BfR-Studie zu E-Zigaretten 02.03.2019, 12:11 Uhr

Vergiftung durch „Dampfen“?

Nur in 8% der Fälle ist eine Vergiftung durch Einatmen der Grund zur Anfrage im Giftinformationszentrum. Häufig wird das verschlucken des Liquids durch Kleinkinder (in 82% der Fälle) genannt. In einer Studie vom BFR wurden 851 Vergiftungsfälle in Verbindung mit E-Zigaretten erhoben und untersucht.

Mann mit E-Zigarette

Foto: panthermedia.net/tommyandone

Das versehentliche Verschlucken von  Liquids ist mit 82 % der Fälle der häufigste Grund für Anfragen zu elektronischen Zigaretten (E-Zigaretten) bei den Giftinformationszentren in Deutschland. Nur in 8 % wurde ein bestimmungsgemäßer Gebrauch, also Einatmen bzw. Inhalation, angegeben. Dies ist ein Ergebnis der Studie „Pilotprojekt Monitoring von Vergiftungen“ (PiMont) des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und der Gesellschaft für Klinische Toxikologie (GfKT). Insgesamt wurden in der Studie 851 Vergiftungen und Vergiftungsverdachtsfälle nach Kontakt mit E-Zigaretten oder E-Liquids registriert.

Lungenschädigungen und Veriftungen sind die Folge

Bis Ende November 2019 kam es in den USA nach dem Gebrauch von E-Zigaretten zu mehr als 200 Fällen mit teilweise schweren Lungenschädigungen und 47 Todesfällen. Als mögliche Ursache ist laut den amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) Vitamin-E-Acetat, das in manchen Liquids enthalten ist und in der Lungenflüssigkeit von Patienten nachgewiesen wurde.

Wie eine umfassende Auswertung der Anfragen bei den Giftinformationszentren in Deutschland durch die GfKT und das BfR ergab, betraf die Mehrzahl der Anfragen in Deutschland das unbeabsichtigte Verschlucken der meist nikotinhaltigen Nachfülllösungen (E-Liquids), häufig durch Kinder. Darunter fanden sich auch zwei als lebensbedrohlich eingestufte Fälle. Das in E-Liquids meist enthaltene Nikotin kann beim Verschlucken schon in geringen Mengen zu deutlichen Gesundheitsbeschwerden, wie starkem Erbrechen, führen. Bei der Aufnahme größerer Mengen von Nikotin kann es zu lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen kommen. Anhaltende Atembeschwerden und Lungenschäden nach Inhalieren wurden in der Studie nicht festgestellt.

Kaum Symptome durch Einatmen

Im Zeitraum von Mai 2018 bis Februar 2019 wurden in der PiMont-Studie insgesamt 167 Vergiftungsfälle und Fälle mit Vergiftungsverdacht genauer erfasst: Nach Einatmen des Dampfes hatten die Patienten in über 90 % der Fälle keine oder nur leichte Symptome.

Die Fallsammlung zu E-Zigaretten ist eines von acht Teilvorhaben in der PiMont-Untersuchung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Beteiligt an der PiMont-Studie sind neben dem BfR die GfKT und alle acht deutschen Giftinformationszentren. Die Datensammlung erfolgte für den Zeitraum Januar 2015 bis November 2017 sowie prospektiv mit umfassenderen Fallberichten für Mai 2018 bis Februar 2019. Ergebnisse werden in Kürze in einem Abschlussbericht veröffentlicht.

www.bfr.bund.de

Von Annika Hilse

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