Virtuelle Wege für schwere Lasten
Die TH Köln entwickelt eine Simulationsplattform, die Groß- und Schwertransporte in Nordrhein-Westfalen effizienter und sicherer machen soll. Das Projekt „MetaMover“ verbindet digitale Planung, virtuelle Trainingsumgebungen und Testfelder für Assistenzsysteme. Der folgende Beitrag ordnet Ansatz, Ziele und strukturelle Grundlagen des Vorhabens ein.
Im Projekt MetaMover entwickelt die TH Köln gemeinsam mit Projektpartnern eine virtuelle Simulationsumgebung für Groß- und Schwertransporte in NRW.
Foto: Martin de Fries/TH Köln
Der Transport großer und schwerer Güter wie Baumaschinen, Gasturbinen oder Rotorblätter spielt eine wesentliche Rolle für Industrie, Bau- und Energiewirtschaft. Gleichzeitig stellen Engstellen, bauliche Einschränkungen und hohe Verkehrsdichte die Branche vor Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund arbeitet die TH Köln an einer Simulationsplattform, die künftig die Planung und Durchführung solcher Transporte digital unterstützen soll.
Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Ruschitzka vom CAD CAM Center Cologne der TH Köln formuliert die Ausgangslage so: „Groß- und Schwertransporte sind für die Industrie sowie die Bau- und Energiewirtschaft unverzichtbar – und damit ein Schlüsselfaktor für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen“. Sie erläutert zudem, worin zentrale Schwierigkeiten bestehen: „Während die Anzahl solcher Transporte zunimmt, setzt die Infrastruktur ihnen Grenzen: Kritische Bereiche wie Engstellen oder Bauwerke erschweren Planung und Durchführung. Eine unzureichende Kartierung und ein hohes Verkehrsaufkommen führen zu Konfliktsituationen, verlängern Genehmigungsverfahren und sorgen für zusätzliche Kosten durch Umleitungen.“
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Simulation als Werkzeug für Planung und Training
Um vorhandene Infrastruktur effizient zu nutzen und kurzfristige Lösungswege zu schaffen, setzt das Projekt MetaMover auf eine einheitliche, digitale Plattform. Bis 2028 soll ein System entstehen, das sowohl Fahrsimulationen als auch die Analyse komplexer Transportumgebungen ermöglicht. Darüber hinaus ist vorgesehen, die Plattform als virtuelles Testfeld für Kameras und andere Assistenzsysteme einzusetzen. Damit sollen neue Transportkapazitäten erschlossen und Vorhaben ermöglicht werden, die bislang kaum realisierbar waren. Gleichzeitig dient die Plattform als Trainingsumgebung für Nachwuchsfahrerinnen und -fahrer sowie für weitere am Transport beteiligte Fachkräfte.
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Digitale Szenarien für realistische Anwendungen
Zu Projektbeginn erheben die TH Köln und ihre Partner kritische Szenarien des Schwerlasttransports in Nordrhein-Westfalen. Diese umfassen beispielsweise niedrige Tunnel oder schmale Ortsdurchfahrten. Die erfassten Situationen werden in digitale Modelle übertragen und anschließend um Fahrzeuge, Sensoren und Assistenzsysteme ergänzt. Auch ein XR-/VR-basiertes Training gehört zum Konzept. Es soll Fahrerinnen und Fahrern, Logistikerinnen und Logistikern sowie Prüferinnen und Prüfern eine praxisnahe Vorbereitung auf anspruchsvolle Transportbedingungen ermöglichen.
Die Dokumentation der simulierten Ergebnisse ist ein weiterer Bestandteil des Vorgehens. Prof. Ruschitzka beschreibt diesen Aspekt wie folgt: „Indem wir die Simulation anschaulich und realitätsnah darstellen und die Ergebnisse dokumentieren, schaffen wir zusätzlich eine Grundlage für erforderliche Nachweise – was den Planungs- und Genehmigungsprozess solcher Schwerlasttransporte erleichtert“. Nach Fertigstellung der virtuellen Umgebung ist die Entwicklung eines Demonstrators für einen spezifischen Anwendungsfall in Nordrhein-Westfalen geplant. Zum Projektende soll daraus ein Gesamtsystem hervorgehen, das prinzipiell auch auf andere Regionen übertragbar ist.
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Partner, Förderung und Grundlagen
Das Forschungsprojekt „Die szenariogestützte Plattform zur virtuellen Entwicklung intelligenter Transportsysteme“ (MetaMover) wird an der TH Köln von Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Ruschitzka geleitet. Projektpartner sind die HHVision GmbH & Co. KG und die Rhineland Mechatronics Academy GmbH, die mit ihren Dienstleistungen unter der Marke Heavy Path vertreten ist. Gefördert wird das Vorhaben vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Innovationswettbewerbs „NeueWege.IN.NRW“. Die Unterstützung läuft noch bis April 2028 und umfasst rund 1,6 Mio. €; zusätzlich wird das Projekt von der Europäischen Union kofinanziert.
MetaMover baut auf verschiedenen abgeschlossenen Projekten auf, die ebenfalls am CAD CAM Center Cologne realisiert wurden. Dazu zählen „Virtuelles Stadtmodell“, „CityInMotion“ und „pointCloud2Model“. Die Kooperation zwischen der TH Köln, HHVision und der Rhineland Mechatronics Academy mit Heavy Path bildet somit eine etablierte Grundlage, auf der das neue Vorhaben aufsetzt.




