrieb umgebaut. Komplett kalt wird es trotzdem nicht. Einige Anlagen an Punkt 8 müssen weiter gekühlt werden. In dieser Zeit kann das CERN weiterhin zwischen 1 und 5 MW Wärme liefern. Nur in insgesamt fünf Monaten über den gesamten Stillstand verteilt ist keine Einspeisung möglich.

Für die Stadt bedeutet das: Das Fernwärmenetz braucht mehrere Quellen. Die CERN-Wärme ist ein wichtiger Baustein, aber nicht die einzige Säule. Genau darauf ist das System ausgelegt.

Teil einer größeren Energiestrategie

Die Wärmerückgewinnung passt in eine umfassendere Energiestrategie des CERN. Ziel ist es, den Energieverbrauch zu senken, effizienter zu werden und unvermeidbare Abwärme sinnvoll zu nutzen. Das Energiemanagement orientiert sich an der Norm ISO 50001.

Weitere Projekte sind bereits umgesetzt oder in Vorbereitung. 2024 nahm das CERN ein neues Rechenzentrum in Prévessin in Betrieb. Es verfügt über ein eigenes Wärmerückgewinnungssystem. Ab dem Winter 2026/2027 soll es den Großteil der Gebäude an diesem Standort beheizen. Zudem ist geplant, Wärme aus den Kühltürmen von LHC-Punkt 1 zu nutzen, um Gebäude am CERN-Standort Meyrin zu versorgen.

Zusammengenommen sollen diese Maßnahmen ab 2027 jährlich 25 bis 30 GWh Energie einsparen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.