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Prognose für die deutsche Elektro- und Digitalindustrie 26.01.2026, 11:38 Uhr

ZVEI rechnet mit einem Plus von 2%

Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie blickt vorsichtig optimistisch auf die kommenden Monate. Ein Grund zur Zufriedenheit können die Zahlen aber kaum sein.

ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel (re.) und Wolfgang Weber

ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel (re.) und Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, bei der Präsentation der Zahlen.

Foto: S. Asche

„Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie dürfte 2026 nach drei Jahren Stagnation und Rückgang erstmals wieder wachsen“, sagte Präsident Dr. Gunther Kegel im Rahmen der heutigen Jahresauftakt-Pressekonferenz des ZVEI. „Die Branche hat sich stabilisiert. Wir rechnen für dieses Jahr wieder mit einem realen Produktionsplus von 2 %.“ Für 2025 schlage hier noch ein leichtes Minus von 0,5 % zu Buche (Januar – November).

Branche steht für viele Zukunftstechnologien

Was zunächst positiv klingt, wirkt bei näherem Hinsehen fast ernüchternd. Denn die Branche ist maßgeblich beteiligt an vielen großen Zukunftsthemen: KI/Automatisierung, Elektrifizierung von Wärmegewinnung und Verkehr sowie Verteidigung. Außerdem: Das kleine Wachstum muss in Relation gesetzt werden zur Bilanz von 2024. In dem Jahr war der Markt um satte 8% geschrumpft.

Der ZVEI stellt dennoch positive Zahlen in den Vordergrund: In einer Pressemitteilung heißt es: „Die nominalen Erlöse mit Gütern und Dienstleistungen drehten 2025 ins Positive. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr lagen sie voraussichtlich bei 226 Mrd. €. Das entspricht einem Plus von 2,7 % gegenüber Vorjahr (220 Mrd. €). Relativ stabil zeigte sich die Beschäftigung: Ende November waren gut 877 000 Menschen in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie tätig – ein Rückgang um 1,7 % gegenüber dem Vorjahr. Hoffnung machen die Auftragseingänge, die im vergangenen Jahr um insgesamt 5 % zulegen konnten.“

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Mit einem Plus von 4,6 % auf 236,2 Mrd. € (Januar – November) entwickelten sich laut ZVEI auch die deutschen Elektroexporte (einschließlich der Re-Exporte) erfreulich. Entscheidend dafür waren die Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt und ins Vereinigte Königreich. Sie bügelten die Rückgänge in den USA und China aus.

ZVEI fordert stärkeren Fokus auf Mikroelektronik und Batterien

Die schwierige geopolitische Lage mache es notwendig, den europäischen Binnenmarkt auszubauen, betonte Kegel. Drei Handlungsstränge sieht der ZVEI: „Öffentliche Fördermittel sollten gezielt dort eingesetzt werden, wo sie hiesige Wertschöpfung schaffen und die Resilienz stärken. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf Schlüsseltechnologien wie etwa Mikroelektronik und Batterien liegen. Zweitens sollte die Wirtschaftssicherheit durch einen ,Made with Europe‘-Ansatz vertieft werden, der verlässliche Handelspartnerschaften mit Zugang zum Binnenmarkt belohnt. Und schließlich sollten insbesondere bei sicherheitsrelevanten Sektoren und kritischer Infrastruktur lokale Kapazitäten vorgehalten werden.“ Für alle drei Punkte gelte, dass es sich um Ausnahmeinstrumente handele, die regelmäßig überprüft werden müssten.

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Weiter meldet der Verband: „Mit 78 % liegt die Kapazitätsauslastung in der Branche heute zwar wieder um vier Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Aber bis zum Wiedererreichen des langfristigen Mittels von 83 % ist es noch ein gutes Stück.“ Der Präsident sieht die Politik in der Pflicht: „Um neue wirtschaftliche Dynamik zu entfachen, braucht es mutige Reformen, nicht nur Ankündigungen. Bürokratische Ungetüme in Europa und Deutschland belasten die Unternehmen weiterhin und stehen europäischer Wertschöpfung und Innovationen entgegen.“

ZVEI setzt sich für höheres Rentenalter ein

Der ZVEI fordert die Bundesregierung auf, bei den Sozialreformen endlich voranzukommen. So sollte die Regelarbeitsgrenze an die Lebenserwartung angepasst und eine wöchentliche Höchstarbeitszeit statt einer täglichen eingeführt werden. Dr. Kegel: „Gesellschaftlicher Wohlstand muss erst erarbeitet werden, bevor er verteilt werden kann. Ohne Anstrengungen wird dies nicht möglich sein.“

Der ZVEI sieht in neuen Technologien und insbesondere beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) große Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Unsere Unternehmen haben bei industriellen KI-Anwendungen eine starke Ausgangsposition“, betont Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Hier gehe es eben nicht um die meist von amerikanischen und chinesischen Unternehmen entwickelten großen Sprachmodelle (LLM), sondern um industrielle Rechen- und Optimierungsmodelle, für die zum Trainieren präzise industrielle Daten herangezogen werden können. Deutschland habe aufgrund seiner traditionellen industriellen Basis mehr von diesen Industriedaten als die meisten anderen Länder. Die Chancen seien enorm: Laut einer Studie von IW Consult könnte Deutschland im Wachstumsfeld KI bis 2035 eine Wertschöpfung von 144 Mrd. € generieren.

„AI Act ist wie die Einführung von Tempo 30 auf der Autobahn“

Aber: Damit dieser nächste industrielle Entwicklungsschritt auch in Deutschland und Europa erfolgen könne, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen in der EU passen. Weber: „Industrielle KI im AI Act zu regulieren, ist wie die Einführung von Tempo 30 auf der Autobahn. Wir bremsen uns selbst aus. Das darf nicht sein. Der ZVEI fordert, dass industrielle Anwendungen aus dem AI Act herausgenommen werden.“