Biomonitoring 02.06.2021, 09:02 Uhr

Umweltwirkungen mit Pflanzen im Blick behalten

Biomonitoring – der Einsatz lebender Organismen zur Umweltbeobachtung – liefert bereits seit Jahrzehnten zuverlässig Informationen über den Zustand und die langfristige Entwicklung von Natur und Umwelt. Die Fachzeitschrift „Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft“ widmet sich dem Thema mit einem Schwerpunktheft ausführlich.

Löwenzahn wird am LANUV in NRW als ‧pflanzlicher Bioindikator eingesetzt. Foto: LANUV NRW

Löwenzahn wird am LANUV in NRW als ‧pflanzlicher Bioindikator eingesetzt.

Foto: LANUV NRW

Sich wandelnde Herausforderungen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes sowie neue wissenschaftliche Erkenntnisse machen eine kontinuierliche Anpassung bzw. Weiterentwicklung von Biomonitoringverfahren und Beurteilungsmaßstäben notwendig. Die Mai/Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift „Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft“ enthält aktuelle Beispiele aus der Biomonitoringforschung und -praxis.

Was ist Löwenzahn­screening?

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW) hat ein neues Verfahren entwickelt, bei dem Löwenzahn als Bioindikator zum Einsatz kommt. Die Methode ermöglicht anlagenbezogenes Umweltmonitoring mit einfachen Mitteln und zu nahezu jeder Jahreszeit.

Moose und Flechten als Indikatoren

Der Weiterentwicklung bereits etablierter Biomonitoringverfahren widmen sich gleich zwei Beiträge: Die eine Studie vergleicht die Moos- mit der Flechtenkartierung und kommt zu dem Schluss, dass die beiden Bioindikatoren jeweils über Eigenschaften verfügen, die sie für den Einsatz unter unterschiedliche Umgebungsbedingungen qualifizieren. Entwicklungspotenzial sehen die Autoren hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Aus ihrer Sicht könnte die bisher angegebene Luftgüte außerdem durch Einbeziehung zusätzlicher Einflüsse zur „Umweltgüte“ erweitert werden.

Die zweite Studie betrachtet ebenfalls mehrere Biomonitoringverfahren parallel, insbesondere aber im Vergleich zur technischen Messung von Stickstoffkonzentrationen. Die Autorinnen stellten zum Teil deutliche Zusammenhänge zwischen den technisch ermittelten Ergebnissen und denjenigen des Biomonitorings fest. Wenn es um die Erfassung der Wirkungen der insgesamt deponierten Stickstoffverbindungen geht, sehen sie jedoch die Bioindikatoren eindeutig im Vorteil.

Biomonitoring von Ammoniak

Ganz konkret mit der Stickstoffverbindung Ammoniak befasst sich ein weiterer Beitrag im Schwerpunktheft „Biomonitoring“: Aus der beschriebenen Untersuchung folgert der Autor, dass sich die Gewöhnliche Blasenflechte (Hypogymnia physodes) für das mittel- und langfristige Monitoring von Ammoniak sowohl in der Umgebung potenzieller Quellen als auch innerhalb stickstoffempfindlicher Ökosysteme gut eignet.

Nachweis von historischen Immissionsverläufen

Anhand des im Beitrag „Bioindikation von Quecksilber im Holz“ dargestellten Verfahrens lassen sich zeitliche Verläufe von Industrieemissionen über mehrere Jahrzehnte hinweg nachweisen. Es erlaubt außerdem eine Einschätzung der Quecksilberkonzentrationen im Holz von Bäumen in der Nähe einer Emissionsquelle.

Die vollständigen Texte finden Sie in der aktuellen Ausgabe.

Von Ruth Heesen, TG 3, VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL)/FB III

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