Smart Meter und Stromnetz: 74 % der Deutschen fürchten Sabotage
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher befürchten Risiken für das Stromnetz durch Sabotage und Cyberangriffe. Gleichzeitig wächst die Offenheit für Smart Meter und dynamische Stromtarife, zeigt eine repräsentative Umfrage.
Eine große Mehrheit der Deutschen will, dass die Energiewende Tempo aufnimmt.
Foto: Smarterpix/mdworschak
Drei Viertel der Deutschen halten das Stromnetz für anfällig gegen Sabotage oder gezielte physische Angriffe. 71 % sehen Risiken durch Cyberangriffe. Gleichzeitig wächst das Interesse an Smart Metern und dynamischen Stromtarifen.
Das zeigt eine repräsentative Haushaltsbefragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom in Deutschland. Bitkom vertritt als Branchenverband unter anderem Unternehmen, die digitale Infrastruktur für die Energiewende liefern.
Inhaltsverzeichnis
- Versorgungssicherheit und Cybergefahren beschäftigen die Deutschen
- Die Hälfte befürchtet längere Stromausfälle
- Hohe Zustimmung für eine beschleunigte Energiewende
- Große Offenheit für Smart Meter
- Mehr Informationen zu Smart Meter gewünscht
- Smart Meter und dynamische Stromtarife: Verbraucherinnen und Verbraucher wollen flexibler handeln
- Hohe Zustimmung für Digitalisierung
- Energiewende ist Gemeinschaftsaufgabe
Versorgungssicherheit und Cybergefahren beschäftigen die Deutschen
Die Sorge der Befragten um ihre Versorgungssicherheit ist groß. Mehrere Vorfälle an kritischer Infrastruktur, darunter der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz und das Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen, haben gezeigt, wie verletzlich Energieinfrastrukturen sein können. 74 % der befragten Haushalte halten das Stromnetz in Deutschland für anfällig gegenüber Sabotage oder gezielten physischen Angriffen, etwa auf Leitungen oder Umspannwerke. 71 % sehen Risiken durch Cyberangriffe. Zugleich fordern 93 %, dass beim Umbau des Energiesystems Sicherheit denselben Stellenwert erhalten müsse wie Klimaschutz und Kosten.
„Deutschland hat eine sehr zuverlässige Stromversorgung. Aber die jüngsten Vorfälle zeigen: Stromnetze müssen besser geschützt werden – nicht nur gegen Sabotage und physische Angriffe, sondern auch gegen Cyberangriffe“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Digitale Technologien spielten dabei eine Schlüsselrolle: Sie könnten Angriffe zwar ermöglichen, seien aber zugleich unverzichtbar, um weit verzweigte Stromnetze, dezentrale Energieanlagen und flexible Verbraucher zuverlässig zu überwachen und stabil zu betreiben.
Die Hälfte befürchtet längere Stromausfälle
Fast die Hälfte der Haushalte rechnet künftig mit längeren Stromausfällen. 46 % befürchten, dass es an ihrem Wohnort zu einem Stromausfall von mehreren Stunden kommen könnte. 17 % geben an, in den vergangenen zwölf Monaten bereits einen Stromausfall von mindestens fünf Minuten zu Hause erlebt zu haben. Nur 26 % halten Deutschland für gut auf einen längeren Stromausfall vorbereitet. Sich selbst sehen die Haushalte etwas besser gerüstet: 47 % fühlen sich persönlich gut vorbereitet.
Hohe Zustimmung für eine beschleunigte Energiewende
Trotz dieser Sorgen sprechen sich die Haushalte klar für eine schnellere Energiewende aus. 72 % finden, dass die Energiewende in Deutschland zu langsam läuft. 39 % bewerten das Tempo als „viel zu langsam“, 33 % als „eher zu langsam“. Nur 9 % halten das aktuelle Tempo für genau richtig. 92 % sind zudem der Ansicht, dass steigende Energie- und Spritpreise zeigen, dass Deutschland schneller unabhängig von Öl und Gas werden muss. Mit der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung sind nur 15 % der Befragten zufrieden.
„Die Menschen in Deutschland wollen mehr Unabhängigkeit, mehr Tempo und mehr Verlässlichkeit“, sagt Rohleder. Die Energiewende sei längst nicht mehr nur eine Frage der Stromerzeugung. Sie entscheide darüber, wie wettbewerbsfähig, krisenfest und handlungsfähig Deutschland künftig sei. Dafür reiche es nicht, mehr Windräder, Solaranlagen, Speicher oder Wärmepumpen zu installieren. Auch Genehmigungen, Netzanschlüsse, Mess- und Steuertechnik sowie der laufende Netzbetrieb müssten digitalisiert werden.
Große Offenheit für Smart Meter
Eine Schlüsselrolle bei der Energiewende übernehmen Smart Meter. Denn in Verbindung mit Steuerungstechnik sollen sie die Grundlage bilden, Wärmepumpen, Wallboxen, Batteriespeicher und andere flexible Verbraucher effizient in das Stromsystem einzubinden.
Die Offenheit für Smart Meter ist hoch. 8 % der Haushalte nutzen bereits ein intelligentes Messsystem, 30 % können sich die Nutzung auf jeden Fall vorstellen, weitere 31 % eher vorstellen. Damit nutzen oder interessieren sich 69 % der Haushalte für Smart Meter.
Mehr Informationen zu Smart Meter gewünscht
Zugleich besteht ein deutliches Informationsdefizit: Unter den Haushalten ohne Smart Meter fühlen sich 77 % nicht gut über die Technologie informiert. 50 % hätten gern einen Smart Meter im Haushalt, 48 % haben jedoch Bedenken, dass Smart Meter zu viele persönliche Daten erfassen.
Der Wunsch nach mehr Transparenz beim Stromverbrauch ist ausgeprägt. 90 % der Befragten fänden es hilfreich, den aktuellen Stromverbrauch ihres Haushalts so einfach sehen zu können wie den Spritverbrauch im Auto. 58 % wünschen sich per App oder online Informationen darüber, welche Geräte im Haushalt besonders viel Strom verbrauchen. 67 % möchten mehr Transparenz über die Klimawirkung ihres Energieverbrauchs. Die meisten Haushalte kennen ihre Stromkosten bislang nur grob: 65 % geben an, ungefähr zu wissen, wie hoch ihr jährlicher Haushaltsstromverbrauch ist, 78 % kennen ihre monatliche Abschlagszahlung.
Smart Meter und dynamische Stromtarife: Verbraucherinnen und Verbraucher wollen flexibler handeln
Auch dynamische Stromtarife stoßen auf Interesse. Dabei richtet sich der Strompreis nach der aktuellen Situation am Strommarkt: Strom ist günstiger, wenn viel Wind- oder Solarstrom verfügbar ist, und teurer, wenn Strom knapp ist. Voraussetzung ist in der Regel ein Smart Meter, der erfasst, wann genau Strom verbraucht wird. 2 % der Haushalte nutzen bereits einen dynamischen Stromtarif, 31 % können sich die Nutzung auf jeden Fall vorstellen, 37 % eher vorstellen.
Noch deutlicher ist die Bereitschaft zu einem flexibleren Verbrauchsverhalten. 90 % der Haushalte wären bereit, ihren Stromverbrauch an aktuelle Strompreise anzupassen, wenn sie dadurch Geld sparen können. 85 % würden Geräte und Anwendungen automatisch dann laufen oder laden lassen, wenn Strom gerade besonders günstig ist. „Dynamische Tarife und flexible Verbraucher können Haushalte entlasten und zugleich das Stromsystem stabilisieren“, sagt Rohleder. Dafür brauche es einfache Angebote, verlässliche Informationen und digitale Anwendungen, die im Alltag funktionieren.
Hohe Zustimmung für Digitalisierung
Insgesamt sehen 89 % der Haushalte die Digitalisierung eher als Chance für die Energiewende, nur 7 % eher als Risiko. Aus Sicht des Bitkom müssen Smart Meter, Steuerungsinfrastruktur, Daten- und KI-Anwendungen sowie flexible Tarife nun schneller in die Praxis gebracht werden. Die Politik solle den Smart Meter Rollout beschleunigen und mit der kommenden Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes stabile Rahmenbedingungen schaffen. Zudem müssten Netzanschlussprozesse digitalisiert und standardisiert werden.
Energiewende ist Gemeinschaftsaufgabe
Auch Wirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher sind gefragt. Unternehmen sollten Smart Meter und Steuerungsinfrastruktur ausrollen, Daten und KI im Stromverteilnetz breiter einsetzen und den Energieverbrauch in Industrie und Gewerbe stärker flexibilisieren. Verbraucherinnen und Verbraucher können prüfen, ob Smart Meter und dynamische Stromtarife für sie sinnvoll sind, ihren Stromverbrauch stärker an günstige Zeiten und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien anpassen und Smart-Home-Technologien zum Energiesparen nutzen.
„Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagt Rohleder. Politik, Wirtschaft und Haushalte müssten gemeinsam dafür sorgen, dass die Energiewende digital, sicher und verbraucherfreundlich umgesetzt werde. Eine erfolgreiche Energiewende sei entscheidend für Zukunftsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität.




