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Aktuelle Bitkom-Studie 11.09.2026, 14:00 Uhr

Digitalisierung soll Lieferketten stabilisieren, doch fehlendes Know-how bremst viele Logistikunternehmen

Aktuelle Bitkom-Studie zeigt: Digitalisierung soll Lieferketten stabilisieren, doch fehlendes Know-how bremst viele Logistikunternehmen.

Foto: Smarterpix/mdworschak (KI-generiert)

Foto: Smarterpix/mdworschak (KI-generiert)

Foto: Smarterpix/mdworschak (KI-generiert)

KI in der Logistik ist in der betrieblichen Praxis angekommen. 51 % der deutschen Logistikunternehmen setzen Künstliche Intelligenz bereits ein. Vier Jahre zuvor waren es erst 22 %. Weitere 22 % planen den Einsatz konkret, 14 % diskutieren darüber. Damit beschäftigt sich inzwischen eine deutliche Mehrheit der Branche mit der Technologie. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 502 Logistikunternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten hervor.

Die wachsende Bedeutung digitaler Technologien trifft auf eine Branche, die gleichzeitig unter erheblichem Kostendruck steht. Sämtliche befragten Unternehmen nennen hohe Energiepreise als Herausforderung. 87 % kämpfen mit Fachkräftemangel, 71 % mit Unterbrechungen der Lieferketten. Zu viel Bürokratie belastet 59 %, geopolitische Krisen und internationale Konflikte nennen 54 %.

„Die Logistik ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Wenn Lieferketten stocken und Kosten steigen, bekommen das Industrie, Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher unmittelbar zu spüren. Digitalisierung ist deshalb kein Nice-to-have, sondern die wichtigste Antwort auf diese Herausforderungen: Digitalisierung hilft, Engpässe früher zu erkennen, Warenströme flexibler zu steuern, Beschäftigte zu entlasten und Kapazitäten effizienter zu nutzen“, sagt Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert bei der Vorstellung der Studienergebnisse.

Energiepreise und Fachkräftemangel belasten die Logistik besonders stark: 100 % beziehungsweise 87 % der befragten Unternehmen nennen diese Faktoren 2026 als Herausforderung. Auch Lieferkettenunterbrechungen, Bürokratie und geopolitische Krisen beschäftigen die Branche. Quelle: Bitkom Research 2026. Grafik: Bitcom

Digitalisierung der Logistik wird überwiegend als Chance gesehen

Die grundsätzliche Haltung gegenüber digitalen Technologien ist eindeutig. 91 % der befragten Unternehmen betrachten die Digitalisierung als Chance, lediglich 7 % eher als Risiko. Kein Unternehmen gibt an, die Digitalisierung habe keinen Einfluss auf den eigenen Betrieb.

Dabei geht es längst nicht nur um Kosteneffekte. 66 % sehen eine höhere Transparenz der Lieferketten als einen der wichtigsten Vorteile digitaler Anwendungen, 64 % einen besseren Service für Endkunden. 60 % erwarten eine geringere Umweltbelastung, 58 % Zeitersparnis und 57 % eine vereinfachte Kommunikation. Jeweils 55 % nennen bessere Entscheidungsgrundlagen sowie eine sinkende Fehler- und Ausfallanfälligkeit.

Auch die Arbeitswelt verändert sich. 56 % erwarten durch digitale Anwendungen attraktivere Arbeitsplätze, 49 % einen geringeren Arbeitskräftebedarf und 47 % eine körperliche Entlastung der Beschäftigten.

Das Selbstbild der Unternehmen steht allerdings in einem auffälligen Gegensatz zur Einschätzung des Standorts Deutschland. 49 % betrachten das eigene Unternehmen als Vorreiter der Digitalisierung, weitere 7 % sehen sich sogar an der Spitze. Die deutsche Logistik insgesamt wird international deutlich zurückhaltender beurteilt: Kein Befragter sieht Deutschland weltweit führend. 18 % ordnen die Branche der Spitzengruppe zu, 51 % dem Mittelfeld. Ein Viertel sieht Deutschland unter den Nachzüglern, 4 % sogar abgeschlagen.

Bei der Digitalisierung klaffen Selbstbild und Branchenurteil auseinander: 56 % der befragten Logistikunternehmen sehen sich selbst an der Spitze oder als Vorreiter. Die deutsche Logistik insgesamt verorten dagegen 51 % im weltweiten Vergleich lediglich im Mittelfeld, weitere 29 % unter den Nachzüglern oder abgeschlagen. Quelle: Bitkom Research 2026. Grafik: Bitkom

Fehlendes Know-how bremst die digitale Logistik

Die Hemmnisse liegen dabei nicht in erster Linie beim Geld. 73 % der Unternehmen nennen einen Mangel an Fachkräften beziehungsweise Know-how als Hürde bei der Digitalisierung. Sorgen um IT- und Datensicherheit folgen mit 58 %, fehlende Zeit im Alltagsgeschäft mit 57 %. Fehlende marktfähige Lösungen nennen 55 %, fehlende externe Beratung 54 % und mangelnde Datenverfügbarkeit 52 %. Erst danach folgen fehlende finanzielle Mittel mit 48 %.

Der Fachkräftemangel betrifft nahezu sämtliche Bereiche. 64 % der Unternehmen fehlen Zustellerinnen und Zusteller, 55 % Fahrerinnen und Fahrer und 53 % Disponentinnen und Disponenten. IT-Fachkräfte fehlen bei 49 %, Lager-Fachkräfte bei 48 % und Verwaltungsfachkräfte bei 45 %. Lediglich 4 % der befragten Unternehmen berichten von keinem Fachkräftemangel.

Mit fortschreitender Digitalisierung dürfte sich der Bedarf verschieben. Besonders bei IT-Fachkräften rechnen die Unternehmen mit einem Zuwachs. 47 % erwarten bis 2035 einen steigenden Bedarf, lediglich 13 % einen sinkenden. Bei Fahrern sowie Lager- und Vertriebsfachkräften überwiegt dagegen die Erwartung eines rückläufigen Bedarfs.

„Der Fachkräftemangel bremst die Digitalisierung – und macht sie zugleich umso dringender. Digitale Technologien helfen, knappe personelle Ressourcen gezielter einzusetzen und Abläufe flexibler zu steuern. Entscheidend ist, Beschäftigte für die neuen Anforderungen zu qualifizieren“, sagt Rückert.

Künstliche Intelligenz rückt in der Logistik an die Spitze der digitalen Technologien: 51 % der befragten Unternehmen setzen KI bereits ein, weitere 22 % planen den Einsatz und 14 % diskutieren darüber. Insgesamt nutzen 98 % der Unternehmen mindestens eine der abgefragten digitalen Anwendungen. Grafik: Bitcom

KI in der Logistik wächst deutlich

Unter den bereits eingesetzten digitalen Technologien liegt Cloud Computing mit 61 % noch vor Künstlicher Intelligenz. IoT- beziehungsweise Sensortechnologien nutzen 54 %, KI 51 %. Warehouse Management Systeme kommen bei 47 % zum Einsatz, digitale Marktplätze bei 46 % und Big Data und Analytics bei 39 %. Deutlich geringer fällt der bisherige Einsatz von digitalen Zwillingen mit 23 %, Robotik beziehungsweise autonomen Transportsystemen mit 17 %, intelligenten Regalen mit 15 % und Drohnen mit 8 % aus.

Die größte Dynamik zeigt sich bei der Künstlichen Intelligenz. Innerhalb von vier Jahren ist der Anteil der Unternehmen mit KI-Einsatz von 22 auf 51 % gestiegen. Rechnet man die Unternehmen hinzu, die den Einsatz planen oder diskutieren, ist KI für 87 % der Befragten relevant.

Die Erwartungen bleiben allerdings widersprüchlich. 57 % gehen davon aus, dass KI interne Prozesse kostengünstiger abwickeln kann. 55 % sehen darin eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gleichzeitig meinen 58 %, KI werde niemals so gut sein wie eine ausgebildete Logistik-Fachkraft. 30 % halten KI in der Logistik sogar für einen vorübergehenden Hype.

„KI ist hier, um zu bleiben und wird künftig zum festen Bestandteil von Logistikprozessen, etwa in der Routen- und Bedarfsplanung, aber auch in der Steuerung von Robotern und autonomen Fahrzeugen. Mit Lizenzen für KI-Werkzeuge ist es aber nicht getan, sonst zahlt man viel Geld für Tokens und erreicht wenig. Die Beschäftigten müssen KI-Anwendungen auch verstehen und sicher einsetzen können“, so die Bitkom-Vizepräsidentin.

Robotik wird in der Logistik ambivalent bewertet: 68 % der befragten Unternehmen erwarten effizientere Prozesse, 66 % mehr Arbeitssicherheit und 55 % sehen Roboter als wichtigen Beitrag gegen den Fachkräftemangel. Gleichzeitig halten 51 % den Einsatz für wirtschaftlich nicht lohnend, ebenso viele berichten von Skepsis in der Belegschaft. Grafik: Bitcom

KI-Schulungen erreichen längst nicht alle Beschäftigten

Gerade bei den erforderlichen Kompetenzen zeigt die Studie eine Lücke. 54 % der Unternehmen geben an, ihnen fehle die Expertise, KI in ihre Logistikprozesse einzubinden. 73 % bieten ihren Beschäftigten zwar bereits KI-Schulungen an, doch nur 8 % beziehen sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. 31 % schulen einen Großteil der Belegschaft, 34 % ausgewählte Beschäftigte. Ein Viertel der Unternehmen bietet bislang überhaupt keine KI-Schulungen an.

Damit wird die Qualifizierung zu einem zentralen Faktor für den weiteren KI-Einsatz. Denn die Technologie soll nach Einschätzung der Unternehmen nicht nur einzelne administrative Aufgaben übernehmen, sondern zunehmend in operative Prozesse wie Routen- und Bedarfsplanung sowie die Steuerung von Robotern und autonomen Fahrzeugen eingreifen.

Humanoide Roboter könnten in der Lagerlogistik deutlich an Bedeutung gewinnen: 59 % der befragten Unternehmen erwarten, dass sie 2036 überwiegend in Lagerhallen arbeiten werden. Noch häufiger wird damit gerechnet, dass KI große Teile der Lieferketten in Echtzeit steuert: 69 % halten dieses Szenario in zehn Jahren für verbreitet. Grafik: Bitcom

Robotik trifft auf wirtschaftliche Vorbehalte

Bei Robotern und autonomen Transportsystemen ist das Bild ähnlich ambivalent. 68 % der Befragten gehen davon aus, dass Roboter Logistikprozesse effizienter machen können. 66 % erwarten mehr Arbeitssicherheit. 55 % sind der Ansicht, der Fachkräftemangel in der Logistik lasse sich ohne Roboter nicht lösen.

Der praktische Einsatz stößt jedoch auf Vorbehalte. 51 % sagen, Robotik rechne sich für ihr Unternehmen finanziell nicht. Ebenso viele berichten, ihre Beschäftigten stünden dem Einsatz von Robotern in Logistikprozessen skeptisch gegenüber.

„Der Fachkräftemangel ist inzwischen ein zusätzlicher Treiber der Automatisierung. Damit Roboter in der Logistik flächendeckend zum Einsatz kommen, müssen sie Beschäftigte spürbar entlasten, sich effizient in komplexe Prozesse integrieren lassen und sich wirtschaftlich rechnen“, sagt die Bitkom-Funktionärin.

Unternehmen erhöhen ihre Digitalinvestitionen

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen fließt ein beträchtlicher Teil der Umsätze in die Digitalisierung. 40 % der Unternehmen investieren 2026 zwischen 5 und unter 10 % ihres Jahresumsatzes in digitale Technologien. Weitere 21 % geben dafür mindestens 10 % aus. Nur 3 % verfügen über kein Digitalisierungsbudget.

Auch für 2027 deutet die Befragung nicht auf eine Trendwende hin. 15 % wollen ihre Investitionen stark erhöhen, weitere 27 % eher erhöhen. 45 % wollen die Ausgaben auf dem bisherigen Niveau halten, 11 % planen eine Verringerung. „Die Unternehmen wissen, wie wichtig die Digitalisierung gerade in einem schwierigen Marktumfeld ist. Diese strategische Bedeutung spiegelt sich auch in den Budgets wider“, bestätigt Rückert.

Logistik 2036: KI steuert große Teile der Lieferketten

Wie weit Automatisierung und KI in der Logistik reichen könnten, zeigen die Erwartungen für das Jahr 2036. 69 % der Unternehmen rechnen damit, dass Künstliche Intelligenz dann große Teile der Lieferketten in Echtzeit steuert. 68 % erwarten vollständig transparente und digital nachvollziehbare Lieferketten, und zwar auch für Endkunden.

Noch weiter gehen die Erwartungen an die Robotik. 59 % halten es für wahrscheinlich, dass 2036 in Lagerhallen überwiegend humanoide Roboter arbeiten. Ebenfalls 59 % erwarten, dass Personen und Güter gebündelt in Fahrzeugen wie Bussen oder Taxis transportiert werden.

Auch auf der letzten Meile rechnen viele Unternehmen mit Veränderungen. 59 % erwarten, dass Waren in zehn Jahren mit Drohnen bis zum Endkunden transportiert werden. 56 % gehen davon aus, dass Pakete nicht mehr ausschließlich an feste Adressen geliefert werden, sondern situationsabhängig dorthin, wo sich der Kunde gerade befindet. 52 % rechnen mit autonomen Lieferrobotern bis zum Endkunden. 45 % halten sogar die Warenübergabe durch humanoide Roboter für verbreitet.

Damit zeichnet die Befragung kein Bild einer bereits vollständig automatisierten Branche. Zwischen dem heutigen Einsatz digitaler Technologien und den Erwartungen für 2036 liegt eine deutliche Lücke. KI verbreitet sich schnell, Robotik und autonome Systeme stehen dagegen noch am Anfang einer breiteren Nutzung. Zugleich fehlen vielerorts Kompetenzen, um die vorhandenen Technologien in die betrieblichen Prozesse einzubinden.

Die Studie basiert auf 502 telefonisch befragten Logistikunternehmen in Deutschland mit mindestens 20 Beschäftigten. Befragt wurden Geschäftsführungen, Vorstände sowie zentrale Funktionen mit Verantwortung für digitale Technologien. Die Erhebung fand zwischen Kalenderwoche 26 und 31 des Jahres 2026 statt. Der Datensatz wurde anhand des aktuellen Unternehmensregisters des Statistischen Bundesamtes repräsentativ gewichtet. Die statistische Fehlerspanne beträgt für die Gesamtstichprobe ∓4 %.

Von RMW

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