Partnerschaft unter Hochdruck: Wenn Führungskompetenz auch privat zählt
In der oberen Etage der Wirtschaft sind Zeit, Privatsphäre und Diskretion das knappste Gut. Philipp Schwarzenberg, Geschäftsführer der exklusiven Partnervermittlung Sympathica, erklärt, warum Top-Entscheider ihre Partnersuche zunehmend outsourcen, wie Ingenieure und Führungskräfte ticken und welche Parallelen zwischen Executive Search und Liebe bestehen.
Wenn Zeit knapp und Erwartungen hoch sind: Philipp Schwarzenberg über Beziehungen im Spannungsfeld von Karriere und Privatleben.
Foto: Paul Königer für Sympathica
Herr Schwarzenberg, zuerst vielleicht zur Einordnung. Können Sie kurz erklären, was Sie genau machen?
Philipp Schwarzenberg: Klar. Wir sind die Partnervermittlung Sympathica, ein Familienunternehmen, gegründet 1985 von meiner Mutter und von mir jetzt in zweiter Generation weitergeführt. Ich stehe seit 2016 als Nachfolger fest, die vollständige formelle Übergabe ist natürlich ein Prozess – typische Familienunternehmer-Themen. Wir sind spezialisiert auf Partnervermittlung für Akademiker, Unternehmer, Selbstständige und Führungskräfte, darunter Mediziner, Juristen, Ingenieure, in großen Konzernen wie auch kleineren Unternehmen, teilweise bis zur Forbes-Liste.
Und warum diese Zielgruppe?
Meine Mutter hat in den 90er Jahren festgestellt, dass diese Gruppe größere Schwierigkeiten bei der Partnersuche hat. Wir konnten ihr gezielter helfen als mit einer allgemeinen Vermittlung. Das ist bis heute unsere Kernkompetenz: Paare zusammenzubringen, die auf Augenhöhe sind, gleiche Werte teilen und eine stabile Partnerschaft wollen.
Herausforderungen für Frauen und Männer
Sie haben gesagt, dass diese Gruppe es schwerer hat. Was sind die größten Herausforderungen?
Zunächst muss man zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Für Frauen ist es sehr schwer, einen integren Partner zu finden, der wirklich auf Augenhöhe begegnet. Für Männer ist oft die größte Sorge, dass sie nicht wegen ihrer Persönlichkeit geliebt werden, sondern wegen Status, Vermögen oder beruflicher Leistung.
Und Führungskräfte haben ja sowieso wenig Zeit…
Genau. Wer in einer exponierten Position arbeitet, braucht Verständnis vom Partner. Meine Partnerin ist selbst Unternehmerin, sie kennt die Anforderungen, die Konflikte, die Verantwortung. Das erleichtert den Alltag enorm. Jemand, der in einem völlig anderen Umfeld tätig ist, könnte das nur sehr schwer nachvollziehen.
Ingenieure: analytisch, fokussiert, emotional
Sie haben Ingenieure erwähnt. Gibt es Besonderheiten?
Ja, Ingenieure sind extrem fokussiert, analytisch, strukturiert. Viele denken rational, auch in Beziehungen. Aber das bedeutet nicht, dass sie unemotional sind – sie haben Leidenschaft, Temperament und Gefühle. Es geht darum, ihnen zu zeigen, wie Nähe funktioniert, ohne dass es erzwungen wirkt.
Gibt es Unterschiede zwischen Ingenieurinnen und Ingenieuren?
Nicht signifikant. Geschlechterpräferenzen wirken sich in Persönlichkeit und Lebensweise aus, aber es gibt keine Eigenschaft, die Ingenieure grundsätzlich anders macht. Entscheidend ist Passung: gleiche Werte, ähnliche Intellektuelle Ebene, kompatible Lebensziele.
Diskretion und Privatsphäre
Wie gehen Sie mit Diskretion um?
Absolute Geheimhaltung. Alles bleibt intern. Wenn zwei Menschen sich schon kennen, werden sie nicht zusammengebracht. Wir schließen den Vorgang und starten einen neuen, sodass niemand ungewollt Informationen erhält. Das schützt Privatsphäre und Reputation.
Funktioniert das nach Branchen oder Interessen?
Nach Wunsch. Ein Ingenieur kann mit einer Ingenieurin zusammengebracht werden, wenn er das möchte, oder jemand bevorzugt Unternehmer, Juristen, geregeltes Arbeitsverhältnis. Wir berücksichtigen individuelle Präferenzen, um die Passung zu maximieren.

Partnersuche als strukturierte Entscheidung
Sie vergleichen das oft mit Executive Search.
Ja, Kompatibilität ist entscheidend. Im Beruf prüft man Team und Werte, dass alles zusammenpasst. Genauso in der Partnerschaft. Wer Führungskräfte ausgewählt hat, wird erkennen, dass gleiche Werte, Ziele und Lebensrhythmus für stabile Beziehungen wichtig sind.
Zeitmanagement ist ein Thema, oder?
Absolut. Gerade stark eingesetzte Führungskräfte müssen sehr bewusst mit ihrer Zeit umgehen. Das bedeutet oft, Prioritäten zu setzen, feste Zeitfenster im Kalender zu blockieren und sich aktiv Raum für die Partnersuche zu schaffen. Ohne eine solche Planung funktioniert es in der Praxis kaum. Wer international unterwegs ist, zwischen Standorten pendelt oder hohe Verantwortung trägt, kann sich nicht auf Zufälle verlassen. Beziehungen entstehen auch in diesen Kreisen nicht nebenbei – sie brauchen Struktur, Verlässlichkeit und die bewusste Entscheidung, ihnen Zeit einzuräumen.
Vertrauen und Kontrolle
Macht und Verantwortung spielen sicher eine Rolle?
Ja, auf jeden Fall. Führungskräfte, die täglich Verantwortung tragen, entwickeln in der Regel ein sehr klares Verständnis dafür, was auch ein Partner braucht. Vertrauen ist dabei ein zentraler Punkt. Wer im Beruf souverän führt, Aufgaben delegieren kann und Verantwortung teilt, ist meist auch privat in der Lage, Vertrauen zu schenken. Das gilt in beide Richtungen. Wer hingegen dazu neigt, alles zu überwachen oder permanent zu steuern, wird es deutlich schwerer haben, eine harmonische Partnerschaft zu gestalten.
Also gilt Führungskompetenz auch für Partnerschaften?
Absolut. Wer souverän, empathisch und strukturiert führt, bringt in der Regel Eigenschaften mit, die auch in einer Beziehung tragfähig sind. Persönliche Stärken zeigen sich selten nur in einem Lebensbereich. Die Fähigkeit zuzuhören, Vertrauen zu geben, klar zu kommunizieren und Verantwortung zu übernehmen – all das spiegelt sich sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext wider.
Stolpersteine bei der Partnersuche
Wo stoßen Sie an Grenzen?
Beratungsresistenz oder Misstrauen. Wer an alten Mustern festhält oder sich zu stark kontrolliert, tut sich schwer. Auch äußere Wahrnehmung spielt eine Rolle: Kleidung, Auftreten, Wertschätzung zeigen. Wer hier große Dissonanzen hat, transportiert das auch auf Beziehungen.
Also kleine, praktische Hinweise sind entscheidend?
Genau. Kleidung, Auftreten, positive Kommunikation, den Moment genießen – das sind Dinge, die den ersten Eindruck prägen. Wer zu sehr auf Probleme fokussiert, blockiert Nähe.
Empfehlungen für Ingenieure und Führungskräfte
Was würden Sie Ingenieuren empfehlen, die Single sind?
Erst einmal Selbstreflexion: Welche Stärken bringe ich ein, beruflich und privat? Dann diese Eigenschaften bewusst einsetzen, authentisch bleiben, Priorität für Partnersuche setzen, vielleicht sogar Zeitblocker einrichten. Ob man Kontakte selbst sucht, online oder über Agenturen – entscheidend ist, dass Partnersuche Chefsache wird, nicht nur ein Hobby.
Also ähnlich wie ein Bewerbungsprozess?
Ganz genau. Vorauswahl, Screening, Einzelvorschläge. Kein Überangebot, keine Parallelprozesse. Konzentration auf einen Menschen, Aufmerksamkeit für die individuellen Stärken und Sympathien. Das funktioniert wie beim Recruiting: Qualität vor Quantität.
Was ist die zentrale Botschaft für Führungskräfte und Ingenieure?
Meine zentrale Botschaft ist, die Partnersuche bewusst zu priorisieren und ähnlich strukturiert anzugehen wie ein wichtiges Projekt. Das bedeutet zunächst, die eigenen Stärken und Erwartungen ehrlich zu analysieren und sich klarzumachen, welche Lebensform und welcher Mensch wirklich passen. Gleichzeitig ist es entscheidend, feste Zeitfenster einzuplanen und die Suche nicht dem Zufall zu überlassen.
Ebenso wichtig ist der Blick auf Augenhöhe und gemeinsame Werte. Gerade bei Menschen mit hoher Verantwortung und klaren Lebensstrukturen entscheidet weniger die Inszenierung als vielmehr die Passung im Alltag. Wenn Partnersuche mit Struktur, Authentizität und Diskretion angegangen wird, kann sie nicht nur effizient, sondern auch sehr erfüllend sein – im Grunde ähnlich wie erfolgreiche Führung im beruflichen Kontext.
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