Stahl- und Metallverarbeitung 06.01.2022, 09:43 Uhr

CO2-Grenzausgleich: Hohe Kosten für Zulieferer befürchtet

Der CO2-Grenzausgleich gefährdet Zulieferer in metallverarbeitenden Branchen. Davor warnt der WSM auf Basis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Der CO2-Grenzausgleich der EU-Kommission könnte stahl- und metallverarbeitende Unternehmen zwei Milliarden Euro kosten. Foto: Panthermedia/NomadSoul

Der CO2-Grenzausgleich der EU-Kommission könnte stahl- und metallverarbeitende Unternehmen zwei Milliarden Euro kosten.

Foto: Panthermedia/NomadSoul

Aufgrund des von der EU-Kommission vorgeschlagenen europäischen CO2-Grenzausgleichsmechanismus, könnten auf stahl- und metallverarbeitende Zulieferer Zusatzkosten von zwei Milliarden Euro zukommen. Dies befürchtet der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) und bezieht sich dabei auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zu den Auswirkungen des Carbon Border Adjustment Mechanism – kurz CBAM. Er würde den Angaben zufolge die Stahlhütten vor ausländischer Konkurrenz mit größeren CO2-Belastungen bei geringerem CO2-Preis schützen, die Stahlverarbeiter aufgrund steigender Vormaterialkosten aber in den Ruin treiben. Außerdem würde sich das Abwanderungsrisiko stark erhöhen. Das IW hat die Untersuchung im Auftrag des WSM durchgeführt, heißt es weiter. Der Verband fordert von der EU-Kommission dringend Nachbesserung und die Einbeziehung der gesamten Wertschöpfungskette.

Christian Vietmeyer, Hauptgeschäftsführer des WSM, fordert von der EU-Kommission beim Thema CBAM dringend Nachbesserung und die Einbeziehung der gesamten Wertschöpfungskette.

Foto: WSM/Mourad Ben Rhouma

„Der EU-Vorschlag vom 14. Juli 2021 greift zu kurz“, kritisiert WSM-Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer. „Nur mit ganzheitlichem Blick auf alle Akteure der Lieferkette lässt sich ein Carbon-Leakage verhindern.“ Das IW Köln rechne vor, dass sich die Kosten der Stahlverarbeiter in Deutschland um zwei Mrd. Euro und etwa 3,5 % der Wertschöpfung der Branche erhöhen würden, „wenn der CO2-Preis auf Stahl dank Grenzausgleich und damit verbundenem Wegfall der kostenfreien Zuteilung von Emissionszertifikaten voll durchschlägt.“ Diese fatale Entwicklung würde die komplette, rund zweiprozentige Umsatzrendite der Stahlverarbeiter schlucken, zumal die meist mittelständischen Betriebe die Kosten nicht weitergeben können. Sie wären nicht mehr wettbewerbsfähig.

Verteuerung könnte Arbeitsplätze kosten

Wie der WSM ausführt, wären unzählige Jobs damit in Gefahr – die zehn am stärksten von hohen Stahlpreisen betroffenen Branchen stellen ein Sechstel der deutschen Arbeitsplätze. Einen ähnlichen Negativeffekt hatten vor ein paar Jahren die Stahlzölle in den USA: Sie sicherten laut Schätzungen rund 1.000 Jobs in der Stahlproduktion, vernichteten aber 75.000 in nachgelagerten Branchen, heißt es weiter.

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Der Verband bezweifelt nicht die Notwendigkeit des Grenzausgleichs. Vietmeyer: „Der Ansatz ist im Prinzip gut. Klimaschutz ist für die europäische Industrie teuer – sie verringert ihre CO2-Emissionen durch Investitionen und bezahlt einen steigenden CO2-Preis. Wenn sie am Standort weiter produzieren soll, braucht sie international vergleichbare Wettbewerbsbedingungen und den Schutz vor günstiger hergestellten Importprodukten.“ Gefährlich sei die einseitige Begrenzung des Ausgleichs auf die pure Erzeugung von Zement, Aluminium und Stahl.

Nachteile auf internationalen Märkten

Stahl- und Metallverarbeiter wären auch auf internationalen Märkten benachteiligt, weil der Grenzausgleich nur für Importe vorgesehen ist. Die stahlverarbeitende Industrie exportiere aber ein Viertel ihrer Produktion in Staaten außerhalb der EU, weitere 25 % entfallen auf Produkte, die wiederum ausgeführt werden. „Sie ist auf den Export angewiesen – ohne Rabattierung der Kosten kann sie auf den Weltmärkten aber nicht mehr konkurrieren“, unterstreicht Vietmeyer.

Der WSM vertritt nach eigenen Angaben stahl- und metallverarbeitende Branchen mit rund 5.000 Unternehmen und circa 400.000 Mitarbeitern. Seine Forderungen auf einen Blick:

  • Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette einschätzen: Die EU-Kommission muss die Auswirkung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus auf allen Stufen eingehend prüfen. Ziel ist die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit nachgelagerter Industrien.
  • Carbon-Leakage verhindern: Nur die ganzheitliche Einbeziehung der gesamten Wertschöpfungskette kann die Abwanderung bei nachgelagerten Verarbeitungsstufen vermeiden. Und so die Arbeitsplätze in der Stahl- und Metallverarbeitung sichern.
  • Exportkosten rabattieren: Diese Maßnahme erhält die Wettbewerbsfähigkeit stahlverarbeitender Industrien auf den Weltmärkten.
Von WSM/Udo Schnell