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Batteriespeicher 04.03.2026, 15:00 Uhr

Branche warnt vor Investitionsrisiken durch Netzentgeltreform

Unternehmen aus der Energiebranche haben sich zusammengeschlossen und warnen vor Investionsrisiken durch die geplante Netzgeltreform der Bundesnetzagentur.

Batteriespeicher sind ein wichtiger Bestandteil der Energiewende.

Batteriespeicher sind ein wichtiger Bestandteil der Energiewende.

Foto: MP_foto71/Smarterpix.com

Vertrauensschutz für Batteriespeicher fordern jetzt mehr 150 Unternehmen aus Energiewirtschaft, Finanzsektor und Projektentwicklung von der Bundesnetzagentur (BNetzA). Anlass ist ein Orientierungspapier zur Netzentgeltreform, das die bisherige Befreiung von Speichern infrage stellt. Die Branche sieht Investitionen und Energiewende gefährdet.

Die Diskussion um die künftige Netzentgeltsystematik für Stromspeicher sorgt in der Energiewirtschaft für erhebliche Unruhe. Mehr als 150 Unternehmen, darunter Stadtwerke, Energieversorger, Projektentwickler, Investoren und Branchenverbände, haben sich nun in einer gemeinsamen Initiative an die BNetzA gewandt. Ihr zentraler Appell: Bestehende und weit fortgeschrittene Speicherprojekte müssen durch einen klaren Vertrauensschutz abgesichert werden.

Sorge wegen Orientientierungspapier der Bundesnetzagentur

Auslöser ist ein im Januar veröffentlichtes Orientierungspapier der Regulierungsbehörde, das eine grundlegende Überarbeitung der Netzentgeltregeln für Batteriespeicher in Aussicht stellt. Darin wird die bisherige Netzentgeltbefreiung für Stromspeicher grundsätzlich infrage gestellt. In der Branche wächst deshalb die Sorge, dass Investitionen in Speicheranlagen künftig mit zusätzlichen Kosten belastet werden könnten – und zwar auch rückwirkend für Projekte, die bereits geplant oder in Umsetzung sind.
Die Initiative wurde von Trianel mit angestoßen. Deren Sprecher der Geschäftsführung, Sven Becker, sieht erhebliche Risiken für den Investitionsstandort Deutschland. „Mit dem Plan, alle Speicher mit Netzentgelten – zudem in unbekannter Art und Höhe – zu belasten, wird bei zahlreichen bestehenden, in Realisierung befindlichen und geplanten Projekten nachträglich in die Geschäftsgrundlage eingegriffen“, erklärt Becker. Dadurch gehe die notwendige Planungssicherheit verloren, die Investoren für langfristige Infrastrukturprojekte benötigen.

Investionsbremse für bestehende Projekte befürchtet

Die Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik sei grundsätzlich nachvollziehbar, betont Becker. Entscheidend sei jedoch, dass regulatorische Änderungen nicht rückwirkend in bestehende Geschäftsmodelle eingreifen. „Die Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik ist ein berechtigtes Anliegen, aber sie darf nicht zur Investitionsbremse für fortgeschrittene Projekte werden“, so Becker. „Für Investitionen sind verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend. Wenn der Vertrauensschutz fällt, fällt die Investitionsbereitschaft gleich mit.“

Ausgangspunkt der Initiative war eine gemeinsame Erklärung von zehn Speicherprojektentwicklern, die am 19. Februar 2026 an BNetzA-Präsident Klaus Müller übermittelt wurde. Innerhalb weniger Tage schlossen sich zahlreiche weitere Unternehmen aus der Branche an. Die breite Unterstützung wird von den Initiatoren als deutliches Signal gewertet, dass die geplante Reform weitreichende Auswirkungen auf laufende Investitionsentscheidungen haben könnte.

Unter den Unterzeichnern finden sich große Energieversorger wie Vattenfall, MVV Energie, DEW21 und Gasag. Auch zahlreiche kommunale Energieversorger unterstützen die Erklärung, darunter die Stadtwerke Elmshorn, die Stadtwerke Esslingen am Neckar und die Stadtwerke Niesky.
Darüber hinaus beteiligen sich Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien und Speichertechnologien wie ABO Energy, Enertrag oder be.storaged. Auch Finanzakteure unterstützen den Appell, darunter die GLS Bank sowie der Infrastrukturinvestor re:cap global investors.

Schlüsselrolle von Batteriespeichern im Energiesystem

Für die Energiewirtschaft spielen Batteriespeicher eine zunehmend zentrale Rolle im Energiesystem. Sie ermöglichen es, die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen mit dem Stromverbrauch auszugleichen. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Quellen kann zwischengespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden. Dadurch lassen sich Lastspitzen glätten, Netzengpässe reduzieren und Preisschwankungen am Strommarkt ausgleichen.

Batteriespeicher wichtig für die Energiewende

Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien gewinnt diese Flexibilität zunehmend an Bedeutung. Speicher gelten deshalb als wichtiges Bindeglied zwischen volatiler Stromerzeugung und stabiler Energieversorgung. Sie tragen dazu bei, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Integration großer Mengen erneuerbarer Energien in das Stromsystem zu ermöglichen.
Vor diesem Hintergrund befürchten Branchenvertreter, dass eine zusätzliche Belastung durch Netzentgelte den Ausbau der Speicherinfrastruktur deutlich bremsen könnte.

Das sieht auch Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor so: „Die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Speicherprojekten ist ein knappes Gut. Wer versucht, Systembetreibbarkeit, Netznutzen und Einnahmenmaximierung gleichzeitig zu steigern, riskiert am Ende, alle drei Ziele zu verfehlen. Wer sie hingegen ausgewogen austariert, ermöglicht Investitionen, Netzdienlichkeit und Systemstabilität zugleich.“

Wie groß die Dimension geplanter Projekte inzwischen ist, zeigt ein aktuelles Vorhaben von Trianel. Das Unternehmen plant gemeinsam mit der BKW AG und dem Hamburger Infrastrukturinvestor Luxcara den Bau eines Batteriespeichers mit einer Leistung von 900 MW und einer Kapazität von 1 800 MWh. Für das Projekt wird ein Investitionsvolumen von mehr als 500 Mio. € erwartet. Der finale Investitionsbeschluss ist für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen.

Planungssicherheit muss bleiben

Die Branche verfolgt daher die weiteren regulatorischen Diskussionen aufmerksam. Entscheidend wird aus Sicht vieler Marktteilnehmer sein, ob es gelingt, die Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik mit stabilen Investitionsbedingungen zu verbinden. Nur wenn Planungssicherheit gewährleistet bleibt, könnten die notwendigen Investitionen in Flexibilitätsoptionen wie Batteriespeicher im erforderlichen Umfang umgesetzt werden.

Angesichts der ambitionierten Klimaziele und des geplanten weiteren Ausbaus erneuerbarer Energien dürfte die Rolle von Speichern im Energiesystem weiter wachsen. Die aktuelle Debatte zeigt jedoch, wie stark der Erfolg solcher Technologien auch von regulatorischen Rahmenbedingungen abhängt und wie sensibel Investitionsentscheidungen auf mögliche Änderungen reagieren.