World Robotics 2022 – Service Robots 31.10.2022, 15:25 Uhr

IFR-Report: Service-Robotik wächst um 37 Prozent

Der Markt der Service-Robotik wächst weltweit. Dies gilt laut IFR sowohl für den professionellen Eindatz, wie auch für Service-Roboter für den privaten Bereich.

Die International Federation of Robotics hat den „World Robotics 2022 - Service Robots“ veröffentlich. Foto: Neura Robotics GmbH

Die International Federation of Robotics hat den „World Robotics 2022 - Service Robots“ veröffentlich.

Foto: Neura Robotics GmbH

Der Markt für professionelle Service-Roboter ist beim Absatz im Jahr 2021 weltweit um 37 % gewachsen. Aufgeschlüsselt nach Regionen kam das stärkste Wachstum aus Europa mit einem Marktanteil von 38 %, gefolgt von Nordamerika mit 32 % und Asien mit 30 %. Gleichzeitig stiegen die Verkäufe von Service-Robotern für den privaten und häuslichen Gebrauch um 9 %. Das berichtet die International Federation of Robotics (IFR) in ihrem Jahresbericht World Robotics 2022 – Service Robots.

Service-Roboter für den professionellen Einsatz

„Service-Roboter für den professionellen Einsatz gibt es in sehr vielen Varianten“, sagt Marina Bill, Präsidentin der IFR. „In der Regel sind diese Modelle für eine ganz bestimmte Aufgabe konzipiert und werden beispielsweise in Logistikzentren, Krankenhäusern und Flughäfen eingesetzt – oder sie helfen in der Landwirtschaft beim vollautomatischen Melken von Kühen.“

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Top-5 Anwendungsgebiete für professionelle Service-Roboter

  • 1 – Transport und Logistik
  • 2 – Hotel- und Gastgewerbe
  • 3 – Medizintechnik
  • 4 – Reinigungstechnik
  • 5 – Landwirtschaft

Rund 121.000 professionelle Service-Roboter haben die Hersteller 2021 laut IFR weltweit verkauft – mehr als jeder Dritte wird für den Transport von Waren oder Gütern eingesetzt. Die meisten arbeiten dabei in Innenräumen, beispielsweise in Produktionshallen. Dort haben nur Mitarbeiter Zugang, nicht aber der öffentliche Publikumsverkehr. Insgesamt stellen 286 Unternehmen Service-Roboter in dieser Kategorie her.

Marina Bill, Präsidentin der IFR über Service-Roboter für private Haushalte: „Hersteller produzieren diese Service-Roboter für einen Massenmarkt. Diese Modelle kommen mit einer völlig anderen Preisgestaltung und Vertriebsstrategie auf den Markt als Service-Roboter für den professionellen Einsatz."

Foto: IFR

Roboter im Hotel- und Gastgewerbe erfreuen sich wachsender Beliebtheit, heißt es weiter. Im Vergleich zum Marktpotenzial seien die Absatzzahlen aber noch niedrig: Im Jahr 2021 wurden weltweit mehr als 20.000 Einheiten (plus 85 %) verkauft. Roboter in dieser Kategorie werden entweder für die Zubereitung von Speisen und Getränken oder als mobile Stationen für Informationen und Telepräsenz eingesetzt.

Der Absatz von Medizinrobotern stieg um 23 % auf 14.823 Einheiten. Dabei stellen Operationsroboter die größte Gruppe dar, gefolgt von Robotern, die eine Reha unterstützen und Helfern für nicht-invasive Therapien. Der Marktanteil von Diagnose-Robotern ist im Vergleich dazu noch gering, führt IFR aus.

Die Nachfrage nach professionellen Reinigungsrobotern stieg um 31 % auf mehr als 12.600 verkaufte Einheiten. Die Hauptanwendung in dieser Gruppe ist den Angaben zufolge die Bodenreinigung. Desinfektionsroboter, die Flüssigkeiten zur Sterilisierung versprühen oder ultraviolettes Licht gegen Viren einsetzen, verzeichnen seit Beginn der Covid-19-Pandemie ebenfalls eine stark wachsende Nachfrage. Andere professionelle Helfer reinigen zudem Fenster, Schwimmbäder und Solarpanel.

Im professionellen Bereich kommen die meisten Service-Roboter im Bereich Transport und Logistik zum Einsatz. Grafik: IFR

Mit mehr als 8.000 verkauften Einheiten (plus 6 %) spielt die Robotik eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung der Landwirtschaft. Roboter sind beim Melken von Kühen bereits gut etabliert und werden von Modellen für die Stallreinigung oder Fütterung unterstützt. Dagegen stecke die Robotik beim Anbau von Nutzpflanzen noch in den Kinderschuhen.

Service-Roboter für den privaten und häuslichen Einsatz

„Private Anwender nutzen Service-Roboter hauptsächlich im häuslichen Umfeld: Sie übernehmen das Staubsaugen, helfen bei der Bodenreinigung oder der Gartenarbeit und werden auch für soziale Interaktion und Bildung eingesetzt“, sagt Marina Bill, Präsidentin der IFR. „Hersteller produzieren diese Service-Roboter für einen Massenmarkt. Diese Modelle kommen mit einer völlig anderen Preisgestaltung und Vertriebsstrategie auf den Markt als Service-Roboter für den professionellen Einsatz.“

Im Jahr 2021 wurden laut IFR fast 19 Mio. Roboter für den häuslichen Gebrauch (plus 12 %) verkauft. Staubsaugerroboter und andere Roboter für die Bodenreinigung in Innenräumen sind derzeit die meistgenutzte Anwendung. Diese Modelle sind in fast jedem Supermarkt erhältlich und damit für die Verbraucher leicht zu erwerben. Bei den Gartenrobotern kommen in der Regel Rasenmähermodelle zum Einsatz. Dieser Markt dürfte in den nächsten Jahren im Durchschnitt im niedrigen zweistelligen Bereich wachsen.

Pflegeroboter sind in immer älter werdenden Gesellschaften ein wachsender Nischenmarkt: Sie unterstützen ältere Menschen dabei, unabhängig und in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Struktur der Service-Robotik-Industrie

Obwohl die dynamisch wachsende Service-Robotik-Branche vergleichsweise jung ist, gelten 87 % der Service-Roboter-Hersteller weltweit als etablierte Unternehmen und wurden bereits vor 2017 gegründet, so IFR weiter. Der Anteil der Start-Ups ging in den letzten Jahren zurück. Dafür gibt es laut IFR verschiedene Gründe: Einige Marktsegmente haben bereits einen höheren Reifegrad erreicht. Dazu zählen beispielsweise autonome mobile Roboter (AMR) für die Lagerlogistik. Außerdem verlagern sich die Gründungsaktivitäten von der Entwicklung von Hardware hin zur Software. Viele Service-Anwendungen basieren auf kollaborativen Industrierobotern, die von industriellen Herstellern gekauft werden. Diese Anbieter von Service-Robotern werden daher in der IFR-Branchenstatistik nicht als Roboterhersteller gezählt. Sie agieren vielmehr wie Systemintegratoren, die verschiedene Komponenten kombinieren und eine Software entwickeln, um am Markt eine Lösung anzubieten.

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Von IFR/Udo Schnell