DIW sieht Warnsignal: Frauenanteil im Top-Management stagniert
Trotz Gesetzen und Quoten: In vielen Unternehmen wächst vor allem der Männeranteil in Vorständen. DIW sieht ein klares Warnsignal.
Mit dem ersten und zweiten Führungspositionengesetz ist Bewegung in die obersten Etagen der Unternehmen gekommen. Allerdings ist der Aufwärtstrend von bei der Frauenquote ins Stagnieren gekommen. Das belegen Zahlen des DIW.
Foto: panthermedia.net/ Jakub Jirsák
Die Frauenanteile in Vorständen und Aufsichtsräten stagnieren im vergangenen Jahr, teilweise sind sie sogar gesunken sind. Das zeigt das aktuelle Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
Im Spätherbst des vergangenen Jahres stagnierte der Anteil der Vorständinnen in den meisten untersuchten Unternehmensgruppen bei maximal etwa 20 %, teilweise war er sogar rückläufig. In vielen Fällen war dies laut DIW nicht auf eine sinkende Zahl von Frauen in Vorständen zurückzuführen, sondern auf einen im Vergleich zum Vorjahr stärkeren Zuwachs männlicher Vorstandsmitglieder. Eine Ausnahme bildet der Finanzsektor, in dem der Frauenanteil in den Vorständen zulegen konnte.
Inhaltsverzeichnis
Daten von mehr als 500 Unternehmen
In die aktuelle Analyse flossen Daten von mehr als 500 Unternehmen ein, darunter die 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, die 160 DAX-Unternehmen sowie die 100 größten Banken, 60 Versicherungen und über 70 Unternehmen mit Bundesbeteiligung.
„Noch ist unklar, ob wir es mit einer kurzfristigen Delle oder dem Beginn einer längeren Stagnation beim Frauenanteil in Spitzenpositionen zu tun haben“, sagt Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics im DIW Berlin. „Klar ist aber: Die jüngste Entwicklung ist ein Warnsignal, dass Fortschritte bei der Gleichstellung in Führungspositionen kein Selbstläufer sind.“
DAX-40 und Unternehmen mit Bundesbeteiligung gehen voran
Über die vergangenen 20 Jahre hinweg fällt die Bilanz des DIW dennoch positiv aus. Seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2006 sei der Frauenanteil in den obersten Entscheidungsgremien großer Unternehmen hierzulande deutlich gestiegen. So lag der Anteil der Vorständinnen etwa in den 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors 2006 noch bei gut 1 %, im Spätherbst 2025 betrug er rund 19 %.
Auch Unternehmen mit Bundesbeteiligung weisen laut Wrohlich seit Jahren überdurchschnittlich hohe Frauenanteile in den Vorständen auf und liegen trotz eines leichten Rückgangs in den vergangenen beiden Jahren mit rund 32 Prozent weiterhin an der Spitze.
Frauen in Führungspositionen wirken Geschlechterstereotypen entgegen
Dass die Entwicklung der Frauenanteile in Führungspositionen nicht nur für die Zusammensetzung von Vorständen und Aufsichtsräten relevant ist, sondern darüber hinaus wirkt, zeigt eine weitere Studie im Rahmen des diesjährigen Managerinnen-Barometers. Auf Basis eines Befragungsexperiments untersuchte sie, wie Beschäftigte die Gerechtigkeit von Löhnen bewerten.
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Gender Gap: Die Befragten betrachteten im Durchschnitt niedrigere Löhne für Frauen als gerecht. Wurde innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren jedoch eine Frau anstelle eines Mannes ihre direkte Führungskraft am Arbeitsplatz, passten die Befragten ihre Einschätzungen an und der Gender Gap in den als fair erachteten Löhnen sank.
Höherer Frauenanteil für mehr Chancengleichheit
Die Analyse verdeutlicht, dass nicht die bloße Anwesenheit von Frauen am Arbeitsplatz entscheidend ist, sondern die hierarchische Position. „Frauen in Führungsrollen können dazu beitragen, tief verankerte geschlechterstereotype Zuschreibungen aufzubrechen, indem sie etablierte Statusannahmen infrage stellen und als konkrete Vorbilder wirken“, so Wrohlich. „Sie beeinflussen also nicht nur die Arbeit in den Gremien, sondern potenziell die Einstellungen und Erwartungen der gesamten Belegschaft.“
Ein höherer Frauenanteil im Management könne so langfristig zu mehr Chancengleichheit beitragen. Eine Stagnation oder gar ein Rückgang der Frauenanteile in Führungspositionen würde diese positiven Effekte hingegen bremsen.
Vor etwas mehr als einer Dekade trat das erste Führungspositionengesetz (FüPoG) in Kraft, das 2021 erweitert wurde und unter anderem ein Mindestbeteiligungsgebot von einer Frau für Vorstände mit mehr als drei Mitgliedern von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen vorsieht.
Ein Beitrag von: