Exposition 14.08.2020, 11:12 Uhr

Outdoor-Kleidung als Gesundheitsgefahr?

Funktionskleidung ist praktisch: vor Nässe schützend, atmungsaktiv, winddicht. Aber die in den Materialien enthaltenen Fluorkohlenstoffverbindungen gefährden Umwelt und Gesundheit.

Outdoor-Kleidung schützt vor Nässe und Kälte. Nun haben Forscher herausgefunden, das Ölzeug auch Gesundheitsgefahren bergen kann. Foto: panthermedia.net/claudiumaximum

Outdoor-Kleidung schützt vor Nässe und Kälte. Nun haben Forscher herausgefunden, das Ölzeug auch Gesundheitsgefahren bergen kann.

Foto: panthermedia.net/claudiumaximum

Um Funktionskleidung wasser-, öl- und schmutzabweisend zu beschichten, werden häufig fluorkohlenstoffhaltige Chemikalien eingesetzt. Da bisher nicht ausreichend erforscht war, wie gefährlich die Herstellung dieser Beschichtung ist, hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ausgewählte Chemikalien ökotoxikologisch untersuchen lassen. Das Ergebnis: Der Nutzen kann das hohe Gesundheits- und Umweltrisiko bei der Herstellung nicht rechtfertigen.

Krebserregende Stoffe wie Fluorkohlenstoffe nachgewiesen

Im Labor wurde unter kontrollierten Bedingungen nachgewiesen, dass krebserregende, giftige oder gesundheitsschädliche Verbindungen zur Herstellung der Textilien verwendet werden. Daher besteht erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt, wenn dabei nicht hohe Arbeitsschutzstandards und gutes Abfall- und Abwassermanagement eingehalten werden. In vielen Produktionsstätten ist dies zurzeit jedoch fragwürdig, beispielsweise in Asien.

Fluorkohlenwasserstoffe müssen entsprechend deklariert werden

Die Nutzung von kurzkettigen PFC birgt neue Gefahren, weil diese viel mobiler in der Umwelt sind, so Dr. Jürgen Arning vom Umweltbundesamt in Dessau, das am Projekt beteiligt war. Im normalen Alltag und bei der Freizeitgestaltung sind atmungsaktive und wasserabweisende Funktionen völlig ausreichend. Diese Effekte können auch ohne fluorhaltige Chemikalien erzielt werden. Ansonsten sollte die Nutzung solcher Materialien auf das unbedingt erforderliche Maß reduziert werden solange es keine Alternative zu den Chemikalien gebe. Der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI, Bonn), Kooperationspartner des Projekts, und viele mittelständische Outdoor-Unternehmen seien aufgrund der Umwelt- und Gesundheitsgefahren bestrebt, alternative Textilveredelungschemikalien mit vergleichbarer Funktionalität zu ermitteln.

Bessere Kontrolle und transparente Lieferketten

Die Forscher hatten kurzkettige PFC, die auch öl- und schmutzabweisend sind, sowie PFC-freie Substanzen, die nur wasserabweisende Eigenschaften haben, untersucht. Beides wird derzeit von Outdoor-Herstellern für die Beschichtung von beispielsweise Jacken, Hosen und Zelten eingesetzt. Die Outdoorbranche wirbt zudem mit als gesundheitsförderlich empfundenen Freizeitaktivitäten. Daher ist das Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit bei vielen dieser Unternehmen ausgeprägter als in anderen Branchen. Allerdings seien laut der Projektbeteiligten derzeit nicht alle enthaltenden Gefahrstoffe deklariert, denn es wurden nicht im Sicherheitsdatenblatt der Hersteller aufgeführte Inhaltsstoffe nachgewiesen. Daher müssen gesetzliche Standards besser kontrolliert und Lieferketten transparenter werden.

Gefahren für die Umwelt und Gesundheit

Ohne kontrollierte Umweltstandards können die Chemikalien über das Abwasser ungehindert in Gewässer gelangen. Vor allem per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) bleiben sehr lange in der Umwelt und reichern sich gesundheitsgefährdend in Organismen an. Deshalb hat die Europäische Union langkettige PFC mit mehr als acht Kohlenstoffatomen bereits 2016 als Substanzen mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften eingestuft und für viele Anwendungen verboten. Dass die in der Industrie verwendeten kurzkettigen PFC auch nicht risikofrei sind, hat nun die neue Untersuchung gezeigt: Die Nutzung birgt sogar neue Gefahren, weil diese Chemikalien in der Umwelt viel mobiler sind. Das Umweltbundesamt rät bei Funktionskleidung auf fluorfreie Alternativen zu achten und die Verwendung kurzkettiger PFC in der Textilherstellung auf das unbedingt erforderliche Maß zu reduzieren, z. B. bei persönlicher Schutzkleidung für Feuerwehr oder medizinisches Personal.

Von Annika Hilse

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