Klimawandel 19.05.2022, 15:48 Uhr

Steht uns ein Dürresommer bevor?

Aufgrund des stabilen Hochs droht Europa eine Omega-Wetterlage. Da sie sehr stabil ist, ist sie besonders gefürchtet. Dies könnte einen ähnlich heißen Sommer wie im Jahr 2018 zur Folge haben.

Noch haben die Böden Ressourcen, Kommt es jedoch zu einem stabilen Hoch könnte wieder dies zu einer Dürreperiode führen. Foto: PantherMedia / StarkO

Noch haben die Böden Ressourcen, Kommt es jedoch zu einem stabilen Hoch könnte wieder dies zu einer Dürreperiode führen.

Foto: PantherMedia / StarkO

Wetterexperten werden nervös, wenn von Omega die Rede ist. Der griechische Buchstabe steht für das Ende – doch Meteorologinnen und Meteorologen meinen damit eine nicht enden wollende Wetterlage. Omegalagen sind eine spezielle Konstellation von Hoch- und Tiefdruckgebieten – besonders stabil und daher gefürchtet. Ein gewaltiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa wird flankiert von zwei Tiefdruckgebieten über Nordatlantik und Osteuropa. Daher ist die Wetterlage sehr beständig und bringt, je länger sie anhält, desto extremeres Wetter. Jetzt kündigt sich erneut eine solche Wetterlage an. Am vergangenen Wochenende stieg der Luftdruck über Mitteleuropa und Skandinavien, sehr warme Luft aus dem Süden strömte auf den Kontinent. Fraglich ist aber, wie lange sich das Omega dieses Mal behaupten werde, das Tief über Osteuropa schwächle etwas. Es hängt von den flankierenden Tiefdruckgebieten ab, die das Hoch in der Mitte unterstützen, dann wird das Omega von der Strömung aufrechterhalten.

Trockenheit im Osten spitzt sich zu

Bis weit in die nächste Woche hinein sagen die Modelle frühsommerliche Werte und viel Sonne voraus, mancherorts könnte es tagelang sogar erstmals heiß werden. Große Hitze, wie sie Anfang der Woche noch von einigen Modellen berechnet wurde, ist allerdings unwahrscheinlich. Dafür ist bis auf Weiteres in weiten Teilen des Landes kein Regen in Sicht. Damit spitzt sich die Trockenheit im Osten und Norden weiter zu, allenfalls zum Wochenanfang könnte ein kleines Randtief ein paar Schauer und Gewitter übers Land ziehen lassen. Nach größeren Regenmengen sieht es vorerst aber nicht aus.

Warum sind Omegalagen so beständig?

Das Hoch im Zentrum einer Omegalage ist wie ein Bollwerk. Meteorologen zählen sie zu den Blockadelagen, auch Blockings genannt. Die regenträchtigen Westwinde dringen dadurch nicht mehr nach Europa vor, die Atmosphäre ist blockiert. Das Hoch ist deshalb so stabil, weil vom Boden bis in die Höhe hoher Luftdruck herrscht. Gewöhnliche Hochdruckgebiete hingegen bilden sich häufig nur am Boden und werden nach wenigen Tagen von der anrückenden Westdrift platt gebügelt. Dadurch kommt es in Mitteleuropa zum typischen Wechsel von Sonne und Regen und eher gemäßigten Temperaturen.

Staubtrockene Böden wie im Jahr 2018?

Ähnlich beständig wie die Omegalage ist auch ein Dipol- oder Rexblock (benannt nach dem Meteorologen Daniel F. Rex). Bei dieser Konstellation bildet sich ebenfalls ein stabiles Hochdruckgebiet in der Höhe, zudem ein abgeschnürtes Tiefdruckgebiet südlich davon, das so genannte Cut-Off-Tief. Unter Meteorologen wird die Lage auch als Hoch über Tief bezeichnet. Sehr beständig sind ebenfalls Hochdruckgebiete, die sich im Sommer von den Subtropen in die mittleren Breiten ausdehnen. Diese Sommerhochs können Blockaden in der Atmosphäre verursachen, werden aber nicht immer zu den Blockings gezählt. Eine einheitliche Definition für Blockings existiert nicht und damit keine geschlossene Theorie. Zu den wichtigsten Charakteristika zählen Atmosphärenforscher ihre beinahe stationäre Lage und die dadurch ausgelöste Blockierung der Westströmung. Manche Blockade-Hochs sind so beständig, dass sie mehrere Tage oder sogar Wochen anhalten. Hält die Lage Wochen oder Monate an wie im Sommer 2018, dörren die Böden aus und verstärken Hitzewellen zusätzlich.

Bislang zu wenig Regen, viel Sonnenschein.

Genau dieses Szenario bereitet Forstleuten, Landwirtinnen und Hydrologen derzeit große Sorge. Denn das aktuelle Frühjahr ist bereits deutlich zu trocken, 80 Liter Regen sind in Deutschland bislang im Schnitt gefallen. Das ist gut die Hälfte der üblichen Mengen bis Mitte Mai. Dafür schien die Sonne bundesweit schon anderthalb Mal so lange. Besonders trocken ist es erneut in Berlin und Brandenburg. In Wiesenburg an der Grenze zu Sachsen-Anhalt fielen seit Anfang März gerade einmal zehn Liter Regen pro Quadratmeter, das sind 15 Prozent. In dieser Region herrscht jetzt die höchste Waldbrandgefahr. Trocken ist es auch im äußersten Westen, und sogar am nassen Alpenrand fiel im Frühling bislang zu wenig Regen. Die Auswirkungen sind fatal: Im Rheinland und verbreitet im Osten sind die Böden bereits staubtrocken, Pflanzen beginnen zu welken. Im ganzen Osten herrscht im Oberboden eine schwere, mancherorts sogar extreme Dürre, weist der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig aus. Noch schlimmer sieht es in den tieferen Bodenschichten von etwa 1,80 Meter Tiefe aus: Dort herrscht in Teilen Niedersachsens und in weiten Regionen Ostdeutschlands sogar eine außergewöhnliche Dürre, die höchste aller Stufen.

Starker Vorbote für einen heißen und trockenen Sommer?

Hinter der Prognose der Temperaturanomalien von Juni bis August stehen 51 Ensemble-Berechnungen, die Anfang Mai in Großrechnern beim Europäischen Zentrum für Mittelfristige Vorhersagen in Reading bei London erstellt werden. Aus diesen Berechnungen bilden die Forschenden einen Mittelwert und vergleichen ihn mit dem Mittelwert der Jahre zwischen 1993 und 2016, erklärt Florian Pappenberger, Chef der Vorhersage-Abteilung. Diese Langfristprognose könnte man für Mitteleuropa also vernachlässigen, wenn das Signal für einen heißen und trockenen Sommer in diesem Jahr nicht außergewöhnlich stark wäre. Ebenfalls eine positive Abweichung berechnet der amerikanische Wetterdienst Noaa.

Landwirtschaft sollte verfügbare Wasserressourcen einteilen

»Die Sommerberechnungen zeigen schon ein sehr deutliches Signal«, sagt Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Allerdings dürfe man jetzt nicht den Fehler begehen, einen Hitze- und Dürresommer auszurufen. Dafür seien die Prognosen zu unsicher. Dennoch mahnt er erhöhte Vorsicht an: In den kommenden Wochen sollte man die weiteren Berechnungen verfolgen und sich als Landwirt vielleicht jetzt schon Gedanken machen, wie man das verfügbare Wasser einteilt und die Verdunstung niedrig hält. Bislang gebe es aus Sicht der Landwirtschaft jedenfalls noch keine größeren Probleme, sagt Brömser. Raps und Wintergetreide hätten ausreichend tiefe Wurzeln gebildet und könnten sich gut mit Wasser versorgen. Allenfalls Zuckerrüben, Mais und Soja, die Ende März bis April gesät wurden, könnten verspätet auflaufen, zudem habe sich in den trockenen Regionen der Dünger noch nicht ausgelöst. Bäume und Sträucher hingegen würden von der Trockenheit noch nicht viel merken, erklärt der Agrarmeteorologe. Jetzt kann man nur hoffen, dass das auch so bleibt. Glücklicherweise scheint sich das bevorstehende Omega nicht so stabil über Europa zu behaupten wie üblich. Den vollständigen Artikel finden Sie hier. (hi)

Andreas Frey
Wissenschaftsjournalist in Freiburg. www.spektrum.de

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