Resilience Expo: Klimafolgenanpassung zum Anfassen
Sich an den Klimawandel anzupassen wird dringlicher. Wie, das ist auf Fachmesse "Reslience Expo" am 10. Juni in Mönchengladbach zu sehen. Auf dieser Messe werden Lösungen gezeigt und sie bietet eine einzigartige Gelegenheit, sich auszutauschen und zu vernetzen.
Die Hugo Junkers Halle, in der die zweite Reslience Expo stattfindet. Die flugfähige JU 52 hat Platz gemacht. Sie steht normalerweise in der Halle.
Foto: Resilience Expo
Die Temperaturen steigen, extreme Wetterlagen werden häufiger … der Klimawandel ist nicht zu übersehen. Daher wird es immer wichtiger, ihm und seinen Folgen gegenüber vorsorglich zu handeln. Das Gute dabei ist, es gibt bereits Wege, sich zu wappnen − etwa etwa gegen Hochwasser oder gegen Starkregen. Ein Beispiel hierfür ist das Konzept der Schwammstadt. Viele solcher Lösungen und Konzepte werden am Mittwoch, 10. Juni 2026, in Mönchengladbach auf der „Resilience Expo“ vorgestellt, genauer: im Hugo Junkers Hangar, einer Veranstaltungshalle am Flughafen Mönchengladbach, die seit Juni 2015 Heimat einer JU 52 ist. Auf der Resilience Expo werden auch Planungs- und Analysetools sowie Beratungs- und Finanzierungsangebote vorgestellt, Tipps zu resilienteren Gebäuden, zum Schutz vor Hitze, gegen Dürre oder der Gesundheit gegeben und Wege des Wissenstransfers aufgezeigt.
Zwei, die diese Expo mit vorbereiten, sind Helga Haxhiu-Heuer, Technologieberaterin im VDI Technologiezentrum, und Ulrich Eimer, geschäftsführender Gesellschafter bei Climaticon, einem Beratungsunternehmen zur Klimaanpassung aus Berlin mit Standort in Düsseldorf.
Sehr geehrte Frau Haxhiu-Heuer, sehr geehrter Herr Eimer, Sie organisieren die Resilience Expo 2026 mit, die am 10. Juni zum zweiten Mal stattfinden wird. Was ist das Besondere an ihr?
Ulrich Eimer: Diese Expo ist weltweit die erste, die Klimaanpassung als eigenständigen Innovations- und Wirtschaftsbereich in den Mittelpunkt stellt. Sie macht sichtbar, dass die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ein wachsendes Handlungsfeld mit großem gesellschaftlichem, wirtschaftlichem und technologischem Potenzial ist. Wer verstehen möchte, welche Dynamik in der Klimaanpassungswirtschaft steckt und welche Lösungen schon heute verfügbar sind, findet auf der Resilience Expo den Ort dafür.
Was zeichnet die Resilience Expo aus?
Eimer: Ihr interdisziplinärer und branchenübergreifender Ansatz. Fachleute von Unternehmen, Kommunen, Wissenschaft, Politik und Interessenverbänden kommen zusammen, um wirksame Lösungen für eine klimaresiliente Zukunft sichtbar zu machen, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht allein um die Risiken durch Hitze, Starkregen, Trockenheit oder gestörte Lieferketten, sondern auch um die Frage, wie wir diesen Herausforderungen innovativ, kooperativ und konkret praxisnah begegnen können.
Wie ans Klima anpassen? Kommt nach Mönchengladbach!
Was wird in Mönchengladbach zu sehen sein?
Eimer: 66 regionale, nationale und internationale Ausstellende zeigen, wie vielfältig die Lösungen für klimaresiliente Städte, Infrastrukturen und Unternehmen sind. Die Klimaanpassungswirtschaft wird in ihrer ganzen Breite praxisnah und anwendungsorientiert erlebbar. Ergänzend kommt ein Programm mit Vorträgen, Panels, Pitch-Formaten, Rundgängen und Raum für Vernetzung hinzu.
Und wie es scheint, beschränken Sie sich nicht nur auf den deutschsprachigen Raum.
Eimer: Nein, wir sind international! Ein Beispiel: Katrina Kessler, Umweltministerin des US-Bundesstaates Minnesota, wird darüber sprechen, welche Rahmenbedingungen, Investitionen und Kooperationen in den USA nötig sind, damit Klimaanpassung schneller in die Umsetzung kommt.
Warum findet die Expo eigentlich in Nordrhein-Westfalen, also 2025 in Neuss und diees Jahr in Mönchengladbach statt?
Eimer: Dafür gibt es Günde: Unter anderem die Flutkatastrophe 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Sie hat schmerzhaft gezeigt, wie dringend Vorsorge, resiliente Infrastrukturen und effektive Anpassung an Extremwetter gebraucht werden. Gleichzeitig verfügt NRW über eine starke Industrie, innovative Unternehmen, exzellente Forschung sowie über Kommunen, die Klimaanpassung zunehmend praktisch vorantreiben. Und wir glauben, das Rheinische Revier kann sich als eine Region im Strukturwandel auch zu einer Kompetenzregion für Klimaresilienz entwickeln. Zudem unterstützt die Bundesregierung die Expo aus dem Förderprogramm „Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten“, kurz Stark.
Wirksame Wege und Konzepte
Lassen Sie uns jetzt über die Aussteller sprechen. Können Sie zwei, drei interessante Beispiele nennen?
Helga Haxhiu-Heuer: Das fällt schwer. Denn alle Aussteller zeigen spannende Lösungen. Die Spannbreite ist groß. Sie reicht von und Kühltextilien, Softwarelösungen und KI-gestützten Analysen über Begrünungssysteme zu Hochwasserschutz, bis hin zu Beratung und Resilienz Screenings, wobei Klimagefahren und Risiken quantifiziert werden und Handlungsstrategien abgeleitet werden.
Sie machen einen ja neugierig!
Haxhiu-Heuer: Okay. Ein Beispiel stellt die Firma Aquaburg aus Münster dar. Ihre mobilen Hochwasserschutzsysteme schützen Städte, Unternehmen und kritische Infrastrukturen vor Überflutungen durch Starkregen und Hochwasser. Zum selben Thema wird Ianus Simulation aus Dortmund ihr Simulationstool SimProtect vorstellen, das Starkregen- und Flutrisiken für Gebäude und Infrastruktur analysieren und mit dem sich Maßnahmen gezielt priorisieren lassen. Das ist die Voraussetzung, um faktenbasiert in Klimaanpassung zu investieren und um teure Fehlplanungen zu vermeiden.
Haben Sie auch ein Beispiel aus dem Ausland?
Haxhiu-Heuer: Natürlich. Das Start-up SAS Smart Apparel aus Paris entwickelt Bekleidung und innovative Accessoires, die dank fortschrittlicher Technologien Nutzerinnen und Nutzer auch bei Hitze oder extremer Kälte schützen und damit das persönliche Wohlbefinden auch bei extremem Wetter steigern. Die Firma wird etwa ihre Kühlwesten ausstellen. Letztes Jahr fand die Resilience Expo am heißesten Tag des Jahres statt. Sollte es dieses Jahr ähnlich sein, dürfte der Andrang groß sein.

Maßnahmen gegen Hochwasser, Trockenzeiten usw. sind ja grundsätzlich nicht neu. Weil diese Ereignisse jetzt global zunehmen, ist das bestimmt auch ein neuer Markt …
Eimer: Ja, neu ist aber die Geschwindigkeit, mit der der Bedarf wächst. Weltweit steigt die Nachfrage nach wirksamen, skalierbaren Anpassungslösungen. Aus einzelnen Schutzmaßnahmen entsteht so ein dynamischer Zukunftsmarkt.
Ein großer Markt für Lösungen
Gibt es Angaben dazu, wie groß der Markt ist?
Eimer: Das globale Handelsvolumen der Klimaanpassungswirtschaft lag bereits 2021 bei rund 153 Milliarden Euro mit weiter steigender Tendenz. Das zeigt: Klimaanpassung ist nicht nur eine Antwort auf Risiken, sondern auch ein Innovations- und Wirtschaftsfeld mit großem Potenzial.
Wer muss dafür eigentich gerade in Zeiten, wo Geld knapp wird, die Kosten tragen?
Eimer: Wer nur auf Kosten blickt, schaut zu kurz. Klimaanpassung ist keine Zusatzaufgabe, sondern Vorsorge: für funktionierende Infrastrukturen, sichere Standorte, gesunde Menschen und eine handlungsfähige Wirtschaft. Bezahlt wird am Ende in jedem Fall, entweder planvoll durch Investitionen in Prävention oder negativ durch Schäden, Ausfälle, Wiederaufbau und steigende Versicherungs- und sonstige Folgekosten.
Gibt es denn Angaben über die Höhe der Schäden?
Eimer: Ja. In Deutschland sind laut einer Studie von 2023 aufgrund der verheerenden Unwetterkatstrophen in 2020 und 2021 fast 145 Mrd. € an extremwetterbedingten Schäden entstanden. Bis 2050 erwarten die Autoren der Studie je nach Entwicklung insgesamt kumulierte volkswirtschaftliche Schäden von 280 bis 900 Mrd. € – allein für Deutschland. Das zeigt deutlich: Nichtstun ist keine Sparstrategie, sondern die teuerste Variante.
Sondervermögen für Klimaanpassung
Zurück zur Frage von vorhin: Wer soll das bezahlen?
Eimer: Wir können finanzielle Spielräume nutzen. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität umfasst 500 Mrd. € − 100 Mrd. € davon stehen Ländern und Kommunen für Infrastrukturinvestitionen zur Verfügung. Entscheidend ist, dass diese Mittel auch in zukunftsfähige, klimaresiliente Infrastruktur fließen, damit etwa Schulen, Krankenhäuser, Verkehrswege, Gewerbestandorte und öffentliche Räume zukünftig besser mit Hitze, Starkregen und Trockenheit umgehen können.
Was erwarten Sie eigentlich von den Gastrednern aus der Politik?
Eimer: Von den politischen Impulsen erwarten wir das klare Signal, dass Klimaanpassung schneller umgesetzt wird. Uns geht es dabei nicht um Grußworte, sondern um Orientierung: Welche politischen Rahmenbedingungen, welche Investitionen und welche Kooperationen braucht es, damit klimaresiliente Infrastruktur, Unternehmen und Kommunen zur neuen Normalität werden? Genau diese Debatte wollen wir auf der Resilience Expo anstoßen.
Die Expo findet in NRW statt. Was erwarten Sie daher konkret von Oliver Krischer, dem Umwelt- und Verkehrsminister dieses Bundeslandes?
Eimer: Der Besuch von Minister Krischer zeigt, wie wichtig Risikominderung aber auch die Klimaanpassungswirtschaft für NRW bereits ist. Herr Krischer steht für eine konsequente Klimaanpassung und wird dies mit dem Besuch auch zeigen: Wir sind überzeugt, dass der Minister mit seinem Impuls und im Gespräch mit Unternehmen wichtige Signale für resiliente Innovationen und eine weiter voranschreitende Transformation setzen wird.
Und was erwarten Sie von Wopke Hoekstra, dem EU-Kommissar für Klima, Net Zero und sauberes Wachstum?
Eimer: Der EU-Kommissar wird aus einer europäische Perspektive auf Klimaanpassung schauen. Ich bin gespannt, was er sagen wird.
Spannender Blick in die USA
Sicherlich sind Sie auch neugierig auf das, was Frau Kessler aus Minnesota berichten wird!
Eimer: Ja, sie wird sicherlich über ihre eigene Erfahrungen im Umgang mit Klimarisiken eingehen und zeigen, dass Klimaanpassung weltweit zu einer zentralen politischen und wirtschaftlichen Aufgabe wird. Zudem ist spannend und wichtig zu sehen, dass einzelne US-Bundesstaaten einen Gegentrend zur US-Bundespolitik setzen und unter anderem auf den Klimawandel hinweisen und aktiv auf Anpassungslösungen setzen.
Glauben Sie, die Expo wird erfolgreich sein?
Haxhiu-Heuer: Wir sind sicher, dass die im letzten Jahr gestartete Erfolgsgeschichte weitergehen wird, denn das Interesse ist groß. Waren es letztes Jahr 48 Aussteller, sind es dieses Jahr bereits 66 und auch die Zahl an internationalen Gästen und Ausstellern ist gewachsen. Klimafolgenanpassung ist ein Thema, das uns dauerhaft begleiten wird, daher sind wir überzeugt, dass die Resilience Expo auch in den kommenden Jahren ein fester Termin im Veranstaltungskalender der Branche bleiben wird.

Letzte Worte Ihrerseits?
Eimer: Klimaanpassung muss als Investition in die Zukunft verstanden werden: Sie schützt Werte, reduziert Risiken und schafft zugleich Märkte für innovative Produkte, Dienstleistungen und Planungsansätze. Genau hier setzt die Expo an: Sie zeigt, welche Lösungen bereits verfügbar sind und wie öffentliche Hand, Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzierungsakteure gemeinsam dafür sorgen können, dass aus der Notwendigkeit konkrete Umsetzung wird. Das ist eine wichtige Botschaft aus meiner Sicht!
Frau Haxhiu-Heuer, Herr Eimer, vielen danken für das Gespräch.

Informationen zur Resilience Expo
Die Resilience Expo ist ein Ankerprojekt der Landesregierung im Rahmen des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen unterstützen die Transformation des Rheinischen Reviers mit mehr als 14,8 Mrd. €. Das Bundesland flankiert dies mit eigenen Haushaltsmitteln.
Vier Organisationen konzipierten die Resilience Expo und führen sie durch: die VDI Technologiezentrum GmbH, die Prognos AG, die Rebel Deutschland GmbH und die Climaticon GmbH. Alle Viere blicken bereits auf eine jahrelange Zusammenarbeit zurück − etwa bei dem Aufbau und der Leitung des Netzwerks Klimaanpassung & Unternehmen.NRW.




