Mehr Reichweite, weniger Verschleiß 18.03.2026, 08:16 Uhr

Silizium im Griff: Lasertechnik stoppt das zentrale Batterieproblem

Neue Laser-Anode verbessert Silizium-Batterien: hohe Kapazität, stabile Zyklen und Schnellladen – aber noch im Labormaßstab.

Ein Elektroauto beim Ladevorgang

Ein Elektroauto beim Ladevorgang: Neue Anodenmaterialien könnten künftig schnelleres Laden ermöglichen und die Alterung der Batterie deutlich reduzieren.

Foto: Smarterpix / aapsky

Die Leistungsgrenzen von Lithium-Ionen-Batterien verschieben sich zunehmend auf die Anode. Während Kathodenmaterialien bereits stark optimiert sind, bleibt die Anode ein Engpass – vor allem, wenn es um Energiedichte und Schnellladen geht.

Silizium gilt seit Jahren als vielversprechender Kandidat. Theoretisch kann es ein Vielfaches an Lithium speichern. In der Praxis scheitert der Einsatz jedoch oft an einem bekannten Problem: Das Material dehnt sich beim Laden massiv aus und verliert dabei seine strukturelle Integrität.

Ein Team der Universität Tel Aviv verfolgt nun einen anderen Ansatz. Statt einzelne Schwächen zu adressieren, kombinieren die Forschenden mehrere Prozessschritte in einem einzigen Laserverfahren – inklusive Vorlithierung.

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Silizium: hohe Kapazität, instabile Struktur

Silizium kann deutlich mehr Lithium aufnehmen als Graphit. Das macht es für Batterien attraktiv, die hohe Energiedichten erreichen sollen. Gleichzeitig führt die Aufnahme von Lithium zu Volumenänderungen von bis zu 400 %.

Diese Expansion erzeugt mechanische Spannungen. Partikel brechen auf, Kontakte gehen verloren, und die sogenannte SEI-Schicht – eine Grenzschicht zwischen Elektrolyt und Elektrode – wächst unkontrolliert weiter. Das kostet Lithium und reduziert die Effizienz.

Ein zentraler Ansatz, um diese Verluste zu begrenzen, ist die Vorlithierung. Dabei wird Lithium bereits vor dem ersten Ladezyklus in die Anode eingebracht, um irreversible Verluste zu kompensieren.

Ein Prozess statt vieler Einzelschritte

Genau hier setzt die neue Methode an. Die Forschenden nutzen eine Mischung aus Silizium-Nanopartikeln, Phenolharz und handelsüblichen Lithiumsalzen. Diese wird anschließend mit einem Laser behandelt.

Während der Bestrahlung laufen mehrere Prozesse gleichzeitig ab:

  • Das Harz wird in eine leitfähige Kohlenstoffstruktur umgewandelt (laserinduziertes Graphen, LIG)
  • Silizium wird direkt in diese Matrix eingebettet
  • Lithium reagiert an der Oberfläche der Partikel

Die Vorlithierung erfolgt dabei in situ, also direkt während der Materialbildung. Separate Prozessschritte entfallen vollständig.

Künstliche Grenzschicht stabilisiert die Anode

Ein entscheidender Effekt entsteht an der Oberfläche der Silizium-Partikel. Dort bildet sich eine dünne Schicht aus Lithium-Silikaten mit einer Dicke von etwa 10 nm.

Diese Schicht wirkt wie eine vorweggenommene SEI:

  • Sie reduziert unerwünschte Nebenreaktionen
  • Sie stabilisiert die Oberfläche mechanisch
  • Sie verbessert den Lithiumtransport

Der Siliziumkern bleibt dabei weitgehend kristallin und aktiv. Die eigentliche Speicherkapazität geht also nicht verloren.

Funktionsweise

Forschende kombinieren Herstellung und Vorlithierung per Laser. Ergebnis: leistungsstarke Silizium-Anoden mit geringer Alterung.

Foto: Avinash Kothuru, Gil Daffan, Fernando Patolsky*, CC BY-NC-ND 4.0

Leistungsdaten im Labor

Die elektrochemischen Ergebnisse zeigen ein konsistentes Bild – allerdings unter Laborbedingungen:

  • spezifische Kapazität: >1700 mAh/g
  • Anfangseffizienz (ICE): >97 %
  • 98 % Kapazität nach 2000 Zyklen
  • 83 % nach mehr als 4500 Zyklen

Auch bei hohen Lade- und Entladeströmen bleibt die Leistung stabil. Bei 10 A/g werden noch rund 63 % der maximalen Kapazität erreicht.  Das deutet auf gute Transportprozesse im Material hin – sowohl für Ionen als auch für Elektronen.

Wichtig ist die Einordnung: Diese Werte stammen aus Halbzellen unter kontrollierten Bedingungen. In vollständigen Batteriesystemen können die Ergebnisse abweichen.

Ein Ansatz, der mehrere Probleme gleichzeitig löst

Der Fortschritt liegt nicht in einem neuen Einzelmaterial, sondern im Zusammenspiel von Struktur und Herstellungsprozess. Genau daran scheitern viele bisherige Konzepte.

Klassische Vorlithierungsverfahren sind aufwendig. Sie bestehen aus mehreren Schritten, reagieren empfindlich auf Luft und lassen sich nur schwer in industrielle Abläufe integrieren. Oft kommen reaktive Materialien zum Einsatz, die zusätzliche Sicherheits- und Prozessanforderungen mitbringen.

Der Laseransatz dreht das Prinzip um. Die entscheidenden Reaktionen laufen direkt während der Materialbildung ab – unter normalen Umgebungsbedingungen und mit gängigen Lithiumsalzen. Zusätzliche Bindemittel oder leitfähige Additive entfallen.

Am Ende steht eine Elektrode, die bereits vollständig ausgebildet ist. Sie entsteht direkt auf dem Stromkollektor und kann ohne weitere Nachbearbeitung in eine Zelle integriert werden.

Skalierung: Potenzial vorhanden, aber offen

Die Forschenden zeigen, dass sich das Verfahren auf größere Flächen übertragen lässt. Demonstriert wurden Proben mit etwa 20 cm Länge.  Zudem erscheint eine Integration in kontinuierliche Fertigungsprozesse wie Roll-to-Roll grundsätzlich möglich.

Ob sich das Verfahren industriell durchsetzt, hängt jedoch von weiteren Faktoren ab:

  • Prozessgeschwindigkeit und Energiebedarf der Laserbearbeitung
  • Reproduzierbarkeit im großen Maßstab
  • Integration in bestehende Zellarchitekturen

Diese Fragen sind noch nicht abschließend geklärt.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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